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Breitenthal

14.04.2018

„Bei uns wird net b’schissa“

Seit mehr als 50 Jahren treffen sie sich jeden Freitagabend zum Schafkopfen: Von links: Hans Föhr, Valentin ,Valle“ Schiefele, Konrad Vogg senior und Manfred Kober. Hinten am Tisch: Die Ersatzmänner Klaus Schlosser und Hermann Jakob.
Bild: Peter Wieser

Hans, Konrad, Manfred und Valle spielen seit weit über 50 Jahren zusammen Schafkopf. Was diese Runde so außergewöhnlich macht.

Das sieht gut aus: Drei Laufende, zwei Unter, dazu die Eichel-Ass und den Eichel-Zehner. Nur der Laub-Achter, der stört ein bisschen. Keine Frage, dass Valentin Schiefele (70), der „Valle“, das Eichel-Solo spielt – und auch gewinnt.

Valle fällt ein bisschen aus der Rolle. Er wohnt nämlich im Ortsteil Oberried, während seine Schafkopf-Kollegen alle aus Breitenthal kommen. Jeden Freitag treffen sie sich dort im Vereinsheim schon seit es dieses gibt zum Schafkopfen. Die „Kollegen“, das sind Manfred Kober (74), Konrad Vogg senior (84) und Hans Föhr (85). Falls einmal einer ausfällt, dann steht mit Hermann Jakob (66) und Klaus Schlosser – er ist mit 54 der Jüngste, also quasi das „Küken“ – Ersatz bereit.

Schafkopf spielen sie übrigens schon seit ihrer Kindheit. Nicht selten habe es geheißen: Wenn der Bub nur in der Schule auch so gut wär’ wie beim Schafkopfen. Anfangs musste dieses allerdings noch zuhause stattfinden. „Unter 18 hasch ja in d’Wirtschaft net nei derft“, erzählt Konrad. Bei Hans und Konrad ist es somit 66 Jahre beziehungsweise 67 Jahre her, dass sie endlich auswärts schafkopfen durften – in einer Runde, der ihre Väter schon angehörten und sogar der Pfarrer mitkartete. Dass dies dann immer nach der Musikprobe war, das hatte sich schnell eingebürgert.

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Nicht selten kam die Polizei, weil die Kartler die Sperrstunde ignorierten

Alle vier gehörten auch dem Musikverein Breitenthal an: Manfred spielte Flügelhorn, Hans Es-Horn, Valle Trompete und Konrad Bariton. „Uns’re Frauen ham g’wusst, dass wir nach der Musikprob’ net heimkommen“, lacht er. Einmal sei er etwas früher als sonst nach Hause gekommen und prompt habe ihn seine Frau gefragt, ob er denn krank sei oder ob sie gestritten hätten.

Nicht selten sei es vorgekommen, dass die Polizei zum Kleindienst, der damaligen Wirtschaft neben der Kirche, angeradelt kam, weil lange nach der Sperrstunde immer noch gekartet wurde. Dann waren die Schafkopfer fällig: Jeder musste zwei Mark Strafe bezahlen. „Einen ham’ mer a Mal in der Speis versteckt“, erzählt Hans schmunzelnd weiter. „Weil der nämlich noch 16 war.“

In Breitenthal gehen auch ganz sonderbare Gerüchte um: Manfred hat einen Bub und Konrad eine Tochter, die beide am gleichen Tag auf die Welt gekommen sind. Noch immer fragen sich manche Breitenthaler, ob denn an dem Tag, neun Monate vor diesem Zeitpunkt, sowohl die Musikprobe als auch das Schafkopfen gleichzeitig ausgefallen sei. Als leidenschaftlicher Schafkopfer geht man natürlich auch gerne zum Preisschafkopfen in die umliegenden Ortschaften. Vor allem Konrad, und das ebenfalls schon seit 66 Jahren. Als es in Burgau noch das Volksfest mit dem Vatertagsschafkopfen gab, habe er einmal 400 Mark gewonnen. Sogar Veranstaltungen in Nürnberg und bei Regensburg habe er schon besucht. Einmal hätte er fast ein Auto gewonnen. „Oin’r hat b’schissa“, schimpft Konrad. „Der hat ein Kontra gegeben, obwohl es nicht berechtigt war.“ Das Kontra habe sich bei seinem Punktestand derart bemerkbar gemacht, dass das Auto letztlich an einen anderen gegangen sei.

