Newsticker

NRW will bei Verstoß gegen Maskenpflicht Sofort-Bußgeld von 150 Euro einführen
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Auf Augenhöhe mit der Turmspitze: So läuft die Kirchenrenovierung in Breitenthal

Breitenthal

15.06.2020

Auf Augenhöhe mit der Turmspitze: So läuft die Kirchenrenovierung in Breitenthal

Ganz oben auf dem Gerüst neben der Kirchturmspitze: Dekan Klaus Bucher, die Restauratoren Johannes Amann, Erwin Merath und Architektin Monika Wiesmüller-Schwab.
Bild: Peter Bauer

Plus Die Heilig-Kreuz-Kirche in Breitenthal mit ihrem 51 Meter-Turm ist wegen der großen Renovierung eingerüstet. Da findet dann auch so manche Besprechung in luftiger Höhe statt. Details der Arbeiten in Bildergalerie und Video.

Baustellenbesprechung – neben der Kirchturmspitze. Es ist gewissermaßen ein luftiges Breitenthaler Hochgefühl. Dekan Klaus Bucher blickt vom Baugerüst hinüber zum Oberrieder Weiher, der am Horizont in den Wolken regelrecht zu verschwinden scheint. Dann nennt er Fakten und Zahlen, die deutlich machen, welche Dimension dieses Renovierungsprojekt hat.

Der Breitenthaler Kirchturm ist derzeit vollständig eingerüstet.
Bild: Peter Bauer

Rund 1,7 Millionen Euro wird die Renovierung voraussichtlich kosten. Abgeschlossen sind die Arbeiten noch lange nicht, doch alle Beteiligten sind zuversichtlich, dass das Projekt, das wohl noch mehrere Monate in Anspruch nehmen wird, weiterhin reibungslos verlaufen wird. Derzeit ist die Außenrenovierung der ab 1785 erbauten Kirche in vollem Gange, danach wenden sich die Fachleute dem Inneren des Baus zu.

Ein Team von ausgewiesenen Spezialisten

Pfarrer Klaus Bucher, der auch Dekan für den Kreis Günzburg ist, gelang es, ein Team von ausgewiesenen Spezialisten für die Renovierungsarbeiten zu gewinnen. Sie haben sich an diesem wolkenverhangenen Tag (Bucher: „Das ist schon fast so wie Schottland und Loch Ness“) ganz oben auf dem Gerüst, buchstäblich neben der Kirchturmspitze und dem imposanten, rund sieben Meter hohen Kreuz versammelt. Der wolkenverhangene, tiefgraue Himmel scheint einem fast auf den „Kopf zu fallen“. Aber es ist windstill, das Gerüst „singt“ nicht, wie es Pfarrer Bucher mit Blick auf die vielen Tage umschreibt, an denen starker Wind mit einer bisweilen lautstarken Wucht durch die verwinkelten Kanäle der komplexen Metallkonstruktion pfeift.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Blick auf Breitenthal: Dekan Klaus Bucher auf dem Baugerüst ganz oben neben der Kirchturmspitze.
Bild: Peter Bauer

Einer der Spezialisten des Breitenthaler Renovierungsprojekts ist Johannes Amann, Diplomrestaurator und Kirchenmaler aus Weißenhorn. Wenn er über seine Tätigkeit spricht, dann fallen Stichworte wie Neuschwanstein, Linderhof, Ottobeuren oder auch das Kloster Maria Medingen im Kreis Dillingen, das vor einigen Jahren durch einen Brand schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Amann arbeitet immer wieder mit der Werkstatt von Zimmerermeister und Restaurator Erwin Merath und dessen Werkstatt in Wiggensbach-Ermengerst im Oberallgäu zusammen. In Breitenthal sind die Arbeiten trotz des zuletzt eher mäßigen Wetters gut vorangekommen. Merath verwendet eine Art fahrbare Abdeckung, die über dem Kirchendach installiert ist. Das schützt die Fachleute bei ihrer Arbeit vor Wínd und Regen. Ist die Arbeit an einer Stelle vollendet, wird die Konstruktion einfach weiter verschoben.

Viele neue Dachplatten

Zahlreiche neue Dachplatten sind mittlerweile eingesetzt, das Holzgebälk ist an vielen Stellen erneuert. Die Kunst der Restauratoren ist es, die neu eingesetzten Elemente optisch auf das vor Jahrhunderten verwendete Material abzustimmen. Und nur dann einzugreifen, wenn es nötig ist. So können etwa die Dachrinnen in vielen Bereichen weiterverwendet werden. Und da ist auch der Wunsch, Natur und Baukunst in Einklang zu bringen. Im Turmbereich soll ein Nistplatz für Turmfalken eingerichtet werden.

Architektin ist Monika Wiesmüller-Schwab aus Thannhausen

Federführend wird die Renovierung von der Thannhauser Architektin Monika Wiesmüller-Schwab betreut. Es ist, wie sie berichtet, ihre erste große Kirchenrestaurierung. Und dann ist es sozusagen gleich eine „erste Adresse“. Die Geschichte der Kirche von Breitenthal ist eng mit dem benachbarten Kloster Roggenburg verknüpft, wer in die Baugeschichte blickt, stößt auf bekannte Namen wie Baumeister Josef Dossenberger oder den Weißenhorner Maler Konrad Huber. Wenn Johannes Amann aus Weißenhorn dann an die Restaurierung der Gemälde im Inneren der Kirche geht, dann ist das für ihn sozusagen eine Art „Heimspiel“.

