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Alpencross

05.07.2014

Der Fendt fährt mit Polizeieskorte

Bernhard Weindl aus Langenhaslach und sein Fendt haben ihn geschafft, den „Passo San Gottardo“.
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Bernhard Weindl aus Langenhaslach und sein Fendt haben ihn geschafft, den „Passo San Gottardo“.

Der Langenhaslacher Bernhard Weindl hat die Alpen mit dem Bulldog überquert. Wie er Pässe, Tunnel und Mautsysteme meisterte

An den Lago Maggiore zu fahren, Mailand zu besuchen, auf dem Weg dorthin die Tunnel zu meiden und sich über Pässe in die Höhe zu schrauben, ist nichts Bemerkenswertes. Es sei denn, man nimmt wie Bernhard Weindl anstatt des Autos oder des Motorrades einen alten Bulldog. Eine Woche allein unterwegs mit dem Fendt Geräteträger, ein luftgekühlter 3-Zylinder, Baujahr 77. Das 50-PS-Gefährt aus Familienbesitz hat der Oldtimerfan vor zwei Jahren restauriert, jetzt wollte er damit in die Zentralschweiz.

Am Vorabend der Reise kam ihm dann die Idee, nach Mailand zu fahren, den Dom und die berühmte Galerie zu besichtigen, den Lago Maggiore zu erleben und natürlich, daran hing sein Herz, den San Bernardino zu überqueren.

Und weil ihm ein Pass nicht genug war, stürmte er zunächst mit gemütlichen 30 Kilometern in der Stunde den Pass von Vaduz nach Malbun. Obwohl nicht selten als Verkehrshindernis unterwegs, habe er viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erlebt. Wo immer er vorfuhr, sein Reiseziel nannte, ist ihm Erstaunen, Anerkennung begegnet. Und stets verbreitet ein Bulldogfahrer gute Laune.

Das durfte Bernhard Weindl auch an der Schweizer Grenze erleben. Die faszinierten Zöllner erkundigten sich und rieten ihm dann, den Splügenpass (2000 Meter, drei Meter Schneehöhe) zu nehmen, da der San Bernardino Wintersperre hatte. Noch intensiver bemühte sich die Polizei im Großraum Mailand um den Bulldog-Touristen. Nachdem er unfreiwillig auf die Autobahn geraten war und schnellstmöglich eine Ausfahrt suchte, fand Bernhard Weindl in der nächstgelegenen Polizeistation fürsorgliche Helfer. Schließlich sind viele Straßen nach Mailand mit Maut belegt, die über ein elektronisches System kassiert wird.

Wie also legal in die Stadt kommen? Selbst die Carabinieri stießen hier an ihre Grenzen. Die Lösung: Sie erarbeiteten dem deutschen Bulldogfahrer einen mautfreien Streckenplan – und nachdem sie das etwas verunsicherte Gesicht von Bernhard Weindl gesehen hatten, gab es noch eine filmreife Extrahilfe. Bis zur Reviergrenze wurde der deutsche Bulldog von einem Polizeifahrzeug eskortiert.

Bis auf die Piazza del Duomo wollte der Langenhaslacher aber dann doch nicht mit dem landwirtschaftlichen Nutzfahrzeug fahren. Er entschied sich, für die letzten Kilometer die U-Bahn zu nehmen.

Allerdings, erinnert sich Bernhard Weindl, war die Polizei nicht immer so freundlich. Als er entlang des Comer Sees zockelte, stellte ihn ein Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und beschimpfte ihn wegen seiner langsamen Fahrweise. Doch solche Erlebnisse blieben die Ausnahme. Viel Erinnernswertes, Lustiges, Abenteuerliches prägt seine Bulldogfahrt nach Italien.

Bei Chur, auf der Via Mala, gab es viel Hallo, als Schweizer Infanteristen ihn im Vorbeifahren militärisch grüßten. Am Lago Maggiore erhielt er auf der Fährüberfahrt selbstverständlich einen Sonderstatus, durfte an all den wartenden Pkw vorbeituckern in die „Poleposition“. Seine zugleich über den Verkehr erhabene Sitzposition und seine langsame Fahrweise lassen ihn Dinge wahrnehmen, die für andere Verkehrsteilnehmer nicht sichtbar sind.

Nur so entdeckte er in einem Speichersee ein Reh, das keine Chance hatte, über die Ufermauern an Land zu kommen. Für Bernhard Weindl war klar, dass er Hilfe organisieren musste – und schließlich gelang es mit Feuerwehr und Schlauchboot, mit Rettungsschwimmer und vielen, vielen Einsatzkräften, das Reh vor dem sicheren Tod zu retten. Das war, blickt Bernhard Weindl zurück, sein letzter Tag an den italienischen Seen.

Zuvor hatte er noch mit zwei jungen Mountainbike-Abenteurern eine Fahrt über Spitzkehren in ein Bergdorf unternommen. Am Morgen dann machte sich der Bulldog-Abenteurer auf in Richtung Heimat, diesmal über den Sankt Gotthard. Trotz widersprüchlicher Informationen über den Zustand der Straße wagte er die Fahrt und erreichte, nach mehrmaligem Umkehren und neuen Anläufen, die Passhöhe.

Dann ging es weiter zum Oberalppass mit der Rheinquelle, vorbei am Matterhorn und aus Versehen wieder einmal auf verbotener Trasse durch einen zwei Kilometer langen Tunnel, bis er schließlich nach 300 Kilometern kurz vor 22 Uhr in Feldkirch eintraf, seiner letzten Übernachtungsstation. Der Rest, so Bernhard Weindl, ist Heimat.

1100 Kilometer in einer Woche, Wind und Wetter, Regen und Schnee, das fordert Mensch und Maschine. Aber die Vorteile sind überwältigend. „So kann man auf keine andere Weise die Umgebung, die Natur erleben. Weil man sich körperlich nicht anstrengen muss und die langsame Fahrt keine hohe Konzentration erfordert, hört und riecht man, was einen umgibt, und man sieht es von einer erhöhter Position.“

Für Bernhard Weindl war es mit Sicherheit nicht die letzte Tour: allein mit dem Fendt Geräteträger, eine Reiseart mit Suchtfaktor.

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