Bei den Breitenthaler „Schafkopf-Herren“ geht es nicht ums Geld. Gespielt wird „5 – 10 – 15“, das Solo kostet 20 Cent. Gewinnt oder verliert man das Spiel mit Null, 30, 60 oder 120 Punkten, oder vielmehr Augen, dann gibt es eine Bockrunde, das heißt, der Tarif verdoppelt sich bei den nächsten vier Spielen. „Bei denen, wo’s nur um’s Gewinnen geht, da wir bloß gestritten“, sagt Manfred.

Soeben hat Hans sein Schell-Solo, das er eigentlich so gar nicht hätte spielen dürfen, verloren. „Ma probiert’s halt, auch wenn’s kein so gutes Spiel ist“, meint er. Und bei den kleinen Tarifen sei das dann nicht schlimm, wenn man verliert. Das Geld, das in kleinen Häufchen auf dem Tisch liegt – selten, dass ein Schein dabei ist, wird meistens erst am Ende gezählt und, je nachdem ob man gewinnt oder verliert, letztendlich nur hin- und hergeschoben.

Während der Spiele wird nur das Nötigste geredet

Was macht den Reiz am Schafkopfen aus? „A jedes Spiel ist anders. Manchmal läuft’s mit de mendeschte Karta durch“, sagt Valle. Und was ist das Schlimmste, das einem Schafkopfer passieren kann? „Wenn du ein absolut sicheres Solo mit viel Laufenden verlierst“, lacht Manfred. Das schönste sei natürlich der „Sie“. Das sind dann vier Ober und vier Unter – die höchsten Trümpfe. „Oder wenn man ein Solo ohne acht gewinnt“ fügt Konrad hinzu. Innerhalb eines halben Jahres, sei ihm das schon drei Mal passiert. Einen „Sie“ dagegen hatte bisher noch keiner.

Während der Spiele wird zwar nur das nötigste geredet, toujours durchgekartet wird jedoch nicht. Dazwischen wird schon mal auch „g’hoigartat“, also über dieses und jenes gesprochen. Und eine Brotzeit, Bratwürste, einen Leberkäs oder „a Fleischkiachle“ mit Kartoffelsalat gibt es natürlich auch. „Zu lange aber dürfen sie nicht aussetzen“, bemerkt Wirt Georg Ruef, der inzwischen an den Tisch gekommen ist. Dann könnte es schon passieren, dass sie „a bissle ead“ werden würden. Bei ihm im Vereinsheim seien Schafkopfer auch jederzeit gerne willkommen – im Gegensatz zu anderen Lokalen, in denen diese manchmal weniger erwünscht seien. Für ihn sei Schafkopfen eben auch bayerische Tradition.

Tatsächlich wird diese Spezies immer weniger. Konrad erinnert an die Zeiten der 70er Jahre, als beim Frühschoppen im Vereinsheim noch an die sieben Runden zusammenfanden. Als es den Frühschoppenball im Fasching noch gab, habe so manche bis in die frühen Morgenstunden gedauert und dem einen oder anderen wäre nach zu viel Biergenuss ein „Kartenständer“ bestimmt sehr hilfreich gewesen. Hans, Konrad, Valle und Manfred dagegen seien immer sehr „brav“ gewesen und zur rechten Zeit nach Hause gegangen.

In einem sind sie sich alle einig: „Viele können das Schafkopfen nicht mehr“, bedauern sie. In einem aber auch: „Bei und wird ehrlich g’spielt und net b’schissa“ – für die Breitenthaler „Schafkopf-Herren“ ein ganz wichtiger Grundsatz, an den sich jeder hält.

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