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Breitenthal

03.04.2021

Breitenthal: Auf Tuchfühlung mit den Werken von Meister Konrad Huber

Die „Kreuzesvision“ des heiligen Norbert von Xanten (in weißem Gewand) hat Konrad Huber in einem seiner Gemälde in der Breitenthaler Kirche Heilig Kreuz festgehalten. Derzeit laufen die Restaurierungsarbeiten. Oben auf dem Gerüst kann man, wie hier Dekan Klaus Bucher, Norbert von Xanten sozusagen Auge in Auge gegenüber stehen.
Foto: Peter Bauer

Plus In der Breitenthaler Kirche werden Gemälde von Konrad Huber (1752 bis 1830) erneuert. Und dabei rückt auch eine 900-jährige Geschichte, die für unsere Region sehr wichtig ist, in den Mittelpunkt.

Im Raum der Breitenthaler Kirche Heilig Kreuz steht Gerüst an Gerüst. "Großbaustelle", wohl noch bis September. Aber das bringt die meisterliche Malerei von Konrad Huber ganz nah. Hoch oben auf dem Gerüst, gehen die Restauratoren gewissermaßen "auf Tuchfühlung" mit den Werken des Meisters Konrad Huber.

Die Arbeit von Diplomrestaurator und Kirchenmaler Johannes Amann verleiht den Deckengemälden in der Breitenthaler Kirche neuen Glanz. Unser Bild zeigt die „Auffindung und Erprobung des Kreuzes durch Kaiserin Helena“. Links neben Amann eine Darstellung von Reichsprälat Gilbert Scheurle, der maßgeblich für den Bau der Kirche verantwortlich war.
Foto: Peter Bauer

Ende 2019 hatten in Breitenthal die Renovierungsarbeiten der 1785/91 erbauten Kirche begonnen. Die Kirche ist mit einem bekannten Namen verbunden. Der Neubau begann 1785 nach einem Entwurf des bekannten Baumeisters Joseph Dossenberger (1721 bis 1785).

Sein Tod am 17. Mai 1785 steht symbolisch für eine stilistische Zeitenwende. Nach Barock und Rokoko dominieren jetzt die ruhigen Formen des Klassizismus. Ähnlich ist die Entwicklung in der Malerei, auch in den Bildern des Weißenhorner Malers Konrad Huber (1752 bis 1830), die in der Breitenthaler Kirche zu sehen sind. Das Hochaltarbild – die „Kreuzabnahme“ – es ist eine eindrucksvolle Darstellung der Botschaft dieser Tage von Karfreitag bis Ostern. Diplomrestaurator und Kirchenmaler Johannes Amann ist den Werken von Konrad Huber in der Breitenthaler Kirche derzeit ganz nah.

Der 51 Meter hohe Turm der Kirche vor der untergehenden Sonne.
Foto: Alois Thoma

Oben auf dem Gerüst steht er ihnen Auge in Auge gegenüber, diesen lebensgroßen Gestalten, deren malerische Wucht sich von unten allenfalls erahnen lässt. Die Kreuzabnahme ist eine pointierte Hell-Dunkel-Komposition, in der die Kunstauffassung des Barock in den Klassizismus hineinreicht. Der Firnis des Leinwand-Ölbildes ist, die vielen Risse zeigen es, „in die Jahre gekommen“. Nun hat er durch Restaurator Amann eine Auffrischung erhalten. Dabei kamen, wie er schildert, Lösungsmittel in einer besonderen Bedampfungstechnik zu Einsatz.

Risse in den Deckenfresken (in der Freskotechnik wird Farbe auf frischen Putz aufgetragen) wurden beseitigt. Der Innenraum der Kirche, der im Lauf der Jahrzehnte regelrecht ergraut war, wurde wieder ganz in Weiß gestaltet. Aufpoliert wurde an verschiedenen Stellen der Stuckmarmor. Beim Stuckmarmor –einer Gestaltungstechnik, die heute kaum noch geläufig ist, wird eine Putzschicht im Grundton des Marmors eingefärbt, so lassen sich verschiedene Farbspiele erzeugen.

Im Norbert-Gemälde hat sich Konrad Huber wohl selbst dargestellt.
Foto: Peter Bauer

Amann betont immer wieder, dass er bei der Restaurierung mit historischen Materialien arbeite. Und ein Fachmann wie er bemerkt schnell, wenn bei früheren Restaurierungen etwas nicht so gut gelaufen ist wie etwa 1963 in der Breitenthaler Kirche. Da wurde an verschiedenen Stellen im Bereich des Hochaltars Dispersionsfarbe aufgetragen. Amman verwendet nun Leimfarbe, die für einen ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt sorgt. Marmoriert werden sollen im Bereich des Hochaltars die Säulen. Auch das soll dazu beitragen, die klare Raumgliederung der Kirche wieder stärker zu betonen.

Wenn Amann über seine Arbeit spricht, dann fallen immer wieder Stichworte wie Neuschwanstein, Linderhof oder auch Ottobeuren. Amann und seine Werkstatt (sie wurde 1960 von seinem Vater Ludwig gegründet) gelten als Meister ihres Fachs. Sohn Lorenz absolviert gerade die Meisterprüfung als Kirchenmalermeister.

