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21.09.2008

Benzin gab es damals in der Apotheke

Krumbach "Das Rad" gilt als eine der ältesten und bahnbrechendsten Erfindungen der Menschheit schlechthin. Das Fahr-"Rad" ist in Krumbach seit gut 120 Jahren ein "etabliertes Instrument", wie die Lokalgeschichte zeigt. Dabei ist eine Gegenüberstellung nicht uninteressant, die genau vor 80 Jahren, mit Stichtag 1928 also, gefertigt wurde.

Zunächst drehen wir "das Rad der Zeit" zurück: Anno 1886 bildete sich in der Marktgemeinde Krumbach eine Gruppe beherzter Velo-Fahrer, die den "Radfahrverein Krumbach-Hürben" gründeten. Vornehmster Zweck damals: Erreichung der Fahrerlaubnis innerhalb der Gemeinde. Es bestand nämlich seinerzeit eine "ortspolizeiliche Vorschrift", dass innerhalb der Grenzpfähle Krumbach-Hürbens das Fahren mit dem Veloziped verboten ist und das Rad vom Ortsbeginn bis zum Ortsende mit der Hand geschoben werden muss.

Unbeeindruckt dieser Tatsache und ungeachtet der Entwicklung, die das hölzerne Laufrad des badischen Forstmeisters Freiherr von Drais bis zum stählernen Hochrad durchmachte, entwickelte Karl Benz ebenfalls zu dieser Zeit (mit Patent aus dem Jahre 1886) das erste Automobil, das in der Folgezeit unbeschadet ortspolizeilicher Verbote Einzug auch im mittelschwäbischen Krumbach hielt.

Ein Blick in den "Rückspiegel" lokaler Autogeschichte: Kurz nach der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert hielten hierorts motorbetriebene Blechkarossen Einzug ins Straßenbild. Zu den ersten Wagenlenkern zählten der Tierarzt Dr. Karl und der Mediziner Dr. Mützel, der seine Praxis in der Mindelheimer Straße hatte. Die ersten Autofahrer hatten es nicht leicht: Das Benzin musste noch in Apotheken erworben werden, da es natürlich noch kein Tankstellennetz gab. Doch das war nur eine der Schwierigkeiten: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Strafmandate wegen Überschreitung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Innerhalb von Ortschaften waren mancherorts sechs, außerhalb zwölf Stundenkilometer erlaubt ...

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In die Chronik gehört auch der erste tödlich endende Autounfall, der sich in Krumbach am 29. Juli 1914 ereignete. Der Vorfall wurde wie folgt beschrieben: "Ein Autobaumeister aus Ulm, der früher bei der Aktiengesellschaft für elektrotechnische Unternehmungen in Breitenthal angestellt war, besuchte an diesem Tag den Maschinenmeister Hans Fink im E-Werk Breitenthal. Er lud dessen Frau Lina Fink ein, mit ihm im Auto nach Krumbach zu fahren. Beim Postkeller geriet das Auto in den Graben und überschlug sich, wobei Frau Fink durch Genickbruch den sofortigen Tod fand, während der Autolenker mit leichten Verletzungen davonkam". Die Nachricht löste naturgemäß damals große Anteilnahme aus, doch wurde an diesem Tag das allgemeine Interesse von der Kunde aus Sarajewo in Anspruch genommen, wo der österreichische Thronfolger und seine Gattin ermordet und Vorzeichen des 1. Weltkrieges gesetzt wurden.

Eigene Nummern

Eine Aufstellung über die "Personenkraftwagen im Bezirk Schwaben", die im Jahre 1928 im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums des Innern aufgrund amtlichen Materials veröffentlicht wurde, enthielt auch einen Plan für die Kennzeichnung der Kraftfahrzeuge; demnach hatten die in Schwaben angemeldeten Personenwagen neben dem heute noch gültigen Nationalitätszeichen "D" die Kennzeichnung II Z sowie Nummern. Der Kennzeichen-Nummern-Rahmen für das Bezirksamt Krumbach schloss die Nummern von 486 bis 515, 1486 bis 1515, 2486 bis 2515 und von 3486 bis 3515 ein.

In der Stadt Krumbach, in der vor 80 Jahren etwa 3500 Einwohner gezählt wurden, waren zum genannten Zeitpunkt insgesamt 32 Personenkraftwagen (darunter übrigens auch das erste Taxi, ein Opel Baujahr 1928, von Otto Hablitzel) amtlich angemeldet, vornehmlich von Ärzten, Firmeninhabern, Kaufleuten und Mietautobesitzern. Das benachbarte Thannhausen konnte mit der stolzen Anzahl von 20 Autos aufwarten, während in Ziemetshausen sechs und Neuburg fünf Benzinkutschen rollten. Vier Personenkraftwagen wurden in Ursberg gefahren und in Münsterhausen waren drei Bürger stolze Besitzer derartiger Gefährte. Für Breitenthal waren zwei Fahrzeuge registriert; in Edelstetten, Niederraunau und Hasberg war je ein Personenauto gemeldet. Gesamtzahl mithin im Bezirksamt Krumbach per Stichtag 1928: 75 Personenkraftwagen.

Wenige Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges gab es für Autolenker Kraftstoff nur mehr gegen Benzingutscheine. Lediglich einberufene oder kriegsbeorderte Kraftfahrzeughalter waren berechtigt, die "zur ordnungsgemäßen Gestellung des Kraftfahrzeuges erforderliche Betriebsstoffmenge bei jeder öffentlichen Zapfstelle ohne Tankausweiskarte zu empfangen".

Zu jener Zeit gab es in der Kammelstadt längst die ersten "Automobil & Maschinenbau-Werkstätten". Den ersten Reparaturbetrieb eröffnete Meiser Otto Brunninger im Jahre 1923 in der Kirchenstraße, der nach Umsiedlung in die Hohlstraße dann um das Jahr 1932 in den Kreuz-Hof am Marktplatz zurückkehrte, bevor 1947/48 die Verlegung des Betriebssitzes in die Karl-Mantel-Straße (heute Kobold) erfolgte. Weitere Mechanikerbetriebe folgten, wie etwa Auto-Estelmann, Reichel, Negele.

Am 1. Oktober 1929 führte der von Pfarrer Leonhard Bobinger gegründete "Verband Mittelschwäbischer Kraftfahrzeuglinien" seine ersten Fahrten auf der Strecke Krumbach - Thannhausen - Dinkelscherben durch. Damals reichte noch ein Sechzehnsitzer der Firma Magirus aus, während auf der kleinen Seitenlinie Ziemetshausen -Obergessertshausen ein Sechssitzer eingesetzt war. Heute noch gelten Einrichtung und Arbeitsweise des Verbandes als Musterbeispiel weitum, wenngleich Liniennetz, Zahl der Fahrgäste, Zahl der eingesetzten Busse in keinem Verhältnis mehr zu denen aus der "Gründerzeit" stehen...

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