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Landkreis/Premach

14.03.2015

Damit das Wirtshaus im Dorf bleibt

Thomas Mayer, Wirt in Premach.
Bild: Birgit Kerler.

 Immer mehr Gasthäuser auf dem Land haben Probleme, Wirte kritisieren zunehmende Bürokratie. Aber es gibt auch Erfolgsgeschichen wie in Premach

Die kleine Kneipe in unserer Straße, da wo das Leben noch lebenswert ist... So lautete 1976 der Songtext eines der bekanntesten Lieder von Peter Alexander. Doch seitdem das Lied im Radio auf und abgespielt worden ist, hat sich viel verändert. Vor allem in Dörfern müssen immer mehr Schankwirtschaften geschlossen werden, da sich der Betrieb nicht mehr lohnt oder insgesamt die Besucher ausbleiben. Laut einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gibt es in mehr als 40 Prozent der Gemeinden Schwabens, Oberbayerns und Unterfrankens keinen getränkeorientierten gastronomischen Betrieb mehr (Stand 2011). Lege man für Bayern die Anzahl der Steuerpflichtigen im Wirtschaftszweig der Schankwirtschaften zugrunde, hat sich deren Zahl zwischen 1980 und 2011 um 45 Prozent reduziert.

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Als Gründe für diesen drastischen Wandel haben die Forscher beispielsweise mangelnde Rentabilität und eine fehlende Nachfolgeregelung aufgeführt. Aber auch das Rauchverbot, das Fehlen eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes oder zahlreiche Hygiene- und Feuerschutzvorschriften, also Gründe, die Politik und Staat regeln sollten, zählen laut Studie dazu. Würde diese Probleme nicht gelöst, dann würden die Schankbetriebe weiter „sterben“. Auch in der heimischen Region werden die Gaststätten in den Dörfern immer weniger. Einige behaupten sich aber gegen den Trend mit einem erstaunlichen Erfolg.

Dazu gehört der Gasthof „Grüner Baum“ in Premach. Gastwirt Thomas Mayer betont, dass auch in seiner Wirtschaft im Vergleich zu früher, beispielsweise den Jahren 1990 bis 1996/8, die quasi die „dicken Jahre“ waren, ein gewisser Rückgang zu verzeichnen ist, was er auf das erweiterte gastronomische Angebot, beispielsweise in Thannhausen, zurückführt. Doch nach wie vor laufe es in seinem Gasthaus vergleichsweise gut. Diese sei seit 1906 im Familienbesitz und er hoffe, dass auch seine Kinder einmal die Wirtschaft fortführen. Das Erfolgsrezept kann man wohl mit dem Wort „Gockel“ umschreiben. Seit 1960 gibt es dort die bekannten „Göckel“, betont er stolz.

Damit das Wirtshaus im Dorf bleibt

Der große Umsatz werde nicht mehr mit Getränken, sondern mit Essen gemacht. Mayer erklärt, dass jeden Mittwoch Stammtisch und jeden Sonntag Frühschoppen stattfinde, was neben den Feiertagen seine „Events“ seien. Zwar veranstalte er kein Public-Viewing oder andere besondere „Events“, doch sind Jugendliche dennoch am Wochenende vor dem Discogang manchmal anzutreffen, selbst wenn primär das Besucherfeld sich familiär zeigt. Trotzdem, erzählt er, sei es nicht immer ein Nachteil, dass er beispielsweise kein Public-Viewing veranstalte. Er habe schon einmal den Anruf erhalten, ob man bei ihm Fußballschauen könne und erst als er verneinte, sei die Zusage „Dann komme ich“ erfolgt.

Verglichen mit dem bayernweiten Trend steht der Landkreis Günzburg aber insgesamt offenbar noch relativ gut da. Die Bedingungen für Wirte hätten sich zwar erschwert, aber die Zahl der Gaststätten im Landkreis sei insgesamt zuletzt konstant geblieben, betont Ingrid Osterlehner, die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Dies zeigen auch die Zahlen der IHK. Osterlehner nannte als Gründe für die Aufgaben von Gaststätten die fehlende Nachfolgeregelung, die Bürokratie sowie die Dokumentationszunahme, die ohne elektronische Systeme nicht mehr leistbar sei, die aber kleinere Gaststätten sich nicht leisten können.

Den Ausweg aus dieser Bredouille sieht Osterlehner darin, dass der Wirt Wirt bleiben soll und nicht zum Bürokraten gemacht wird. Es müssten Wege geschaffen werden, sodass die Jugend nicht von Aktenbergen bei einer möglichen Übernahme abgeschreckt werde. Mit unfairen Wettbewerbsbedingungen müsse aufgeräumt werden. Ebenso sollten Jugendliche und junge Erwachsene durch Angebote sowie „Erlebnissgastronomie“ wieder ins Wirtshaus gelockt werden, sodass die Gaststätten sich wieder mehr füllen. Doch trotz aller Erschwernisse sieht auch die Kreisvorsitzende eine Zukunft des klassischen Dorfwirtshauses. Sie betont, dass hier das Miteinander durch gemeinsame Gespräche gepflegt wird, wie nirgend anderswo.

Und zwar neben festlichen Anlässen auch ganz normal, unter der Woche, am Stammtisch mit einer gemütlichen „Feierabendhalbe“ in der kleinen Kneipe in unserer Straße, da wo dich niemand fragt, wer du bist, oder was du hast.

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