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Unvergessliche Spiele

25.06.2020

DFB-Pokal gegen BVB: Als die TSG Thannhausen 11.000 Zuschauer begeisterte

Gruß ins Publikum: Die Spieler der TSG Thannhausen unmittelbar vor dem Anpfiff zum „Spiel des Jahres“ für den Verein und zum „Spiel ihres Lebens“ für die allermeisten Amateurkicker.
Bild: Alois Thoma

Plus 30 Minuten lang spielte der klare Außenseiter TSG Thannhausen im DFB-Pokal auf Augenhöhe mit Borussia Dortmund. Ein Landesliga-Kicker hinterließ Eindruck.

Da kam selbst der erfahrene Reporter des Bayerischen Rundfunks aus dem Staunen nicht heraus. „Wer ist denn hier nun der Bundesligist“, gab er übers Mikrofon seine Bewunderung kund. Etwa 11000 Zuschauer im Thannhauser Mindelstadion sahen das genauso. Nicht der Erstligist Borussia Dortmund, sondern der Landesligist TSG Thannhausen spielte an diesem 9. September 2006 in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals groß auf und sorgte zumindest in den ersten 30 Minuten seines „Spiel des Jahres“ für Staunen auf den Rängen.

Dann erst wachte der haushohe Favorit auf und sorgte innerhalb von 13 Minuten durch Tore von Tinga (29.), Nelson Valdez (39.) und Alexander Frei (42.) noch vor der Pause für klare Verhältnisse. Das 0:3 bedeutete bereits den Endstand.

Theo Waigel lobt die TSG Thannhausen

Dennoch: An dieses Pokalspiel haben sich die Profis aus dem Ruhrpott noch einige Tage mit gemischten Gefühlen erinnert. Klaus Richter, damals stellvertretender Abteilungsleiter der TSG, weiß noch gut, warum: „Wir hatten einige gute Torchancen und hätten sogar mehrmals in Führung gehen können.“ TSG-Fan und Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel wurde sogar noch deutlicher: „Das Schönste, was ich hier von der TSG gesehen habe. Nur schade, dass die ihre Dinger nicht reingemacht haben“, sagte er in der Halbzeitpause.

DFB-Pokal gegen BVB: Als die TSG Thannhausen 11.000 Zuschauer begeisterte

Zu diesem Zeitpunkt wurde in der Kabine des Bundesligisten Tacheles geredet. „Eigentlich habe ich mir überlegt, gar nichts zu sagen, aber dann bin ich doch ziemlich laut geworden“, verriet Dortmunds Trainer Bert van Marwijk. Was ihn dazu bewogen hat, war nicht schwer zu erraten, denn nicht der Bundesligist, sondern der Landesligist spielte in Halbzeit eins frech und mutig nach vorne. Jene Fußball-Anhänger, die geglaubt hatten, die TSG-Spieler könnten in diesem ungleichen Duell das Tor des BVB nur aus der Ferne betrachten, wurden schnell eines Besseren belehrt. Stefan Selig, Franz Stroh, Stefan Mittelbach und wiederholt Bajram Sadrijaj hatten das Führungstor auf dem Fuß und forderten BVB-Keeper Roman Weidenfeller immer wieder heraus. „Er hat unglaublich gehalten. Der Gegner hätte zu diesem Zeitpunkt ein Tor verdient gehabt“, fasste der BVB-Coach das Geschehen zusammen. Marwijk hatte eine Woche zuvor seinen Co-Trainer Dick Voorn zur Beobachtung der TSG Thannhausen, die sich als bayerischer Pokalsieger (2:1 im Endspiel gegen die SpVgg Bayreuth) für die Hauptrunde qualifiziert hatte, ins Schwäbische geschickt.

Komplimente vom BVB-Coach Bert van Marwijk

Der 20-jährige Thannhauser Ausnahmestürmer Bajram Sadrijaj bereitete den Dortmunder Abwehrspielern die meisten Sorgen. Da sparte auch der BVB-Trainer nicht mit Komplimenten. „Die Nummer neun, die war sehr gut“, antwortete er auf die Frage, welchen TSG-Spieler er denn gern mit nach Dortmund nehmen würde. Immer wieder narrte Sadrijaj seinen Bewacher Christian Wörns und prägte sich so stark ins Gedächtnis des Dortmunder Sportdirektors Michael Zorc, dass ihn dieser zwei Jahre später nach Dortmund holte, was der TSG Thannhausen unter anderem 42500 Euro Ausbildungsvergütung einbrachte. Sadrijaj blieb bei den Gelb-Schwarzen allerdings nicht vom Verletzungspech verschont. Er brachte es in zwei Jahren auf drei Tore bei 13 Einsätzen in erster und dritter Liga sowie Europapokal.

Die Fans sind hellauf begeistert

Doch zurück zum Pokalhit im Mindelstadion. Nach der Halbzeit erlebten die hellauf begeisterten Zuschauer dann eine andere Gäste-Elf. Der hohe Favorit nahm nun mehr und mehr das Heft in die Hand, ohne freilich groß zu glänzen. Jedenfalls schafften es die Thannhauser, deren Aktionen von den Zuschauern immer wieder frenetisch unterstützt wurden, dem Bundesligisten in Halbzeit zwei ein zu-Null abzutrotzen. Dies vor allem dank eines hervorragend haltenden Keepers Sebastian Steidle und eines überragend auftretenden Abwehrchefs Marian Dischl.

Bajram Sadrijaj (links) spielte groß auf und versetzte wiederholt seinen Gegenspieler Christian Wörns.
Bild: Alois Thoma

Nach dem Schlusspfiff wurden die Thannhauser Fußballer bei ihrer Ehrenrunde wie Sieger gefeiert und von Standing Ovations getragen. Schließlich war das ja „Eine Niederlage, die glücklich macht“ gewesen, wie die Schlagzeile in unserer Zeitung lautete.

Es bleibt ein schöner Gewinn

Längst vergessen waren zu diesem Zeitpunkt die Strapazen, die der Verein unter der Führung von Gerd Olbrich (Vorsitzender), Alexander Graf von Schönborn (Fußball-Abteilungsleiter), Klaus Richter (stellvertretender Spartenchef) und Daniel Häusler (Geschäftsführer) bewältigen musste, um dieses „Spiel des Jahres“ zu stemmen. Weil die Einnahmen aus der Partie mit dem Gegner geteilt wurden, mussten auch alle Investitionen im Vorfeld – wie etwa Aufbau von Zusatztribünen – mit dem BVB abgesprochen werden. „Dabei erfuhren wir, wie genau die kaufmännische Geschäftsleitung der Borussia arbeitet“, erzählt Richter. Aber die Mühen lohnten sich. Unter dem Strich blieben der TSG Thannhausen knapp 75000 Euro Gewinn.

TSG Thannhausen Steidle – Hugel, Mittelbach, Dischl, Kirschenhofer – Hämmerle (79. Wiesmüller), Jakob, Selig, Stroh (70. Wenzel) – Schieferle, Sadrijaj (86. Yildiz)

Borussia Dortmund Weidenfeller – Degen, Brzenska, Wörns, Dede – Tinga, Kruska, Pienaar (60. Ricken), Kringe (72. Sahin) – Frei (60. Smolarek), Valdez

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