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Edelstetten

04.02.2021

Corona: Warum drei Kinder aus Edelstetten an Angela Merkel schreiben

Viel Mühe haben sich Clara, Leonie und Maximilian gegeben für einen Brief aus dem Corona-Alltag an Angela Merkel und Markus Söder.
Foto: Sammlung Scheppach

Plus Drei Geschwister wenden sich an Angela Merkel und Markus Söder. „Lasst uns wieder raus“ heißt es in ihrem Brief. Wie sich die Situation in der Familie entwickelt hat.

Eigentlich wollten Leonie, Clara und Max nur einen Schneemann bauen und das Bild an die Zeitung schicken. Dann kamen sie auf die Idee, diesem Schneemann auch noch ein Plakat mit Wünschen an die Politiker Angela Merkel und Markus Söder mitzugeben, weil so ein Bild in der Zeitung ja eine Wirksamkeit in der Öffentlichkeit hat. Schließlich landete nur das Bild des Briefes der drei Geschwister in der Redaktion und der Schnee ist ja auch längst weg. Wir unterhielten uns daraufhin mit der Mutter der drei Geschwister, Katharina Scheppach, aus Edelstetten.

Nicht ganz einfach sei die Coronazeit mit all ihren Beschränkungen für die Kinder, erzählt Katharina Scheppach. Immer wieder erlebt sie in kleinen Begebenheiten und Gesprächen, was die Kinder in Bezug auf Corona bewegt. Das äußert sich zum Beispiel nur in den kleinen Fragen des vierjährigen Maximilian: „Mama was ist Corona, warum gibt’s Corona?“ Der Kleine schnappt das Thema Corona aus Gesprächen der Erwachsenen auf. Er wäre eigentlich seit September im Kindergarten, doch gibt es da seit dem Lockdown nur die Notbetreuung und die möchte Katharina Scheppach nicht in Anspruch nehmen.

Corona bleibt abstrakt für den Vierjährigen

Berufstätige hätten da den Vortritt, sie selber arbeite nur am Wochenende, erzählt sie. Der Vierjährige vermisst natürlich seine Spielkameraden. Er hat im Kindergarten auch schon die Hygieneregeln kennengelernt und weiß, dass er im Kindergarten immer nur das grüne Waschbecken benutzen darf, darum hat er sich daheim auch etwas grünes am Waschbecken gewünscht, so erinnert er sich an seinen Kindergarten. Dennoch bleibt das Thema Corona für ihn abstrakt. Die Gedanken und Wünsche der Kinder hat Katharina Scheppach dann einfach mal gesammelt und aufgeschrieben.

Die Politiker Merkel und Söder kennen ihre älteren Kinder Clara und Leonie. Clara geht in die vierte Klasse der Grundschule Neuburg und dort war das Thema Bundestag schon dran und sie weiß, was eine Bundeskanzlerin ist. Allerdings schaltet die Zehnjährige sofort den Fernseher aus, wenn Angela Merkel oder Markus Söder auf dem Bildschirm erscheinen. „Sie kann das Thema Corona nicht mehr hören. Da wird sie stinkig und bockig. Für Clara ist es schlimm, nicht mehr in die Schule gehen zu können, ihre Freundinnen sehen zu können. Sie ist ein Gruppenmensch, die Freundinnen fehlen ihr sehr“, sagt die Mama.

Katharina Scheppach findet es erschreckend, wenn ein Kind so reagiert. Die 35-Jährige spricht viel mit den Kindern, versucht zu erklären, dennoch bleibt die Situation für die Kinder belastend. So seien in der Familie und Verwandtschaft auch einige Geburtstage gewesen, die man nicht habe feiern können wie sonst.

Einmal wurde bei einer Nichte eine Postkartenaktion initiiert und die Karten wurden dann alle an einer Girlande aufgehängt, doch das Gratulieren läuft eben in Distanz ab.

Berufsorientierung in Corona-Zeiten

Die große Tochter Leonie ist in der neunten Klasse des M-Zweiges der Mittelschule Krumbach. Da geht es auch um Berufsorientierung. Sie verstehe die Corona-Pandemie, lese viele Nachrichten auch am Handy doch fragt sie sich zum Beispiel, ob sie die 93-jährige Uroma noch einmal sehen, besuchen kann. Die Oma mit 70 Jahren, die weiter entfernt wohnt, war selber in Quarantäne, weil ihr Partner positiv getestet war. „Das ist eine ganz schwierige Situation“, so Katharina Scheppach. Leonie habe einen Händewaschzwang entwickelt, der über das normale Maß der Hygiene hinausgehe aus lauter Sorge wegen der Viren. Sie mache sich auch Gedanken wegen der Friseure und Geschäfte, die nicht öffnen könnten, und fragt sich, wie die Besitzer sich fühlen, wenn sie nichts verdienen würden. „Wir sprechen daheim mit den Kindern über Geld und wo es herkommt, daher sind sie sensibel bei dem Thema“, erklärt die Mutter.

Kürzlich ist die Familie beim Burgerrestaurant in Krumbach vorbeigefahren. Der Kleine habe aber drinnen essen wollen. Auf die Erklärung, dass das wegen Corona nicht gehe und man das Essen nur abholen könne, sei er richtig bockig geworden und habe schließlich geschrien, „Dann ruf doch den Söder an!“ So einfach gehe das nicht, habe die Mutter erklärt, als sich daheim dann alles wieder beruhigt habe.

Kinderwünsche in Briefform

So entstand jedoch die Idee, die gesammelten Kinderwünsche mal in Briefform zu Papier zu bringen. Clara und Leonie setzten sich um den Tisch und schrieben und malten mit viel Mühe. Die ganz coole bunte Schrift am Fuße des Briefs hat die Mama beigesteuert. „Mama du kannst das doch wie die Graffiti-Sprayer“, sagten sie.

Und so steht da nun: Liebe Frau Merkel, lieber Herr Söder, bitte lasst uns wieder in die Schule gehen, um gemeinsam zu lernen; bitte lasst meinen Bruder wieder in den Kindergarten; bitte lasst uns wieder mit Freunden treffen; lasst uns wieder unsere Oma und Uroma besuchen; lasst uns wieder Geburtstage feiern; lasst die Geschäfte, Gaststätten und Freizeitaktivitäten wieder öffnen, damit nicht noch mehr Menschen ihre Arbeit verlieren; altere Menschen dürfen nicht länger alleine sein. Lasst uns wieder raus.

Katharina Scheppach will die Adressen der Politiker recherchieren und den Brief nun auch abschicken.

Ob die Kinder eine Antwort erhalten werden?

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05.02.2021

Klasse Maßnahme.

Kann man nur begrüßen.

Nur leider werden wohl weder die Frau Bundeskanzlerin noch der Herr Söder auf einen solchen Brief reagieren.

Ich habe auch schon an beide geschrieben, altmodisch per Brief und auch per E-Mail.

Bis heute noch nicht einmal eine Reaktion von deren Seite.
Aus meiner Sicht sind die Genannten schon viel zu weit von der Realität entfernt, dass sie sich zu einer Antwort herablassen.

So viel zu dem Thema, dass für das Wohl des Volkes arbeiten und sich für die Bürger einsetzen.

Einfach nur lächerlich, wenn man solche oder ähnliche Sätze in deren Interviews vernehmen muss.
Für mich haben sie keine Ahnung davon, mit welchen Problemen sich die Bürger aktuell auseinandersetzen müssen.

Und die Hilflosigkeit der Frau Merkel hat man sehr schön beobachten können, als im Fernsehen Auszüge ihres "Treffens" mit Müttern und Vätern zu sehen waren.

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