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Krumbach

17.10.2020

Bilder, die eine „Krumbacher Liebeserklärung“ sind

Wie sehen Krumbacher ihre Stadt?  Es ist vor allem auch eine fröhliche Botschaft, die Künstlerin Doris Graf im Heimatmuseum vorstellte. Ein beliebtes Motiv ist immer wieder das alte Rathaus.
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Wie sehen Krumbacher ihre Stadt?  Es ist vor allem auch eine fröhliche Botschaft, die Künstlerin Doris Graf im Heimatmuseum vorstellte. Ein beliebtes Motiv ist immer wieder das alte Rathaus.
Bild: Peter Bauer

Künstlerin Doris Graf lässt viele Menschen „ihr Krumbach“ zeichnen. Welche besondere Krumbacher Botschaft von der neuen Ausstellung im Heimatmuseum ausgeht.

„As Time Goes By“. Die Melodie der vergehenden Zeit, weltbekannt bekannt durch den Film Casablanca: Das Blechbläserquintett des Krumbacher Musikvereins spielt sie zur Eröffnung der neuen Kunstausstellung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum. Menschen aus Krumbach und Umgebung haben „ihr Krumbach“ mit Bleistift gezeichnet. Künstlerin Doris Graf hat die rund 300 Zeichnungen in aufwendigen Drucken verdichtet. Nun das Finale der Aktion mit der Ausstellung im Heimatmuseum: Das ist auch der Blick auf ein lebensfreudiges, mitunter fröhliches Krumbach. Aber bisweilen ist es auch ein Blick in eine "vergangene Zeit", die Zeit vor der Corona-Krise.

Krumbacher zeichnen ihre Stadt: Doris Graf hat dies in ihren eigenen Arbeiten zusammengefasst.  Ihre Kunstaktion - sie ist auch so etwas wie eine "Krumbacher Liebeserklärung".
Bild: Peter Bauer

Die Eröffnung einer Ausstellung? Das läuft gerade etwas anders als sonst. An der Eingangstür des Heimatmuseums steht Leiterin Anita Roth mit einer Liste. Jeden einzelnen Gast begrüßt sie persönlich, dann setzt sie auf ihrer Liste einen Haken. Maskenpflicht, 30 Gäste sind zugelassen, viele wurden von Künstlerin Doris Graf persönlich eingeladen.

Wenn die wenigen Gäste den Nazarenersaal des Museums betreten, scheinen sie sich in diesem großen Raum regelrecht zu verlieren. Doch es sind vielleicht auch diese Umstände, die Zeit für einen Blick auf Kunstwerke lassen, der intensiver ist als sonst.

Etwa 300 Krumbacher Zeichnungen

Eines der Drucke von Doris Graf zeigt ein Kind, das zwei Ringe in die Luft hält, Bälle und ein Fahrrad sind zu sehen. Es ist die Szenerie einer unbeschwert wirkenden Fröhlichkeit. Und genau so haben viele Krumbacher mit dem Bleistift (von den etwa 300 Zeichnungen sind gut 100 im Museum zu sehen) ihre Stadt festgehalten.

Welchen Blick haben die Krumbacher auf ihre Stadt und wie halten sie das in Zeichnungen fest? Das von Doris Graf organisierte Kunstprojekt gibt bemerkenswerte Einblicke in das Krumbacher Innenleben. Zustande kam das Projekt auch dank der intensiven Unterstützung der Stadt, des Krumbacher Quartiersmanagements und er Volkshochschule.
Bild: Peter Bauer

Die Zeichnungen entstanden alle im Jahr 2019. Es begann im September 2019 mit einer Aktion im Krumbacher Simpert-Kraemer-Gymnasium, dann das Jugendfestival, die Ehrenamtsmesse, die Gewerbeschau, KRU, schließlich die Kunstnacht. Es sind Zeichnungen des viel zitierten öffentlichen Lebens, der Geselligkeit, die wir lange so unbeschwert genießen konnten. Und jetzt? Wie würden die Zeichnungen aussehen, wenn sie jetzt entstehen würden? Welches Bild ihrer Zeit würden die Menschen zeichnen? „As Time Goes By“. Es sind auch all diese Gedanken, die bei der Ausstellungseröffnung im Raum stehen.

Mit ihren Aktionen („City X“), bei denen Menschen buchstäblich aller Generationen ein Bild ihrer Stadt zeichnen, ist Künstlerin Doris Graf seit etwa zehn Jahren weltweit unterwegs. Sie war in Havanna, in Rio, in Sao Paulo.

