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Feuerwehr

30.03.2017

Auch Retter brauchen Hilfe

So schwere Unfälle wie hier auf der A 8 bei Leipheim, bei dem ein Lastwagenfahrer starb, gehen an Feuerwehrleuten nicht spurlos vorüber. Manche müssen sich psychologisch betreuen lassen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Ichenhausen macht sich stark für eine psychosoziale Notfallversorgung für Feuerwehrleute. Das Modell, das landkreisweit gelten soll, kommt nicht bei allen gut an.

 Machen diesmal tatsächlich alle 34 Landkreiskommunen mit? Viele Gemeinden haben noch gar nicht beraten, ob sie sich an der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) für Feuerwehrleute im Landkreis beteiligen. Ob das Geld reicht, angesetzt sind vorerst drei Euro pro aktivem Feuerwehrmann oder -frau, ist auch offen. Notfalls sollen die beteiligten Kommunen nachlegen. Dennoch steht für den Ichenhauser Bürgermeister Robert Strobel fest: „Wir probieren das. Wir sollten dieser landkreisweiten Lösung eine Chance geben.“

Diese landkreisweite Lösung trägt den sperrigen Titel „Gemeinsame Vereinbarung des Landkreises Günzburg, der Großen Kreisstadt Günzburg und den Gemeinden im Landkreis Günzburg über die Finanzierung und dem Betrieb einer Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte der Feuerwehren im Landkreis Günzburg“ und lässt sich grammatikalisch auf jeden Fall noch verbessern.

Dass womöglich auch inhaltlich noch optimiert werden kann, deutete der Ichenhauser Bürgermeister in der Sitzung des Haupt-und Personalausschusses an: „Das Konzept ist unter den Feuerwehr-Aktiven nicht unumstritten“, sagte er und nannte das Stichwort „fragliche Fachkompetenz“. Dennoch warb er im Ausschuss für das Konzept.

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Viele Einsätze der Feuerwehrleute seien psychisch belastend, sagte Strobel: „Es ist keine Schande, wenn man Schwierigkeiten hat, damit umzugehen.“ Vorsorge und erste Nachsorge soll das PSNV-E-Team leisten, Ansprechpartner für die Einsatzkräfte sein und zugleich selber aktiv werden.

„Das Team kommt aus den Reihen der Feuerwehr-Aktiven“, sagte Strobel, aber auch der Rettungsdienst und die Notfallseelsorge seien an dem „bunten Team“ beteiligt: „Das sind keine ausgebildeten Psychologen.“ Und selbstverständlich könne jeder Feuerwehrler bei Bedarf nach einem belastenden Einsatz auch einen ausgebildeten Psychologen aufsuchen. Laut dem Konzept, das 2016 bei einer Bürgermeisterversammlung vorgestellt worden ist, und das auch andere schwäbische Landkreise derzeit aufbauen oder schon aufgebaut haben, soll der Kreisbrandrat Mitglieder in das Nachsorgeteam bestellen und den verantwortlichen Leiter benennen.

Kommunen tragen die Kosten

Träger der PSNV-E sind die Kommunen, die wie die Stadt Ichenhausen das Konzept unterzeichnen. Sie tragen auch die Kosten, die vorerst mit drei Euro pro Feuerwehrdienstleistendem kalkuliert sind. Für Ichenhausen macht das laut Strobel circa 700 Euro. „Erstfinanzierungsanteil“ sagte er, wenn mehr Geld gebraucht wird, müssen die Kommunen nachzahlen.

Über die Höhe des Finanzbedarfs soll, so steht es im Konzept, „bei einer geeigneten Versammlung, z.B. bei einer Bürgermeisterversammlung“ beraten und entschieden werden. Austreten können Mitgliedskommunen mit einer Frist von drei Monaten zum Jahresende, eine Begründung wird nicht verlangt.

Im Ichenhauser Ausschuss gab es keinen großen Diskussionsbedarf zum Vorschlag des Bürgermeisters, man möge dem Konzept zustimmen und so einer der Träger der PSNV-E werden – was einstimmig geschah. Lediglich Stadträtin Gerlinde Schweiger fragte, ob es in anderen Landkreisen schon Erfahrungen mit diesem Angebot gebe.

Umso mehr Gesprächsbedarf hatte das halbe Dutzend Feuerwehrleute, die ins Rathaus gekommen waren. „Ganz zufrieden kann ich nicht sein“, sagte der Ichenhauser Kommandant Ralf Berchtold nach der Sitzung im Gespräch mit unserer Zeitung. Sowohl Berchtold, der in Teilzeit als Feuerwehrmann bei der Stadt Ichenhausen angestellt ist, als auch sein ehrenamtlicher Stellvertreter Oliver Stritzinger sehen vor allem bei den Punkten Anonymität für Hilfesuchende und Finanzierung noch Klärungsbedarf.

Stritzinger vermisste zudem eine klare Struktur im Konzept, das er allerdings ebenso wie Berchtold bis zur Sitzung nur in Auszügen kannte. Und er hätte sich, so sagt der stellvertretende Kommandant, eine offene Diskussion gewünscht, „bevor man solche Beschlüsse fasst.“

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