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03.03.2009

Der Weg zum Kirchturm: Er war sehr lang

Obergessertshausen Zu einer Pfarrkirche gehört ein Turm, davon war man in Obergessertshausen überzeugt. Ein Kirchturm bietet die Möglichkeit mehrere Glocken zu läuten und nicht nur ein Sterbeglöcklein. Außerdem kann die Turmuhr von allen gesehen werden. Als man in Obergessertshausen 1695 eine neue Kirche bauen wollte, war der einhellige Wunsch, statt des bisherigen Dachreitertürmchens einen stattlichen Turm zu bauen. Der Baumeister Thomas Natter aus Mindelheim machte einen Entwurf, aber er kam nicht zur Ausführung.

Nicht glücklich

30 Jahre später kam es zum Neubau des Langhauses mit einem Dachreiterturm. Glücklich war man in Obergessertshausen mit der Lösung nicht. 1741 wurde wieder ein Kirchturm geplant und wieder kam es nicht zur Ausführung. Als der Baumeister Johann Georg Hitzelberger aus Ziemetshausen vom Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein, dem Patronatsherrn von Obergessertshausen, beauftragt wurde, den Chor der Kirche neu zu bauen, zeigen die Entwürfe von 1769 einen 40 Meter hohen Turm, der sich an den Chorraum anschließen sollte.

Neubau 1775

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1775 kam es zum Neubau des Chorraumes, aber den Bau eines Turmes sparte man ein. Dachreitertürme haben Kapellen wie die St. Leonhardskapelle in Balzhausen, Dachreitertürme haben die Kirchen der Zisterzienser und vor allem der Bettelorden, aber eine Pfarrkirche ohne Kirchturm verlangt schon sehr viel Demut von den Pfarrangehörigen. Schnell wird einer Pfarrgemeinde mangelnde Spendenbereitschaft und eine zu geringe Liebe zu ihrer Heimatkirche unterstellt.

Mochte der Fürst auch sparen, weil er nicht nur Patronatsrechte in zahlreichen Pfarreien vor allem im Ries hatte, sondern auch Patronatspflichten wie die Baulast von Pfarrkirchen und Pfarrhäusern, aber eine ganze Pfarrei würde doch auch ohne den Fürsten die Mittel für einen ansehnlichen Turm zusammenbringen. Allerdings besteht dann vielleicht die Gefahr, dass der Fürst sich gleich ganz von der Baulast für die Kirche zu befreien sucht. Das wollte schon gut überlegt sein. Man hat in Obergessertshausen lange überlegt, bis man schließlich im Jahre 1902 endlich den lang ersehnten Kirchturm gebaut hat.

Neubarocker Turm

Im Archiv des Fürsten von Oettingen-Wallerstein wären die Pläne vom Baumeister Thomas Natter aus dem Jahr 1695 vorhanden gewesen und auch die Turmpläne des fürstlichen Hofbaumeisters Johann Georg Hitzelberger von 1769, aber darauf griff man ebenso wenig zurück wie auf die Pläne von 1741. Es wurde der Amtstechniker Schnitzler aus Hürben beauftragt, einen neubarocken Kirchturm zu bauen. Wie ein großer Bruder erhebt er sich neben dem barocken Dachreiter.

Die beiden Zwiebeltürme der Pfarrkirche St. Peter und Paul geben dem Gotteshaus ein besonderes Gepräge. Es hat zwar lange gedauert, bis man in Obergessertshausen zu einem Kirchturm gekommen ist, aber das Ergebnis des langen Wartens hat sich gelohnt.

Welche Pfarrkirche im Landkreis verfügt schon über zwei Türme, die so ungleich sind wie die beiden Patrone der Kirche, Petrus und Paulus.

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