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13.10.2009

Das spätere Opfer hatte panische Angst

Memmingen/Thannhausen Die Frau hatte panische Angst. Aber niemand wollte sie wirklich ernst nehmen: Das wurde nach mehreren Zeugenaussagen am dritten Prozesstag am Memminger Landgericht klar. Die Thannhauser Mutter fürchtete sich vor ihrem Mann, der vor Gewalt nicht zurückschreckte und deshalb das gemeinsame Haus hatte verlassen müssen. Das war wenige Wochen vor ihrem Tod im September 2008. Der Mann soll sie heimtückisch mit einem Beil erschlagen haben.

"Sie war total verzweifelt", erinnerte sich gestern eine Augsburger Rechtsanwältin, bei der die Frau wenige Tage vor der Bluttat Beistand gesucht hatte. Sie wollte das alleinige Sorgerecht für ihre beiden jüngsten Kinder, die der Vater in einen Flieger nach Syrien gesetzt hatte. Die Frau berichtete der Juristin, dass der mittlerweile von ihr getrennt lebende Mann sie öfters verletzt habe. Einmal habe er sie mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, ein anderes Mal brach er ihr Rippen.

Hilflose Rechtsanwältin

Während des zweistündigen Gesprächs sei sie aufgestanden und hätte erklärt, wie ihr der Mann ein Messer in den Bauch stoßen würde. Die Rechtsanwältin versuchte zu beruhigen: Bellende Hunde beißen nicht. "Da wurde sie bös", schilderte die Frau die Reaktion ihrer Mandantin, die sie indirekt beschuldigte, nicht zu helfen. Die Rechtsanwältin gab zu, in dieser Situation hilflos gewesen zu sein. Eine Kollegin, die den Fall nicht betreuen konnte, schilderte ganz drastisch: "Sie hat den Tod als Faktum angesehen. Er würde sie umbringen, da könne sie nichts machen, es sei nur eine Frage der Zeit."

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Von der großen Angst berichtete auch eine frühere Beamtin der Ausländerbehörde am Landratsamt in Günzburg. Der zierlichen Thannhauserin riet sie sofort, das Türschloss auszuwechseln. Sie hätte ihr dafür sogar 20 Euro in die Hand gedrückt. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein fragte, ob diese Hilfe der Normalfall sei. "Das mache ich nur bei Leuten, die in Not sind", sagte die Zeugin.

Auf keinen Fall wollte die Thannhauserin nach Syrien, der Heimat ihres Mannes. Der hatte den Plan gefasst, dort erneut zu heiraten. Die Thannhauserin befürchtete das Schlimmste. Jedenfalls ließ der 48-Jährige kein gutes Haar an ihr, berichtete ein Krumbacher Polizist, der ihn als Patriarch und Despot bezeichnete. Er wollte bei einer Scheidung das Geld zurück, das seine Leute an die Familie seiner Frau gezahlt hatten - angeblich 50 000 Euro. Und er wollte seine Familie in Deutschland zerstören. Beispiele dafür gab es während der gestrigen Verhandlung genügend: Gegenüber der Ausländerbehörde sagte er, dass seine Frau "krank im Kopf" sei. Bei ihrer Arbeitsstelle rief er an, um mitzuteilen, dass sie Putzmittel gestohlen habe und deshalb entlassen werden müsse. Doch der Vorwurf ließ sich nicht bestätigen. Die studierte Thannhauserin arbeitete weiter. Auch einen Sohn versuchte der Vater bei der Arbeit anzuschwärzen - ohne Ergebnis.

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