1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Bei den Krumbacher Krippenfreunden wird ein Stück Holz wieder lebendig

Krumbach

15.12.2018

Bei den Krumbacher Krippenfreunden wird ein Stück Holz wieder lebendig

Copy%20of%20landsperger_2.tif
3 Bilder
Wenn Heidi Landsperger einen Plan von einer Figur im Kopf hat, muss sie keine Zeichnungen anfertigen. Für die Figuren in echter Kleidung, die „Einglschleiften“, werden die Einzelteile geschnitzt.
Bild: Gertrud Adlassnig

Heidi Landsperger aus Niederraunau schnitzt aus Leidenschaft. Sie ist die Vorsitzende der Krippenfreunde, die heuer ihr 20-jähriges Bestehen im Heimatverein Krumbach feiern.

Schnitzen ist ihre Leidenschaft. Und Heidi Landsperger ist bereit, viel auf sich zu nehmen, um diese Leidenschaft in der Gemeinschaft leben zu können. Damit ihr geliebter Schnitzerhoigarta weiter bestehen bleibt und auch das ganze kulturelle Umfeld der Krumbacher Krippenfreunde, war sie sogar bereit, den Vorsitz der Abteilung Krippen des Heimatvereins Krumbach zu übernehmen. Natürlich bedeutet das für sie noch mehr Arbeit. Dabei hat eine Frau traditionell in der Vorweihnachtszeit alle Hände voll zu tun, zumal wenn sie, wie Heidi Landsperger, auch noch einem Beruf nachgeht.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Aber die rührige Niederraunauerin hat sich bestens organisiert. Und hat sie es sich ermöglicht, auch in der Vorweihnachtszeit zum regelmäßigen Treffen noch zahlreiche Zusatztermine anzunehmen. Am ersten Adventssonntag sitzt sie mit ihren männlichen Schnitzerfreunden im Heimatmuseum, auf dem Tisch lockt ein Teller mit leckerem Selbstgebackenem, natürlich von der Vorsitzenden zum Adventsmarkt mitgebracht. In einer Hand hält sie ein höllisch scharfes Schnitzmesser, in der anderen ein Zentimeter großes Stück Lindenholz, aus dem sie nach und nach, in aller Ruhe eine winzig kleine Maus herauszaubert. „Ich schnitze mit Muse, es dauert bei mir, bis eine Figur entsteht,“ sagt sie. Aber ihre Figürchen, die auf dem Museumstisch landen, nachdem sie immer wieder nachgearbeitet und verbessert wurden, stehen denen von professionellen Schnitzern in nichts nach. „Ich arbeite lieber mit einer glatten Oberfläche, bei der man die einzelnen Schnitte nicht sieht,“ erklärt sie ihren Stil.

Einzelteile werden später zusammengesetzt

Auf dem Tisch vor ihr liegen die Einzelteile für zusammengesetzte Krippenfiguren, die später bekleidet werden, das sind die sogenannten „Eingschleiften,“ mit beweglichen Gliedern: Köpfe mit lockigen Haaren, Beine, daran gut proportionierte Füße, Arme, die in feingliedrige Hände münden. Heidi Landsperger legt Wert auf das Detail, da wird nirgends geschlampt, auch wenn der Betrachter später einmal nicht alle Seiten einer Figur einsehen kann. Unter ihrem Messer entstehen fast lebendig anmutende Wesen. Wenn die gelernte Bürokauffrau ihre Schnitzwerke gefasst und zu ganzen Figuren zusammengesetzt hat, kommt der Betrachter ins Staunen, so ausdrucksstark wirken die menschlichen Darstellungen mit ihren sprechenden Augen und dem lieblichen Gesicht. In ihre „Eingschleiften“ zaubert Heidi Landsperger anmutige Bewegungen, die das Krippenszenario wie die Momentaufnahme eines realen Geschehens wirken lassen.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Ein großes Szenario hat sie für Niederraunau geschaffen. Als 2011 die Friedenslinde gefällt werden musste, holte sich Landsperger das Holz und schuf daraus eine ganz besondere Krippe, die zur dauerhaften Erinnerung an Niederraunauer Persönlichkeiten werden sollte. „Ich habe darin den einstigen Stifter der Linde, den Commerzienrat Michael Schleifer porträtiert. Ich wollte nicht, dass das letzte sichtbare Zeichen vom ihm, die Linde, einfach so verschwindet und nichts mehr in unserem Ort an diese große Persönlichkeit erinnert,“ sagt sie. Porträtschnitzen, das ist noch einmal eine Klasse höher. Dabei hat Heidi Landsperger das Schnitzen nie akademisch gelernt. Sie ist über eine Anzeige auf den Schnitzerhoigarta der Krumbacher Kippler gestoßen, das war 2005. Die begeisterte Handarbeiterin erkannte sofort, dass dies die Möglichkeit war, ihren lange gehegten Wunsch endlich zu erfüllen: Schnitzen lernen als Krone aller Handarbeiten. Schon als Vorschulkind habe sie das Holz fasziniert, es war immer schon das Material, mit dem sie arbeiten wollte.

