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Porträt

02.12.2014

Der Meister und sein Werk

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2 Bilder
Josef Maier in seiner Werkstatt beim Bau seines Meisterstückes.
Bild: Sammlung Maier

Josef Maier wagte mit 38 Jahren den Sprung auf die Meisterschule.

Ziemetshausen - Es duftet intensiv nach Holz. Fast erwartet man in der hellen Diele den rothaarigen Pumuckl um die Ecke linsen zu sehen. Es ist aber nur Theresa, die zehnjährige Tochter des Hausherrn. Der heißt auch nicht Meister Eder sondern Josef Maier und sieht schlank, hoch gewachsen und mit jugendlich vollem Haarschopf, dem Gustl Bayrhammer nicht im Geringsten ähnlich. Mit der Filmfigur gemeinsam hat Josef Maier lediglich den Beruf des Schreiners und seit kurzem auch den Titel des Schreinermeisters. Das Meisterstück, das Möbel also, das Josef Maier extra für die Meisterprüfung ersonnen, entworfen und in wochenlanger Arbeit gebaut hat, steht in der Mitte des Wohnraums in den der Hausherr nun bittet. Ein Stehpult-schlichte Form, helles Holz, mehr ist für den Laien auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Dass die Tischbeine keine schnöde rechteckige Form haben, sondern aufwändig rautenförmig gearbeitet sind und sich noch dazu nach unten hin verjüngen, bemerkt der Betrachter erst nach einem Hinweis des Fachmanns. Ebenso die Tatsache, dass am Möbel selbst, außer den angeschraubten Beschlägen, jedes Holzteil mit dem anderen durch Zapfen formschlüssig verbunden ist, eine hochwertige Handwerkstechnik, die dem fabrikmöbelgeschädigten Laien völlig fremd ist. Wie eigentlich überhaupt der Begriff „Stehpult“ auf den ersten Blick fremd und etwas altertümlich anmutet. Hat nicht zuletzt der alte Geheimrat Goethe am Stehpult noch weltbewegendes geschrieben? Seither scheint das Möbel mehr zu einem Notizzettelhalter für Politikerreden zu verkommen. Gedacht, gezeichnet, geschrieben wird an einem Stehpult heute eher selten. Genau das war aber die Absicht von Josef Maier. „Als ich mich mit 38 Jahren entschloss, noch auf die Meisterschule zu gehen“, erzählt der vierfache Familienvater, „hatte ich schon etwas Sorge, wie ich einen langen Schultag sitzend überstehen sollte. Ein Stehpult für´s Lernen zuhause schien mir bereits damals die optimale Lösung zu sein.“ Die optimale Lösung für einen, dem man schon zur Erstkommunion „mit einem Hammer und einem Beutel Nägel“ die größte Freude machen konnte, der bereits mit 15 Jahren die Schule abschloss, den Beruf des Schreiners erlernte und es seither gewohnt war, mit den Händen zu arbeiten und immerzu in Bewegung zu sein. Stundenlanges Sitzen – eine grausame Vorstellung. Ähnlich unangenehm war für ihn jedoch die Aussicht, dass, nach nunmehr 23 Berufsjahren, sein Leben weiter in diesen vorgegebenen Bahnen verlaufen sollte. Es musste etwas geschehen. Nach eingehenden Beratungen mit Ehefrau Regina stand der Entschluss: Meisterschule. „Nachdem wir besprochen hatten, ob und wie es überhaupt zu machen wäre, und nachdem ich auch die Bedenken bezüglich meines Alters beiseite schieben konnte“, erzählt Josef Maier, „hab ich gleich am nächsten Tag bei der Handwerkskammer angerufen und mich für den nächstmöglichen Meisterlehrgang angemeldet.“ Im Januar 2013 war es soweit. Nach dem allgemeintheoretischen Teil, wo Handwerkern aus allen Berufen die betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und kaufmännischen Grundlagen für eine selbstständige Unternehmensführung nahe gebracht werden, folgte der fachtheoretische Teil speziell für Schreiner. „Und beides“, begeistert sich Josef Maier noch jetzt, „war wirklich interessant und spannend. Wir hatten einen super Dozenten für Mathematik, das hat sogar richtig Spaß gemacht. Meine Befürchtungen bezüglich des langen Sitzens haben sich regelrecht in Luft aufgelöst.“ Ein bisschen wie im Film „Die Feuerzangenbowle“ habe er sich gefühlt, so spät noch einmal die Schulbank zu drücken. Sogar Klassensprecher sei er geworden, als seitens der Jüngeren erstmal die Hemmschwelle wegen des Altersunterschiedes weggefallen war. Sein Alter empfand Josef Maier in manchen Bereichen sogar als Vorteil. „Ich glaube, dass mir meine langjährige Erfahrung und meine Liebe zum Beruf oft mehr geholfen hat als manchem Jüngeren seine Computerkenntnisse oder seine größere zeitliche Nähe zur Berufsschule“, erzählt er und meint damit auch eine geforderte Arbeitsprobe in einer fremden Werkstatt mit einem Prüfer an der Seite. „Da gab es schon Situationen wo einer vor lauter Nervosität sein Arbeitsstück hingeschmissen hat. Da konnte ich ganz entspannt bleiben und mir denken, soll der Prüfer nur ganz genau hinschauen, vielleicht kann er ja noch was von mir lernen.“ Anders war es bei den intensiven Lernzeiten zuhause. Während die Jüngeren, meist noch ohne eigene Familie, frei über ihre Zeit verfügen konnten, warteten bei Josef Maier Josef junior (12), Theresa (10), Luisa (8) und die vierjährige Annalena darauf, dass der Papa mal wieder Zeit für sie hatte. Doch da konnte er sich ganz auf die Unterstützung von Ehefrau Regina verlassen. Immer wieder packte sie mit den Worten „wir lassen den Papa jetzt lernen“, die quirlige Rasselbande ins Auto und fuhr allein mit ihnen zu Familienfesten oder Großelternbesuchen. Seine Mitarbeit im Heimatverein und die Proben mit der Musikvereinigung Ziemetshausen ruhten fast während der ganzen Ausbildungszeit. Dass es am Ende zum Jahrgangsbesten der Handwerkskammer Schwaben reichte, kam für den mittlerweile 40-jährigen allerdings selbst überraschend. Bei einem feierlichen Festakt durfte er nicht nur den Meisterbrief sondern auch den Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung entgegennehmen. Alle Wege stehen dem frischgebackenen Meister jetzt offen. Er könne, sinniert er, natürlich als Schreinermeister in einem Betrieb anfangen. Sogar der Weg in ein Studium stünde Josef Maier mit dem Meisterbrief jetzt offen. Das wäre aber, überlegt er, vielleicht erst später, wenn die Kinder größer sind interessant. Vielleicht käme auch eine eigene Werkstatt als selbstständiger Unternehmer in Betracht. Und ein rotschopfiger Klabauter wie der Pumuckl stellt sich bei dem leidenschaftlichen Holzwerker bestimmt bald gerne in der Werkstatt ein. ()

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