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Uraufführung

13.06.2013

Christoph von Schmid und der heilige Vitus

Ein Gedicht wird zum Lied. Vertonung von Wolfram Seitz wird aufgeführt

Balzhausen Wer im Internet nach Gedichten von Christoph von Schmid sucht, wird rasch fündig. Das Lied „Ihr Kinderlein kommet“ war ursprünglich nur ein Gedicht aus der Feder des Kaplans Schmid von Nassenbeuren. In seiner Vertonung hat es den Siegeszug durch die ganze Welt angetreten. Aber der Thannhauser Schulbenefiziat hat weit mehr Gedichte verfasst, von denen einige Friedrich Silcher vertonte und die so zu Volksliedern wurden, beispielsweise „Wie lieblich es schallt durch Busch und Wald“. Im Stil von Balladen sind einige Heiligenleben entstanden, so vom heiligen Martin und vom heiligen Vitus.

Die Ballade vom heiligen Vitus stieß auf das Interesse von Wolfram Seitz aus Thannhausen, der am Konservatorium in Salzburg studiert und Kirchenmusiker werden möchte. Er ließ sich von dem Gedicht zu einer Komposition anregen. Christoph von Schmid schildert in neun Strophen die Tapferkeit und den Mut des jugendlichen Vitus, der für Jesus und seinen Glauben an den einen Gott einsteht. Die Versprechungen des römischen Kaisers können ihn nicht umstimmen. Der Kaiser fällt das Todesurteil. In einem Kessel mit siedendem Öl soll er das Martyrium erleiden. Engel geleiten den Märtyrer nach seinem Tod zum Thron Gottes.

Für den einstigen Balzhauser Pfarrer geschrieben?

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Man möchte fast annehmen, dass das Gedicht für den Pfarrer von Balzhausen bestimmt war, zumal die letzte Strophe genau das Thema des Altarbildes ist, auf dem Engel den heiligen Vitus zum Throne Gottes geleiten. Der damalige Pfarrer von Balzhausen hieß Johann Jakob Mortstein. Er stammte aus der Augsburger St. Ulrichspfarrei. Viele Jahre übte er das Amt des Dekans im Kapitel Kirchheim aus. Thannhausen gehörte damals zum Dekanat Jettingen. Da Dekan Mortstein ein vielseitig interessierter Geistlicher war, bestand ganz gewiss eine Beziehung zu Christoph von Schmid, der ja auch eine Reihe von Jahren das Amt eines Distriktsschulinspektors versah. Zu seinem Distrikt gehörte auch Balzhausen. Inspektor dieser Schule war der Pfarrer, wie überhaupt die Schulaufsicht bis 1918 bei den Pfarrern lag. Dies führte nicht selten zu Unstimmigkeiten. Der umgänglichen Art des Christoph von Schmid war es zu danken, dass es zu solchen in Thannhausen nicht kam und er als Distriktsschulinspektor an einem guten Miteinander von Lehrer und Pfarrer äußerst interessiert war.

Balzhausen ist freilich nicht die einzige Vitus-Pfarrei der Diözese Augsburg, sodass sich auch eine andere Verbindung denken ließe, etwa nach Ellwangen. Christoph von Schmid war ein Mann, der Freundschaften zu pflegen wusste. Man müsste seinen Freundeskreis betrachten und könnte vielleicht auch dort einen Vitus oder Veit entdecken, denn dieser Vorname war zur damaligen Zeit gar nicht so selten. Dann hätten wir es mit einem Namenstagsgruß zu tun. Die Umstände, die zur Entsehung des Gedichtes führten, spielen letzten Endes keine so große Rolle.

Patronatsfest erhält eine besondere Note

Am Sonntag, 16. Juni, wird das Vitus-Lied „Ein holder Knabe“ in der Frühmesse der Pfarrkirche St. Vitus Balzhausen um 7.15 Uhr uraufgeführt. Michael Rampp, der bei der Frühmesse die Orgel spielt, wird das Lied singen, allerdings nicht alle neun Strophen, sondern eine gekürzte Fassung. Damit erhält das Patronatsfest eine besondere Note. Es ist nicht die erste Uraufführung eines vertonten Gedichtes Christoph von Schmids in Balzhausen

. 2006 hat der frühere Rektor Gebhard Nerdinger ein Weihnachtsgedicht vertont, das inzwischen zum Repertoire des Kirchenchores gehört. Erwähnenswert ist noch, dass der aus Thannhausen stammende Geistliche Rat Karl B. Thoma, der Pfarrer von Ziemetshausen, bereits eine ganze Fülle von Heiligenliedern gedichtet hat, darunter auch ein Vitus-Lied, die sich großer Beliebtheit bei Patronatsfesten erfreuen. (gsch)

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