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Landkreis Günzburg

22.01.2020

Auftragsboom und Fachkräftemangel

Ungebrochen dauert der Bauboom in der Region nach Ansicht der Kreishandwerkerschaft Günzburg/Neu-Ulm an. Ein Beweis dafür ist die Wohnanlage mit 21 Sozialwohnungen, die von der Stadt Krumbach am Hopfenweg gebaut wird.
Foto: Hans Bosch

Die Kreishandwerkerschaft spricht von einem „tollen Jahr“ 2019. Warum sie für 2020 weiterhin optimistisch ist – aber auch eine große Sorge hat.

 „Es war ein tolles Jahr!“ Auf diesen Nenner bringt Ulrike Ufken, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Günzburg/Neu-Ulm, die Situation im Bereich des Handwerks zum Jahresbeginn und ergänzt: „Die Auftragsbestände befinden sich seit acht Jahren auf einem sehr hohen Niveau und das wird auch 2020 so bleiben.“ Kreishandwerksmeister Michael Stoll gibt ihr recht, hat aber zugleich eine große Sorge: „Trotz der boomenden Auftragslage bereitet den Handwerksmeistern in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm der weiter anhaltende Fachkräftemangel erhebliche Probleme.“

Den Grund für diese positive Situation im Handwerk detailliert Ufken dank mehrerer Fakten. So habe sich die jüngste Konjunkturschwäche in der Region nicht bemerkbar gemacht, das Bau- und Ausbaugewerbe müsse vielfach Aufträge ablehnen und die nahe Zukunft lasse eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Grund und Boden sowie Wohnungen und Häuser erkennen. Das Ergebnis seien in diesem Bereich weiter steigende Preise bei der Zuliefererindustrie, wobei sie sich sicher ist: „Die jüngsten Steuererleichterungen der Bundesregierung zur Wohnungsnot werden sich im Landkreis kaum positiv auswirken, da sie nicht weit genug gehen.“ Die Forderung des Handwerks deshalb: Steuerliche Entlastung für die Unternehmen, weniger Bürokratie und eine bezahlbare Energiepolitik. Ufken konkret: „Die zunehmende Belastung in Form von zusätzlichen Sozialabgaben, steuerlichen Erschwernissen, arbeitsrechtlichen Vorschriften und steigenden Energiekosten muss aufhören.“

Probleme in der Förderung des Handwerkernachwuchses

Neben dem Fachkräftemangel sieht Kreishandwerksmeister Stoll Probleme in der Nachwuchsförderung. Nach wie vor fehlen für ihn ausreichend qualifizierte Bewerber für das duale Ausbildungssystem, wenngleich er es positiv bewertet, dass die Anzahl der abgeschlossenen Lehrverträge im Arbeitsamtsbezirk Donauwörth in 2019 einen leichten Zuwachs von 5,4 Prozent verzeichnen konnte. Hier sei offensichtlich, die gebündelten und unterschiedlichen Maßnahmen der Kreishandwerkerschaft und der Handwerkskammer Schwaben in den Schulen und Gymnasien der Region Westschwaben tragen Früchte. Stoll: „Die Ausbildungsverträge von Bewerbern mit Abitur für das Handwerk sind leicht gestiegen.“ Allerdings profitiere davon der Bereich Nahrungsmittel bisher nur wenig und es werde immer schwieriger, überhaupt Nachwuchs für Berufe wie Metzger oder Bäcker zu bekommen.

Wie ein Stukkateur gegen bürokratische Hürden kämpft

Wenig Erfolgschancen räumen beide ein, dem Fachkräftemangel mit Migranten oder Flüchtlingen entgegenzuwirken. Das werde noch Jahre in Anspruch nehmen und vermutlich kaum zur Entspannung des Problems beitragen. Ulrike Ufken hat dazu ein aktuelles Beispiel parat: Ein Stukkateurmeister aus dem nördlichen Landkreis Günzburg kämpfe seit zwei Jahren gegen die bürokratischen Hürden an, die er für seine beiden afghanischen Auszubildenden zu überwinden habe. Das Fazit des Handwerksmeisters: „Der Aufwand ist für jeden Betriebsinhaber so groß, dass es sich viele nicht leisten können, solche Mitarbeiter einzustellen.“ Für Stoll wird aber auch die Abwerbung von Fachkräften aus dem östlichen Europa immer schwieriger, da diese mittlerweile in ihren Heimatländern selbst gebraucht und entsprechend entlohnt werden. Lediglich im Baubereich gebe es noch geringe Verbesserungen, wenn es den Unternehmern möglich ist, entsprechenden Wohnraum für neue Mitarbeiter aus dem Ausland bereitzustellen. Positiv bewerten die beiden Handwerkssprecher die von der Bundesregierung zu Beginn dieses Jahres wieder eingeführte Meisterpflicht in zwölf Berufen. Aber: „Weitere Gewerke müssen folgen, um langfristig die Qualität des deutschen Handwerks zu gewährleisten und die bestehenden Betriebe zu schützen.“ Dass sich im regionalen Bereich die Kreishandwerkerschaft auch anderweitig positioniert, zeigen zwei Veranstaltungen speziell für den Nachwuchs: Am 12. März findet in Autenried die Freisprechungsfeier für die Anlagenmechaniker und Klempner aus den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm statt und am offiziellen Tag des Handwerks, dem 19. September, folgt die große Freisprechungsfeier für alle Gesellen der anderen Berufe im Günzburger Forum.

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