Heidi Landsperger, die Vorsitzende der Krippenfreunde Krumbach, ist Schnitzerin aus Leidenschaft.

Doch ein handwerklicher Beruf kam wegen eines rheumatischen Fiebers nicht in Betracht. „Bei den Krippenfreunden hat mich Hubert Müller im Hoigarta an die Hand genommen, mir die Grundlagen des Schnitzens beigebracht. Zunächst habe ich nach Vorlagen gearbeitet, am Anfang standen die Schafe. Doch nach rund vier Jahren konnte ich meine eigenen Vorstellungen immer besser umsetzen.“

Inzwischen hat es Heidi Landsperger zu echter Meisterschaft gebracht, wie ihre Niederraunauer Krippe beweist. Dort hat sie nicht nur den Commerzienrat verewigt, sondern auch ihren Schwiegervater, einen Küfer, dem sie mit samt seiner komplett ausgestatteten Werkstatt ein Denkmal gesetzt hat. Jeder Niederraunauer, den den Küfer Landsperger gekannt hat, erkennt ihn sofort wieder und auch der Commerzienrat gleicht den vom ihm existierenden Bildern erstaunlich stark.

„Porträtschnitzen ist für mich gar nicht schwer. Es reicht ein Polizeifoto. Einmal von vorn, einmal von der Seite, und dann kann ich den Kopf auf das Lindenholz übertragen,“ erläutert sie. Sie weiß natürlich, dass es dafür einer besonderen Begabung bedarf. Ein unfehlbares räumliches Sehen ist eine wichtige Voraussetzung für das richtige Schnitzen, ebenso eine große Vorstellungsgabe, die es ermöglicht, in einem Stück Holz eine Figur zu erkennen.

Ein Glaskasten für die Niederraunauer Lindenkrippe

Inzwischen hat Heidi Landsperger vier echte Porträtfiguren geschaffen, auch ihren Mann Michael, der zwar manchmal über ihre vielen Aktivitäten stöhnt, ihr aber dennoch immer zur Seite steht und hilft, wenn Hilfe notwendig ist. Etwa beim Bau des großen Glaskastens, in dem die Niederrauner Lindenkrippe sicher vor Wind und Wetter im Freien ausgestellt werden kann. Vor den Landsperger-Haus können sie alle Passanten besichtigen.

Die Vorsitzende ist jeden Dienstag beim Hoigarta. Dort kann sie ihre Leidenschaft mit der Geselligkeit verbinden. Das ist auch der garantierte Freiraum, den sich die viel Beschäftigte einräumt. „Sonst ist es oft schwer, sich eine Musestunde freizuschaufeln, um sich dem Schnitzen zu widmen.“

Ein Stück Lindenholz verwandelt Heidi Landsperger mit dem scharfen Schnitzmesser in eine Maus.
Bild: Gertrud Adlassnig

Als Vorsitzende bleibt auch viel Organisationsarbeit zu tun. Dazu zählt in diesem Jahr das kleine Jubiläum, das die Krippler feiern. Seit 20 Jahren gibt es die Spezialabteilung im Krumbacher Heimatverein und deshalb werden jetzt nicht die Krippen aus dem Museumsdepot gezeigt, sondern die der Krippler selber. „Das macht sogar weniger Arbeit, als der Aufbau der Museumskrippen, denn jeder Krippler baut seine Krippe selbst auf. Aber so ein Jubiläum macht natürlich zusätzlich Arbeit. In diesem Advent muss ich sicher alles zusammengerechnet eineinhalb Wochen allein für die Belange der Krippenfreunde einrechnen. Da sind die Schnitzvorführungen, an denen ich mich beteilige, die Vorbereitung der Einführungsrede zur Jubiläumsausstellung und jede Menge organisatorischer Kleinkram.“

Aber Heidi Landsperger bleibt gelassen und, das Schnitzmesser in der Hand, guter Dinge. Denn nichts kann sie mehr erfreuen, als ein neutrales Stück Lindenholz in ein wunderbares kleines Kunstwerk zu verwandeln.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren