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29.09.2010

Auf den Geschmack gekommen

Die Weide bei Neuburg spielt für die Qualität der Fleischerzeugnisse eine besondere Rolle, sagt Direktvermarkter Franz Bissinger (rechts) aus Ellzee. Ihm zur Seite stehen (von links) Tobias, der erfahrene Helfer Josef Hoser und Martin. Foto: Maximilian Czysz
Bild: Maximilian Czysz

Landkreis Seinen gut bezahlten Job in einem großen Möbelhaus hängte er an den Nagel und entschied sich für eine Rückkehr zu den Wurzeln: Franz Bissinger stieg in den elterlichen Hof in Ellzee ein, auf dem seit Generationen Landwirtschaft betrieben wird. Der 34-Jährige ging allerdings einen anderen Weg: Er spezialisierte sich auf die direkte Vermarktung von Rindfleisch. Der immer größer werdende Kundenkreis bestätigte die Entscheidung. Die Direktvermarktung ist für viele Landwirte mittlerweile eine wichtige Einkommensquelle. Oder gar die Chance, nicht in den Nebenerwerb wechseln zu müssen, wie Matthias Letzing vom Bauernverband sagt. Im Kreis gibt es über 60 Landwirte, die ihre Lebensmittel anbieten.

Unternehmerisches Risiko

Erzeuger und Konsument treten in Kontakt: Das mag idyllisch klingen, sagt Georg Stark, der Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Krumbach. "Ganz so einfach ist es aber nicht." Die Direktvermarktung bedeutet viel Idealismus, dazu kommen Formalitäten und Vorschriften und nicht zuletzt ein unternehmerisches Risiko. "Man braucht einen langen Atem", sagt Stark. Beim eloquenten Bissinger ging es schnell: Die gute Qualität seiner Erzeugnisse war die beste Werbung. "Es ging von Mund zu Mund und über Bekannte." Es braucht nicht lange, bis der 34-Jährige fein marmoriertes Fleisch schmackhaft macht und das Interesse für besondere Rinderrassen weckt. Außerdem berichtet er nachvollziehbar, was ihn von anderen unterscheidet: Er begleitet beispielsweise die Tiere vom Anfang bis zum Ende. Selbst beim Zerlegen durch einen ihm bekannten Metzger ist er dabei. Ein Schlachthof kommt für ihn nicht infrage. Denn der zahlt nicht nach Geschmack und Gentechnikfreiheit. "Alles ist sehr arbeitsintensiv", sagt er. Als er vor Jahren mit Angus-Rindern anfing, hatte er ein Kühlfahrzeug von einem Nachbarn bekommen, mittlerweile hat er ein eigenes, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Ein weiteres Erfolgsrezept von Bissinger: "Service ist alles."

Für seine Kunden hat er beispielsweise Rezeptvorschläge zusammengestellt, wer will, kann mit Bissingers Fleisch Pesto-Schinken-Rouladen im Spätzlenest kreieren oder Rinderfilet mit Spargel. Bissinger hat seinen Kundenkreis, der auf den Geschmack gekommen ist. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Schließlich ist es die Macht der Gewohnheit, die Kunden an die Supermarkt-Fleischtheke führt. Dort gibt es immer Fleisch. "Das macht es nicht gerade leicht", sagt Stark.

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Er kennt eine weitere Möglichkeit für Direkterzeuger, die immer größere Resonanz erfährt: In Ballungsräumen bieten größere Handelsketten Produkte des Netzwerks "Unser Land" an: Unter einem eigenen Logo haben sich Landwirte zusammengeschlossen, um gemeinsam zu vermarkten.

Solidargemeinschaft

Zehn Solidargemeinschaften, die elf Landkreise rund um München, ergänzt durch Augsburg umfassen, setzen sich für das Ziel ein, die Lebensgrundlagen von Menschen Tieren und Pflanzen zu erhalten. Rund 200 Partner aus Landwirtschaft, Handwerk und Handel arbeiten mit dem Netzwerk zusammen. "Das wäre eine Möglichkeit. In Ballungs- räumen funktioniert es besser. Man muss Geduld haben, ob es auch in unseren Landkreis kommt", sagt Stark.

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