Für den Raum der Breitenthaler Kirche gibt es auch eine komplett neu gestaltete Beleuchtung. Dabei wird nach Auskunft von Architektin Monika Wiesmüller-Schwab (Thannhausen) die Technik einer Innsbrucker Firma genutzt.

Der Innenraum der Breitenthaler Kirche erhält auch eine neue Beleuchtung. Pfarrer und Dekan Klaus Bucher erläutert die Details.
Foto: Peter Bauer

Die Außenrenovierung der Kirche ist weitgehend abgeschlossen. Wie Pfarrer und Dekan Klaus Bucher erklärt, müssen aber noch einige Bereiche des Sockels neu gestaltet werden. Ebenso der Zugang, der behindertengerecht werden soll. Für die Renovierung sind rund 1,7 Millionen Euro eingeplant. Bucher geht davon aus, dass die Arbeiten mit Blick auf diesen Kostenrahmen planmäßig verlaufen. Die Diözese beteiligt sich mit 1,2 Millionen Euro, die Gemeinde Breitenthal hat, so erläuterte Bucher bereits vor einigen Monaten, 170.000 Euro in Aussicht gestellt. Für die Deckung des weiteren Betrags kommen Spenden hinzu, auch dank der Aktivitäten des Fördervereins.

Mehr Helligkeit für die Breitenthaler Kirche: Aus Grau wird Weiß.
Foto: Peter Bauer

Wer einen genauen Blick auf die Malereien der Kirche wirft, spürt, dass hier Motive der Prämonstratenser geradezu allgegenwärtig sind. Das wiederum ist eng mit Ursberg verbunden. Ursberg (1125) gilt als erste Prämonstratenser-Niederlassung im süddeutschen Raum. Ursberg wird kurz darauf für Roggenburg zum Mutterkloster. Seit der Gründung des Prämonstratenserklosters Roggenburg 1126 gehört Breitenthal zu seinen Besitzungen. Die Prämonstratenser zählen ebenso wie die Augustinerchorherren zu den Regularkanonikern. Das bedeutet, dass es sich bei den Prämonstratensern um eine Gemeinschaft von Priestern mit Ordensgelübde und nicht um Mönche handelt. In diesem Jahr 2021 feiert der Orden sein 900-jähriges Bestehen. Norbert von Xanten (1080 bis 1134) ist der Stifter des Prämonstratenserordens.

Die „Kreuzabnahme“ – das Hochaltargemälde von Konrad Huber in der Breitenthaler Kirche Heilig Kreuz. Gut zu erkennen ist der glänzende Gemäldefirnis.
Foto: Peter Bauer

Er ist zunächst Hofkaplan bei Kaiser Heinrich V., dann wird er in der Zeit des immer mehr erstarkenden Papsttums zum Gegner des Kaisers. Er wird Eremit, charismatischer Wander- und Bußpredigers. Schließlich gründet Norbert im abgelegenen Waldtal von Prémontré bei Laon in Nordostfrankreich ein Kloster – es ist die Keimzelle des heutigen Prämonstratenserordens. Am Weihnachtsfest des Jahres 1121 legen rund 40 Geistliche das entsprechende Gelübde nach der Augustinus-Regel ab. Zum Ordensgewand wird das weiße Bußgewand. Der Orden sollte in der Folgezeit in der Region vielfältige Spuren hinterlassen. In Roggenburg gab es nach all den Windungen und Wendungen im Zuge der Säkularisation 1802 im Jahr 1986 eine bemerkenswerte Rückkehr: Seit diesem Jahr sind dort wieder Prämonstratenser aktiv.

Kaiser Heraklius, Szene aus dem Deckengemälde „Kreuzerhöhung“ in der Breitenthaler Heilig-Kreuz-Kirche.
Foto: Peter Bauer

Dem Ordensgründer Norbert von Xanten begegnen wir in der Darstellung über der Breitenthaler Orgel. Das Bild zeigt seine „Kreuzesvision“ im Tal von Prémontré: Aus dem Tal sieht Norbert ein großes Kreuz emporragen, das viele Pilger anzieht. Das Breitenthaler Gemälde steht symbolisch für die lange Geschichte des Prämonstratenser-Ordens, gleichermaßen für die besondere Botschaft des Osterfests.

Eingerüstet ist derzeit der Innenraum der Breitenthaler Kirche.
Foto: Peter Bauer

Für die Breitenthaler wird es am Sonntag, 12. September noch ein besonderes Fest geben – wenn es die aktuellen Regeln mit Blick auf die Corona-Krise erlauben. Dieser Tag ist als feierlicher Abschluss der Kirchenrenovierung geplant. Dekan Bucher möchte das Fest auf einen Sonntag legen. Doch im Hintergrund wird an diesem Tag der 14. September, der Tag der „Kreuzerhöhung“ stehen. Für Breitenthal ist dieser Tag 2021 wohl mit einem besonderen Hochgefühl verbunden.

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