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Thannhausen

05.09.2019

Aus dem warmen Herzen Afrikas nach Thannhausen

Viel Unterstützung aus Mittelschwaben organisierte Diakon Alois Held (links) für die sozialen Aktivitäten von Schwester Emma Kulombe in Malawi.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Wie einem Missverständnis in Malawi große Taten aus Thannhausen und Umgebung folgten.

Es wirkt, als hätte Schwester Emma Kulombe eine große Portion Ruhe und Gelassenheit aus Malawi mitgebracht. Sie sitzt still am Tisch, verfolgt interessiert das Gespräch und wartet auf die Fragen an sie. Sie spricht sachlich und dennoch ist spürbar, was sie umtreibt. Das warme Herz Afrikas nennt man ihre Heimat Malawi, im Südosten von Zentralafrika gelegen, mit Anspielung auf die Lage des Landes, das Klima und die herzliche Gastfreundschaft seiner Bewohner.

Bei ihr zu Hause gibt es keine befestigten Straßen, keinen Strom und kein Wasser in den Häusern. Alles wird von Hand verrichtet und Wasser meist in einem Gefäß auf dem Kopf über weite Strecken getragen. Auf die Frage, ob sie derzeit einen Kulturschock erlebe, lächelt sie und erklärt, dass sie sich wohl fühle in Deutschland. Sie erlebe die Deutschen als freundlich, gut zuhörend und aufgeschlossen für ihre Mission.

Bildung soll ein Grundpfeiler sein

Schwester Emma Kulombe möchte in ihrem Land die Grundlagen für eine neue Gesellschaft schaffen, in der Bildung und solidarisches Handeln Grundpfeiler sein sollen. Zu diesem Zweck hat sie in den letzten Jahren ein Schwesternwohnheim für 28 Novizinnen der „Dienerinnen der gebenedeiten Jungfrau Maria“ gebaut, eine Grundschule für über 800 Schüler und ein Zentrum für taube und blinde Kinder.

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Viel Unterstützung bekam sie aus Mittelschwaben und Auslöser hierfür war ein Missverständnis. Diakon Alois Held aus Thannhausen erzählt die Geschichte gern. Er besuchte Malawi 2012 mit seiner Tochter Maria, die 2004 dort ein freiwilliges soziales Jahr absolviert hatte. Held sei beeindruckt und begeistert gewesen vom Engagement Schwester Emmas und der anderen Schwestern. Offenbar habe er, als er im Gespräch seine Solidarität mit den Anliegen der Schwestern bekundete, sich falsch ausgedrückt, denn danach sei allen klar gewesen, er werde das dringend benötigte neue Schwesternheim finanzieren. Alois Held fand in Thannhausen und Umgebung viele Unterstützer und löste sein „Versprechen“ ein.

Malawi ließ Alois Held aus Thannhausen nicht los

Aber Malawi ließ ihn nicht los. Seit dem Bau des Schwesternheims 2013 wurde Malawi dreimal von Naturkatastrophen und damit verbundenen Hungersnöten heimgesucht. Immer wieder machte er sich auf die Suche nach Spendern, um die Nöte zu lindern. Schwester Emma Kulombe hat, wie sich im Gespräch zeigt, nicht nur klare Vorstellungen über ihre nächsten Schritte, sondern auch eine Vision, wie alles auf Dauer eingerichtet werden könnte. Die Gebäude stehen, die Kinder gehen gern zur Schule. Es fehlt noch an Unterrichtsmaterialien und an Möbeln. Brunnen müssten geschlagen werden und Hygieneeinrichtungen geschaffen. Vor allem aber gehe es um Aktivitäten, die ihren Mitmenschen in Malawi zu einer unabhängigen Existenz verhelfe. Auch für die Zukunft ihrer Schützlinge müsse gesorgt werden. Es sei damit viel erreicht, dass in ihrer Heimat ein Bewusstsein für die Belange von Kindern mit Behinderung entstanden sei, erklärt sie. Aber man brauche später Lehrstellen und Arbeitsmöglichkeiten für diese Kinder.

Die Ruhe, mit der Schwester Emma all das formuliert, beruht auf ihrem Gottvertrauen. Glaubensnot, leere Gottesdienste und Kirchenaustritte gibt es in Malawi nicht. Er habe das miterlebt, erzählt Diakon Held. Der Gottesdienst sei ein Fest und es sei wohl paradoxerweise so, dass je ärmer die Leute seien, desto größer sei ihre Freude an der Frohbotschaft des Evangeliums.

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