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Alzheimer

07.02.2015

Damit der Rhythmus stimmt

Für verwirrte Menschen ist ein Krankenhausaufenthalt besonders schwierig. Wichtig ist auch, dass jemand dafür sorgt, dass die Patienten im richtigen „Rhythmus“ bleiben. In Krumbach werden jetzt ehrenamtliche Helfer gesucht.
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Für verwirrte Menschen ist ein Krankenhausaufenthalt besonders schwierig. Wichtig ist auch, dass jemand dafür sorgt, dass die Patienten im richtigen „Rhythmus“ bleiben. In Krumbach werden jetzt ehrenamtliche Helfer gesucht.
Bild: Oliver Berg/dpa

Die Kreisklinik Krumbach nimmt am Modellprojekt „Demenz im Akutkrankenhaus“ teil. Gesucht werden Ehrenamtliche, die die Patienten begleiten

Wenn ein verwirrter oder dementer älterer Mensch ins Krankenhaus muss, dann ist das nicht leicht – nicht für den Patienten selbst, nicht für die Angehörigen und nicht für das Krankenhauspersonal. Damit solche Fälle für alle Beteiligten möglichst gut verlaufen, will die Kreisklinik Krumbach nun vorsorgen: Sie nimmt als eine von insgesamt sechs Kliniken in ganz Bayern am Modellprojekt „Demenz im Akutkrankenhaus“ teil. Organisator und verantwortlich für die fachliche Begleitung des Projekts ist die Deutsche Alzheimergesellschaft.

Hermann Keller, Direktor des Klinikmanagements, betont die Notwendigkeit. „Der Anteil der Älteren und Hochbetagten in der Gesellschaft steigt und damit auch die Zahl der Demenzkranken“, blickt er in die Zukunft. In der Klinik in Krumbach beschäftige man sich daher schon länger mit dem Problem. So wurde bereits vor längerer Zeit eine Info-Broschüre entwickelt. Dr. Anneliese Hösch, Oberärztin für Innere Medizin und Leitende Geriaterin, übernimmt die ärztliche Leitung der Projektgruppe. „Wir freuen uns sehr, dass wir ausgewählt wurden“, sagt sie.

Dr. Hösch erläutert die besonderen Probleme Demenzkranker in der Klinik. „Im häuslichen Umfeld fällt es oft gar nicht auf, dass ältere Menschen ein Orientierungsproblem haben. Im Krankenhaus wird dies dann offensichtlich“, sagt sie. Die veränderte Situation und Umgebung rufe Ängste hervor und führe bei Demenzkranken häufig zu noch mehr Verwirrtheit und Verhaltensveränderungen. Unruhe, Aggressivität, zielloses Umherwandern, Schreien oder Schimpfen, aber auch Apathie listet die Alzheimergesellschaft als besonders belastende mögliche Verhaltensweisen der Patienten auf. Dr. Hösch betont, dass die Wahrscheinlichkeit bestimmter Verwirrtheits-Zustände im Krankenhaus jedoch abnehme, wenn möglichst früh versucht werde, sie zu vermeiden. Deshalb müssten alle Beteiligten möglichst gleich zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes einbezogen werden: Patient, Angehörige und Krankenhauspersonal.

Das gesamte Krankenhauspersonal wird im Rahmen des Modellprojektes in Sachen Demenz geschult. Christine Rau, Assistentin im Pflege- und Prozessmanagement und Leiterin des Demenzprojekts, erläutert, was den Umgang mit Demenzkranken beispielsweise leichter mache. „Diskussionen mit den Patienten oder schwierige Entweder-oder-Fragen sollten vermieden werden“, sagt sie. Auch auf den Tonfall müsse geachtet werden, da Stimmungen von Demenzkranken sehr wohl wahrgenommen werden, erläutert sie weiter. Gelinge es außerdem, den Patienten tagsüber wach zu halten, sei er offener für eine Aktivierung durch den Physiotherapeuten und weniger aggressiv. Außerdem falle die nächtliche Unruhe weg.

Doch wer begleitet den Kranken durch den Tag? Wer hilft ihm, im Rhythmus zu bleiben? Wer beruhigt aufkeimende Angst? Ehrenamtliche könnten dies in Zukunft übernehmen, sagt Dr. Hösch. Zunächst soll nun ein Team von ehrenamtlichen Helfern gewonnen werden, die dann auch geschult werden. Die Helfer sollen durch eine zeitweise Begleitung des Kranken „Druck aus der Situation“ nehmen, erläutert die Oberärztin. Der Kranke könne auf der Station, dort, „wo die Tage lang sind“, wie Christine Raus es formuliert, beschäftigt werden. Situationen, die den Patienten alle fünf Minuten nach der Krankenpflegerin klingeln lassen oder laut schreien lassen, sollen so erst gar nicht entstehen, sagt sie. Ein erster Info-Abend für Interessierte findet am 9. März statt. Eine erste Kontaktaufnahme ist außerdem beim Stehempfang im Krumbacher Kino am 22. Februar möglich. Vorher wird um 10 Uhr der Film „Honig im Kopf“ gezeigt, in dem es um einen an Alzheimer erkrankten Großvater geht.

Letztendlich sollen durch den Einsatz der Ehrenamtlichen in der Klinik dann alle entlastet werden: Patient, Angehörige und Klinikpersonal. Und das möglichst früh, damit der Aufenthalt des Patienten nicht durch zusätzliche Komplikationen verlängert wird und er bald wieder nach Hause kann. Dort kommt er ja vielleicht in seinem gewohnten Umfeld wieder zurecht.

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