Szenen aus Sao Paulo und Rio

Drucke, die bei den Aktionen in Rio und Sao Paulo entstanden sind, hat sie in einem weiteren Raum des Heimatmuseums ausgestellt. Eines zeigt ein zigarrerauchendes Kind, zweimal sind Pistolen zu sehen, daneben das Skelett eines Fisches, seelenlose Hochhäuser, Gitter. Lebensfreude? Der Weg dorthin scheint buchstäblich vergittert zu sein. Wer auf diese Szenen blickt, der spürt mitunter einen geradezu drastischen Kontrast zu den Krumbacher Bildern. In denen taucht immer wieder das alte Rathaus auf, Fachwerk, die Farben der Tracht des Musikvereins. „Bunte Geselligkeit“, „Fun Planet“ oder gar „Im Paradies“ hat Doris Graf ihre zehn Drucke (alle 70 auf 70 Zentimer groß) benannt, die im Nazarenersaal ausgestellt sind. Die Drucke von Doris Graf entstehen oft in einem aufwendigen technischen Verfahren auf Metall oder Acrylglas. Die Formen wirken flächig, stark ist die Symbolik der Farben wie Rot, Blau, Gelb und Grün.

Eine Art Schattenkontrast: Im Heimatmuseum: Unser Bild zeigt Doris Graf und Musiker des Krumbacher Musikvereins vor Bildern, die nach Kunstaktionen von Doris Graf in Rio und Sao Paulo entstanden sind. Die Pistole und der Blutstropfen lassen es erahnen: Das ist eine andere Welt als Krumbach.
Bild: Peter Bauer

Um die Drucke herum hängen etliche Zeichnungen. Deutlich wird so, wie aus den Zeichnungen die Drucke entstanden. Bei diesem „Verdichtungsprozess“ interpretiert Doris Graf das, was sie auf den Zeichnungen sieht. Aber „die Menschen sagen mir, was ich zu machen habe“, betont sie.

Negatives in Krumbach? Allenfalls wenig: Der Leerstand in Geschäften, der dichte Verkehr. Doch insgesamt ist diese Ausstellung damit auch eine Art „Krumbacher Liebeserklärung“. Nebenan sind diese Bilder von Rio und Sao Paulo. Wenn Doris Graf aber über ihre Begegnungen dort berichtet, dann spricht sie auch darüber, wie die Menschen trotz eines oft bedrückenden Alltags ihre Lebensfreude nicht verloren haben.

Doris Graf, Jahrgang 1968, stammt aus Krumbach

Die Ausstellung ist auch so etwas wie die Skizze des Lebensweges von Doris Graf. Sie stammt aus Krumbach, wurde dort am 17. Mai 1968 als Doris Ehrmann geboren. Von ihrer Kindheit in Tafertshofen schwärmt sie oft. Doris Graf hat vier Geschwister, einer ihrer Brüder ist Tobias Ehrmann, heute vielen bekannt als Vorsitzender des Krumbacher Musikvereins – und Mitglied des Blechbläserquintetts.

Rasch fand Doris Graf hinein in die Kunst. Nach dem Abitur in Wettenhausen folgte ein Studium an der freien Kunsthochschule in München. Fünf Jahre studierte sie in Nizza, später in London. Sie erhielt zahlreiche Kunstpreise, 2006 auch den Kunstpreis der Stadt Krumbach.

Bilder von Krumbach zeichnen: Bei ihrer Aktion wird die aus Krumbach stammende Doris Graf von ihrem Bruder Tobias Ehrmann unterstützt.
Bild: Peter Bauer

Seit 1995 lebt und arbeitet Doris Graf in Stuttgart. Ihr Mann Oliver ist Geschäftsführer eines Metallbaubetriebs, die beiden haben einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter. „Ihre Biografie ist beeindruckend“, sagt Jochen Schwarzmann. Der stellvertretende Leiter des Krumbacher Gymnasiums stellt an diesem Abend im Heimatmuseum die Ausstellung von Doris Graf dem Publikum vor. Ebenso wie Bürgermeister Hubert Fischer betont auch er, dass Kunst gerade jetzt so wichtig sei.

Und natürlich ist da der Gedanke, dass diese krisenhafte Zeit irgendwann Vergangenheit sein mag. „As Time Goes By“. Und Casablanca? Wer weiß, wohin die Kunst Doris Graf noch tragen wird.

„Bitte zeichnen Sie Ihr Bild von Krumbach“: Das war auch Thema bei der Gewerbeschau KRU im vergangenen Oktober.
Bild: Doris Graf

Die Ausstellung (die nicht zuletzt dank der großen Unterstützung durch Stadt, Quartiersmanagement und Volkshochschule zustande kam, ist noch bis zum 22. November (Donnerstag bis Sonntag, jeweils 14 bis 17 Uhr) im Mittelschwäbischen Heimatmuseum zu sehen. Weitere Infos gibt es unter www.dorisgraf.de und www.museum-krumbach.de

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