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Deisenhausen

12.06.2019

Der Fußball brachte Sophia Eifler nach Übersee

Sophia Eifler mit den Trikots ihrer beiden Teams Albany University und DJK Breitenthal.
Bild: Alois Thoma

Sophia Eiflers Talent verschaffte ihr ein Stipendium an der Albany University in den USA. Was die Deisenhauserin dort erlebt und wie sie die Weltmeisterschaft verfolgt.

„Deutschland gegen die USA!“ Sophia Eifler aus Deisenhausen muss nicht lange überlegen, was ihr Traumfinale bei der zurzeit laufenden Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Frankreich wäre. Dass sie sich als deutsche Staatsbürgerin „ihre“ Nationalmannschaft im Endspiel wünscht, ist verständlich. Aber warum ausgerechnet die Amerikanerinnen?

Das hat eine Vorgeschichte. Man muss nämlich wissen, dass die 21-Jährige vor zwei Jahren aus der beschaulichen Günztal-Gemeinde Deisenhausen nach Albany, der Hauptstadt des US-Bundesstaates New York, umgesiedelt ist. Zum einen, um an der dortigen Uni zu studieren. Der Hauptgrund aber ist, dass sie dort Fußball spielen kann. Inzwischen darf sie sich als „halbe Amerikanerin“ fühlen und deshalb schlagen zwei Fußballherzen in ihrer Brust: eins für Deutschland, eins für die USA. Wobei sie dann schnell hinzufügt: „Natürlich hoffe ich, dass Deutschland mein Traumfinale gewinnt.“

Vater Peter Eifler schrieb mehrere Collegeteams an

Bis der Traum von Studium und Fußball über dem großen Teich Realität wurde, war einiges an „Vorarbeit“ nötig. Vater Peter Eifler hat bei den Einsätzen seiner Tochter im Trikot des ehemaligen Bezirksoberligisten und jetzigen Bezirksligisten DJK Breitenthal mehrere Videos gedreht und samt Steckbrief an verschiedene Trainer von Collegeteams in den USA geschickt.

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Mit Erfolg. Nach einigen persönlichen Gesprächen über den Online-Telefondienst Skype und zwei Aufnahmetests kam dann eines Tages die erfreuliche Nachricht. Die Uni in Albany sagte ihr ein zu 95 Prozent finanziertes Stipendium zu. Die restlichen fünf Prozent muss die Studentin selbst beisteuern, wobei Kost und Logis im Studentenheim ebenfalls von der Schule getragen werden. „Ich kam also über den Fußball in den Genuss der Universität“, berichtet Sophia Eifler.

Sophia Eifler aus Deisenhausen kann dank eines Sportstipendiums in den USA studieren. Hier ist sie im Trikot ihres Teams zu sehen.
Bild: Bill Ziskin

Neben dem Studium der Betriebswirtschaftslehre (BWL) steht der Fußball im den sportverrückten USA im Mittelpunkt. Das macht es der Deisenhauserin leicht macht, manch Seminar sozusagen „mit Genehmigung“ zu schwänzen. Das Team der Albany-Uni spielt in der höchsten College-Liga, die insgesamt 335 Mannschaften von Universitäten aus dem ganzen Land zählt. Sie sind auf mehrere Gruppen verteilt, die ersten sechs jeder Gruppe in den Play-offs. Die jeweiligen Sieger dieser Ausscheidungskämpfe bestreiten dann eine Endrunde im K.o.-System.

Sophia Eifler will mit ihrem Team in die nationalen Titelkämpfe

Vor zwei Jahren schied Sophia Eifler mit den „Great Danes“ in ihrer Gruppe „America East“ in den Play-offs aus, im Jahr darauf lief es besser: Die Mädels wurden Play-off-Sieger, in der Hauptrunde war dann aber früh Endstation. „Leider war ich da wegen eines Kreuzbandrisses in der entscheidenden Phase nur Zuschauer“, bedauert Eifler. Mittlerweile ist die schwere Verletzung aber auskuriert und die 21-Jährige blickt wieder hoffnungsvoll in die Fußball-Zukunft: „Unser Ziel in der neuen Saison ist der Sieg in den Play-offs und in der Hauptrunde mehr als den ersten Durchgang zu überstehen.“

Sophia Eifler feierte 2018 mit ihrem Team den Titel in der Ost-Division.
Bild: Instagram.com/sophiaeifler

Dass die leidenschaftliche Fußballerin, die sich auf den zentralen Positionen im Mittelfeld am wohlsten fühlt, nach ihrer Zwangspause mittlerweile wieder den alten Leistungsstand erreicht hat, zeigten die Einsätze der Heimaturlauberin im Trikot der DJK Breitenthal beim Saisonfinale der Bezirksliga Süd. Hier machte sie sowohl im Sturm als auch im Mittelfeld und sogar als Notnagel im Tor eine gute Figur. Außerdem erzielte sie in zwei Spielen zwei Tore.

Kicken in der Bundesliga? Warum nicht?

Die Saison ist nun auch hierzulande vorbei. Es ist also Zeit genug, die Weltmeisterschaft der Frauen zu verfolgen. Sophia Eifler will sich so viele Spiele wie möglich im Fernsehen anschauen. Heute Abend steht das zweite Gruppenspiel der Deutschen gegen Spanien an. Einmal selbst Nationalspielerin wie ihr Idol Sara Däbritz vom FC Bayern München zu sein, davon wagt sie nicht zu träumen. „Aber einmal höherklassig zu spielen, etwa in der ersten oder zweiten Liga, das schwebt mir schon vor“, verrät sie.

Das müsse sich nicht unbedingt nur auf Deutschland beschränken, sondern könne auch in einem anderen europäischen Land sein, etwa Frankreich oder Italien, betont die Deisenhauserin. Vielleicht bringt sie ja eines Tages einer der amerikanischen „Agenten“ der Unis ins Spiel, deren Dienste auch beinhalten, gute College-Fußballerinnen an Vereinsmannschaften zu vermitteln. Und das nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa.

Bis Anfang August hat Sophia Eifler dank der Semesterferien noch Gelegenheit, Heimatluft zu schnuppern. Dann geht es aber wieder über den großen Teich in jenes Land, wo Fußball die beliebteste Sportart der Frauen ist.

Mehr zu Sophia Eiflers USA-Erlebnissen lesen Sie hier: Mit dem Flugzeug zum Auswärtsspiel

Mit dem Lieblingssport in die USA

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