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27.11.2016

Debattier- statt Empörungskultur

Geradeaus quergedacht: Ausschnitt des  Titelblatts des neuen Buches von Wallfahrtsdirektor Dr. Wilhelm Imkamp.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

„Querdenker“ Imkamp über den Wandel der Gesellschaft. Ein neues Buch mit viel Zündstoff.

„Ich sage Dinge, über die man sich noch schön aufregen kann, die sonst keiner mehr so klar sagt.“ Das erklärt Prälat Dr. Wilhelm Imkamp in seinem jüngsten Buch über sich selbst und öffnet damit ein reiches Bedeutungsspektrum. Verständlich wird dadurch das große Interesse der Medien an seiner Person und die Tatsache, dass sich mit seinen Interviews aus den letzten 28 Jahren problemlos ein Buch füllen lässt. Verständlich wird auch der widersprüchliche Titel des Buchs „Geradeaus quergedacht“, denn der Querdenker Imkamp steht gleichermaßen für Klarheit und Gradlinigkeit.

Verständlich wird drittens, dass der Prälat mit seiner Forderung nach einer unverwechselbaren Profilbildung des Katholizismus viele Zeitgenossen vor den Kopf stößt. Vergleichsweise harmlos mag das noch sein bei seinen Ansichten zur Volksfrömmigkeit, zur Marienverehrung, zur Frage, ob bestimmte Devotionalien Kitsch sind oder Priester durch ihre Kleidung sofort als solche erkennbar sein müssen.

Deutlich mehr Provokation stellt für viele Zeitgenossen die kompromisslos-konservative Haltung zur Frage der Rolle der Frau in der Kirche dar, zur Frage der Rolle von Laien in der Kirche oder die Aussage, praktizierte Homosexualität sei „schwer sündhaft“.

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Prälat Dr. Imkamp aber scheut sich nicht, entschieden auch gegen breiteste Zeitströmungen vorzugehen, sei es die sexuelle Revolution, die Verweltlichung der Gesellschaft, den ungebremsten Kapitalismus oder den unachtsamen Umgang des modernen Menschen mit der Schöpfung. Da kommt kaum einer ungeschoren davon, nicht der Spießer, der sich gnadenlos anpasst, nicht der Funktionär oder „Managersöldner“, nicht der Minister, der absichtlich und gekonnt lügt und auch nicht das Gros der klerikalen Mitbrüder. Es wird einsam um jemanden, der wie Imkamp das „Weichspülen“ und „Parfümieren“ verschmäht. Die Isolation aber hat auch Methode: „Das Urchristentum entstand in einer gesellschaftlichen Atmosphäre, die der heutigen hedonistischen Atmosphäre gar nicht so fern ist.“

Der Begriff „Querdenker“ ist heute positiv besetzt. Dass jemand Klartext spricht, sollte es auch sein. In einem Punkt nämlich hat Imkamp allemal recht: Wenn die Debattierkultur der „Political correctness“ zum Opfer fällt, dann droht die Gefahr, dass zu vieles im Chaos der Beliebigkeit verkommt. Aufrüttelnd ist das Buch „Geradeaus quergedacht“ durch seine Positionen, amüsant durch die Eloquenz und rhetorische Kreativität. Amüsant ist auch Folgendes: Einer der Journalisten schreibt: „Seine Erscheinung ist unauffällig, seine Kleidung bescheiden.“

Ein anderer schreibt, wenn die fast 1,90 Meter große, imposante Person mit ihrer „weltzugewandten Extravaganz“ den Raum betrete, bleibe nichts, wie es gerade noch war. Einer der Journalisten muss schlecht beobachtet haben.

Wilhelm Imkamp: Geradeaus quergedacht. Aachen (Bernardus Verlag) 2016. 142 Seiten.

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