Deutlich heben sich alte und neue Dachziegel voneinander ab: Dekan Klaus Bucher und Architektin Monika Wiesmüller-Schwab auf dem Baugerüst neben dem Dach der Breitenthaler Kirche.
Bild: Peter Bauer

Auch der Innenraum der Kirche, in der zurzeit keine Gottesdienste stattfinden können, ist bereits eingerüstet. Das macht es möglich, den imposanten Deckengemälden von Konrad Huber ganz nah zu kommen. Sie befinden sich auch nach Jahrhunderten in einem insgesamt noch erstaunlich guten Zustand. Dekan Klaus Bucher hofft, dass eine umfassende Reinigung ausreichen könnte, um den Gemälden wieder ihren Ursprungsglanz zu verleihen.

Warum die Einrichtung der Baustelle schwierig war

Für die gesamte Kirche ist es sozusagen eine Rundumerneuerung. Im Außenbereich wird an einigen Stellen der Sockelputz erneuert, saniert wird der Dachstuhl. Erneuert werden die Elektrik, die Lautsprecheranlage und die Beleuchtung. Ein Taufstein aus dem 19. Jahrhundert, der sich zuletzt am Rand des Raumes befand, soll aus seiner Ecke geholt und neu platziert werden. Die Einrichtung der Baustelle war, wie Monika Wiesmüller-Schwab berichtet, durchaus eine Art „Kraftakt“. Die Kirche steht auf einem Hügel, das Areal ist nicht leicht zugänglich. Die umfassende Technik hier zu platzieren, das war nicht einfach. Dekan Bucher bittet darum, wegen der laufenden Arbeiten den benachbarten Friedhof in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 17 Uhr nicht zu besuchen.

Reinigungsarbeiten im Dachbereich der Breitenthaler Kirche Heilig Kreuz.
Bild: Peter Bauer

Die Arbeiten laufen nach Plan und die Schäden an der Kirche sind, wie die Beteiligten erklären, offenbar eher geringer als zunächst befürchtet. 1,7 Millionen Euro sind für die Renovierung veranschlagt. Die Diözese beteiligt sich mit 1,2 Millionen Euro, die Gemeinde Breitenthal hat 170.000 Euro in Aussicht gestellt. Hinzu kommen Spenden, auch dank der Aktivitäten eines rührigen Fördervereins (Vorsitzender ist Markus Lecheler). Unter anderem werden „Heilig-Kreuz-Rippla“ aus fair gehandelten Rohstoffen verkauft. Das Großprojekt Renovierung ist so auch mit Gaumenfreuden verbunden.

Wichtige Rolle des Klosters Roggenburg

In der Baugeschichte der Kirche spielt das Kloster Roggenburg eine maßgebliche Rolle. Der Neubau erfolgte ab 1785 unter Abt Gilbert Scheurle nach einem Entwurf des legendären Baumeisters Josef Dossenberger. Er hatte bereits 1770 den benachbarten Pfarrhof gestaltet.

Konrad Huber, 1786: Der Weißenhorner Maler schuf einen Großteil der Gemälde in der Breitenthaler Kirche. So manches erinnert dabei bereits an den späteren Nazarenerstil.
Bild: Peter Bauer

An der vor einigen Jahren abgeschlossenen Restaurierung des Pfarrhofs war Restaurator Amann ebenfalls beteiligt. Die Breitenthaler Kirche (1791 geweiht) gilt als eine der letzten Arbeiten Dossenbergers, der am 17. Mai 1785 starb. Die Baustruktur zeigt eine deutliche Hinwendung zum Klassizismus, der sich in den Folgejahren als Stil durchsetzen sollte. Die Gemälde wurden in Freskomaltechnik auf nassem Putz von Konrad Huber aus Weißenhorn gestaltet (datiert 1786).

Die Deckengemälde (1786) von Konrad Huber ganz nah: Dekan Klaus Bucher ist zuversichtlich, dass eine Reinigung ausreichen könnte, die Malereien wieder in einen optimalen Zustand zu bringen.
Bild: Peter Bauer

Welche Kunst diese Form der Kirchenmalerei ist, spürt man auch, wenn man den Bildern wie jetzt dank der Gerüste gewissermaßen auf Tuchfühlung ganz nahe kommt. Eine perspektivische Gestaltung ist aus dieser Nähe schlicht weg nicht mehr zu sehen. Doch viele Meter weiter unten fügt sich die Gesamtkomposition beim Blick nach oben zu einer beeindruckenden Harmonie zusammen.

Ein „spitzer Helm“ für den Kirchturm

Im Jahr 1860 gab es eine markante optische Veränderung, als der Kirche eine Art „spitzer Helm“ aufgesetzt wurde. Dekan Bucher zeigt eine alte Skizze mit der anfänglich klassizistisch gehaltenen Kirchturmspitze. Sie wieder herzustellen, das wäre natürlich wunderschön, sagt er. Aber dafür reichen die finanziellen Mittel nicht aus. Und doch ist die Spitze des Kirchturms mit einer besonderen Episode der Restaurationsarbeiten verbunden. Das sieben Meter hohe Kreuz wird vorübergehend heruntergenommen und neu vergoldet. Dann wird es wieder ganz oben auf dem Turm eingesetzt. Im wahren Wortsinn ein Höhepunkt – und wohl auch ein weiteres „Breitenthaler Hochgefühl“.

Baustellenbesprechung hoch oben auf dem Gerüst der Breitenthaler Kirche: Dazu gibt es auch ein Video und eine Bildergalerie:

Auf Augenhöhe mit der Turmspitze: So läuft die Kirchenrenovierung in Breitenthal
24 Bilder
Kirchenrenovierung in Breitenthal
Bild: Peter bauer

Weitere Informationen zur Kirchenrenovierung in Breitenthal und anderen bedeutende Projekten wie beispielsweise im Wallfahrtsort Maria Vesperbild finden Sie hier:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren