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Krumbach

23.04.2020

Der Diakonieverein Krumbach baut einen Pflegedienst auf

Diakoniekoordinator Andreas Reinert und Pfarrer Eugen Ritter vom Diakonieverein Krumbach vor dem Diakonieauto. Sie stellten ihr Konzept eines Pflegedienstes vor, der unter dem Dach des Diakonievereins zum 1. Juli 2020 in Krumbach starten soll.
Bild: Annegret Döring

Plus Ein ganzheitliches Paket soll geschnürt werden im Bereich Pflege, Alltagsbegleitung und Haushaltshilfe. Dabei setzt der Verein auf ressourcenschonendes Arbeiten.

Immer älter werden die Menschen. Was zunächst gut klingt für die eigene Lebensperspektive, hat aber auch eine Kehrseite: Die Menschen sind nicht bis zuletzt topfit und brauchen Hilfe. Oft sind sie bereits begutachtet vom medizinischen Dienst der Krankenkassen und haben einen Pflegegrad. Dieser würde sie berechtigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es im Alltag, sei es im Bereich der Pflege oder auch nur im Haushalt. Oft telefonieren sich die Anspruchsberechtigten oder ihre Angehörigen die Finger wund, um zum Beispiel eine Haushaltshilfe zu bekommen. Bald naht Abhilfe in Krumbach: Zum 1. Juli diesen Jahres wird der Diakonieverein Krumbach einen Pflegedienst eröffnen.

Frisch eingetrudelt bei Diakoniekoordinator Andreas Reinert vom Diakonieverein Krumbach ist die Genehmigung. Erteilt hat diese die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassenverbände in Bayern, die auch Abrechnungsstelle für die Leistungen mit den Pflegekassen ist. Bis zu dieser Genehmigung war einiges zu bewerkstelligen, das federführend in Andreas Reinerts Händen lag „auch über seinen Dienst hier im Diakonieverein hinaus“, lobt Pfarrer Eugen Ritter seine Arbeit.

Start war eigentlich schon für Januar geplant

Im Oktober 2019 beschloss man im Diakonieverein, einen Pflegedienst auf den Weg zu bringen und wollte das bereits zum Januar 2020 in trockenen Tüchern haben. Es musste dann im Februar an der Konzeption nachgebessert werden und „jetzt hat es halt ein bisschen länger gedauert“, sagt Reinert im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der Diakonieverein Krumbach baut einen Pflegedienst auf

Der Verein hatte die Zielsetzung, wieder mehr an den Grundfesten diakonischen Handelns tätig zu sein, nämlich im Bereich anderen Menschen zu helfen. Bereits vor vielen Jahren gab es einmal einen Pflegedienst beim Diakonieverein in Krumbach, der jedoch aufgegeben wurde. Nun geht man mit neuem Elan voran und ist stolz darauf, dass man die Pflegedienstleitung Edith Hechtl und die stellvertretende Pflegedienstleitung Diana Kühnel als Mitarbeiterinnen für das neue Projekt gewinnen konnte. Die 59-jährige Edith Hechtl wird zum Juli beginnen und ihre zehn Jahre jüngere Kollegin Kühnel ist einen Monat früher unter Vertrag. Beide Frauen sind Krankenschwestern mit Fachweiterbildungen und Zusatzausbildungen. Die beiden Frauen besetzen Posten, die zu den Grundvoraussetzungen für einen Pflegedienst gehören, genauso wie zusätzlich ein Mindestmaß an Personal, ein Büro, ein Besprechungsraum und ein Materiallager. Das jetzige Büro von Andreas Reiner im evangelischen Pfarrhaus in der Jochnerstraße erhält die Pflegedienstleitung und Diakoniekoordinator Reinert zieht derweil in ein Zimmer, das Pfarrer Ritter von der Pfarrerwohnung abknapst.

Neuer Pflegedienst in Krumbach will mehr als die Grundvoraussetzungen abdecken

Doch im Diakonieverein, der eng an die evangelische Kirchengemeinde in Krumbach angeschlossen ist, will man mehr als nur die Grundvoraussetzungen abdecken. „Uns war es wichtig, für die Hilfebedürftigen ein Paket zu schnüren für Pflege und Lebensbegleitung“, sagt Andreas Reinert. Darum werden in dem Pflegedienst neben Pflegekräften auch Alltagsbegleiter und Haushaltshilfen angestellt werden. Fünf Alltagsbegleiter und zwei Haushaltshilfen hat man schon gefunden. Alle, die beim Pflegedienst arbeiten werden werden nach dem Tarifvertrag AVR Bayern bezahlt, keiner arbeitet ehrenamtlich, erläutert Reinert das Konzept. Grundlage des Handelns sei auch immer das christliche Menschenbild.

Wichtig sei, dass die Chemie zwischen den Personen passen müsse und dass man nicht ständig wechselnde Hilfskräfte zu den Bedürftigen schicken könne. Bei der Auswahl der Mitarbeiter stehe dann auch stets die Frage im Raum „Wer passt in unser kirchlich-diakonisches Muster?“ Darum sehen sowohl Pfarrer Ritter als auch der Diakonie-Koordinator bereits jetzt, dass der Pflegedienst „klein aber fein“wachsen werde, je nachdem, wie viele Hilfesuchende sich melden. „Wir sind kein Wirtschaftsunternehmen im klassischen Sinne. Klar müssen wir kostendeckend arbeiten, doch unsere Philosophie für unsere Mitarbeiter ist ressourcenschonendes Arbeiten“, sagt Andreas Reinert. Man wolle nicht, dass die Pflegekraft unter großem Druck herumhetzen muss. Sie soll sich die Zeit für die Leistung nehmen können, die sie benötigt. Da muss man auch nicht den Preis beim Stundenlohn drücken. Zufriedene, motivierte und gesunde Mitarbeiter würden sich dann auch auf den Klienten auswirken.

Bedarf für das Projekt in Krumbach ist da

Aus seiner Seniorenarbeit, zum Beispiel mit der Sitztanzgruppe, weiß Pfarrer Ritter, dass der Bedarf für das neue Projekt da sei. Viele der jetzt noch fitten Senioren überlegten sich für später bereits Lebensentwürfe oder wie sie in einer späteren Lebensphase zurecht kommen könnten. Und Reinert ergänzt, dass jede Person, die einen Pflegegrad habe, auch Anspruch auf Gelder für eine Haushaltshilfe habe. 125 Euro im Monat sparen die Pflegekassen anderthalb Jahre lang pro Person an, ehe die Gelder verfallen. Das entspricht in etwa sechs bezahlten Stunden im Haushalt monatlich. Abrufen können die Bedürftigen diese Hilfe nur über zertifizierte Dienste. Weil aber ein Mangel im Haushaltshilfenbereich herrsche, der Bedürftige keinen Dienst finde, der eine Haushaltshilfe stellen kann, führe dies dazu, dass dieses Geld oft futsch ist, weil es gar nicht erst abgerufen werden kann. Diese Lücke, und nicht nur die, will der Diakonieverein mit dem neuen Pflegedienst dann füllen. „Natürlich können sich auch Menschen ohne Pflegegrad an uns wenden, die Hilfe im Haushalt benötigen“, so Reinert. Das müssten sie dann aus eigener Tasche finanzieren.

Zum Start des Pflegedienstes wolle man auch zwei Kleinwagen anschaffen, da schaue man sich im Moment nach Angeboten um, berichtet Eugen Ritter. Denn man wolle den Mitarbeitern auch bereitstellen, was für gutes Arbeiten notwendig sei. Auf diesen Start freut sich indes auch Diana Kühnel, die ebenfalls beim Gespräch mit der Zeitung zugegen ist. „Eine ganzheitliche Pflege, bei der man auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen kann, das ist mir wichtig“, sagt sie und sie ist sicher, dass sie diesen Weg beim Diakonieverein gut gehen kann.

Kontakt Wer interessiert ist, für den Pflegedienst zu arbeiten oder ab Juli Dienste in Anspruch nehmen möchte, kann sich per E-Mail wenden an andreas.reinert@diakonie-krumbach-schwaben.de Kontaktdaten gibt es auch auf der Homepage des Diakonievereins im Internet unter diakonie-krumbach-schwaben.de

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