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16.10.2007

Das "rote Band" einer 100-jährigen Geschichte

"Ein rotes Band": Der Titel des neuen Buches steht für die 100-jährige Geschichte des 1907 gegründeten Krumbacher SPD-Ortsvereins. Dr. Ulrike Seifert-Kraus, SPD-Ortsvorsitzende, nennt das von ihr verfasste Buch auch eine "Spurensuche". Diese Spurensuche ist eine Begegnung mit den Wechselfällen der deutschen Geschichte und der Heimatgeschichte.

Rund acht Monate hat die SPD-Ortsvorsitzende in verschiedenen Archiven recherchiert und mit zahlreichen Zeitzeugen gesprochen. Deutlich wird, dass die Wurzeln des 1907 gegründeten SPD-Ortsverbandes bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Krumbach gilt in der Zeit der 1848er-Revolution als linksliberale Hochburg. Dann folgt eine schwierige Entwicklung im Kaiserreich.

Der 30. Juni 1907 steht für den organisatorischen Anfang der SPD in Krumbach. Es ist der Schlachthausmeister Hans Bader, der an diesem Tag eine offizielle Gründungsversammlung einberuft. Langsam, aber stetig entwickelt sich der Ortsverband, prägend wird Adalbert Schwaninger, Textilmeister bei Steiger, der den Ortsverein 24 Jahre, bis zur Nazizeit, führt.

Was ist das für eine Zeit. Erster Weltkrieg, die Niederlage, Inflation, Weltwirtschaftskrise, dann der gespenstische Aufstieg der Nazis, die auch in Mittelschwaben immer mehr Fuß fassen. Wie in anderen Städten und Gemeinden Deutschlands wird die SPD nach 1933 auch in Krumbach von den Nazis systematisch aus dem politischen Leben verdrängt. Eine Episode mit Symbolkraft ist die Rettung der Fahne des Ortsvereins, die Dr. Ulrike Seifert-Kraus in ihrem Buch beschreibt: "Die 1925 unter großen finanziellen Opfern angeschaffte Fahne des Ortsvereins und das Reichsbanner verstecken die Genossen im Fehlboden der Wohnung von Alois Dreyer im Hürbener Wasserschloss."

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Alois Dreyer und der 1946 gewählte Ortsvereinsvorsitzende Alois Kroner stehen für den schwierigen und doch von großen Hoffnungen getragenen Neuanfang nach 1945. Der aus dem Sudetenland stammende Josef Matzka, Ortsvereinsvorsitzender von 1948 bis 1950, wird zu einer der prägenden sozialdemokratischen Gestalten der Nachkriegszeit, die schließlich einmündet in neuen Wohlstand. Willy Brandt ist 1961 als Kanzlerkandidat in Krumbach, Herbert Wehner kommt zum 60-jährigen Bestehen des Ortsvereins 1967 in die Kammelstadt. Rund 180 Mitglieder zählt der Ortsverein nach Auskunft von Dr. Seifert-Kraus in den 50er und 60er Jahren. Heute seien es zirka 35. In anderen Parteien ist die Entwicklung ähnlich. Politik vor Ort, das war früher immer auch der klassische Wirtshausdiskurs. "Das verändert sich in Zeiten des Internets", sagt Dr. Seifert-Kraus. Die zunehmende Anonymisierung des Daseins prägt die Rahmenbedingungen für das politische Gestalten vor Ort - und macht dieses nicht leichter.

Dr. Ulrike Seifert-Kraus, "Ein rotes Band", 72 Seiten, Din-A-5, Krumbach, Verlag Karl Ziegler, 13 Euro ist im Medienservicecenter der Mittelschwäbischen Nachrichten und bei der Krumbacher Buchhandlung Thurn erhältlich. Die 100-jährige Geschichte des SPD-Ortsvereins ist auch am KRU-Stand dargestellt.

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