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Landkreis Günzburg

19.02.2019

Deshalb kommen Zugvögel früher in den Landkreis zurück

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Im Herbst ziehen Stare in gewaltigen Schwärmen über den Himmel. Ihre Rückkehr aus den Winterquartieren ist oft weniger gut zu beobachten, denn die Tiere kommen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurück.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Archiv)

Plus Viele Vogelarten kehren früher aus ihrem Winterquartier zurück. Ein Experte erklärt die Gründe und erzählt, warum einige Vögel auch im Winter bei uns bleiben.

Wer zu früher Morgenstunde die Ohren spitzt, kann es bereits hören: Vogelgezwitscher, das den Tag einläutet. Einige der Tiere sind bereits aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt, andere lassen noch auf sich warten. Wieder andere haben uns den Winter über nicht verlassen. Eine allgemeine Tendenz zeigt sich jedoch – die Vögel kehren wieder früher zu uns zurück. Der Vorsitzende der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, Stefan Böhm, beobachtet dieses Phänomen seit Jahren: „Viele Arten kommen im Schnitt zwei bis drei Wochen früher zurück, als es vor rund 30 Jahren noch üblich war.“

Auslöser dafür sei der Klimawandel – welche Zusammenhänge genau bestehen, wird laut Böhm derzeit erforscht. Als feste Erkenntnis gilt, dass das Zugverhalten der Vögel in deren Genetik veranlagt ist. „Eigentlich denkt man, dass Veränderungen in der Evolution mindestens mehrere Jahrhunderte lang dauern. Bei Vögeln kann das aber viel schneller gehen.“ Innerhalb von wenigen Jahren könne es zu genetischen Veränderungen kommen. Das wird dann etwa daran sichtbar, wann Zugvögel zu uns zurückkommen – mit einigen Schwalbenarten etwa könne man inzwischen sicher früher rechnen.

Störche fliegen oft nicht mehr bis nach Afrika

Nicht alle Störche wandern in ihr Winterquartier nach Afrika – einige der Tiere überwintern in Deutschland.
Bild: Ulla Gutmann (Archiv)

Einer der Gründe dafür ist, dass sich Vögel andere Gebiete zum überwintern suchen. „Vögel, die eigentlich bis nach Südafrika fliegen, ziehen inzwischen manchmal nur noch bis zum Mittelmeer.“ Das treffe laut Böhm auf den Storch zu – einige davon verbringen den Winter in Südspanien und kehren daher früher zu uns zurück. „Eigentlich ist das ganz banal. Die Vögel bleiben einfach da, wo sie etwas zu fressen finden“, sagt Böhm. Der Vogelexperte geht davon aus, dass in Zukunft mehr Vögel den Winter in Deutschland verbringen werden: „Auf lange Sicht werden immer mehr eigentliche Zugvogelarten zu Standvögeln werden.“

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Diese Entwicklung zeigt sich bereits bei Störchen. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) teilte mit, dass mehr als 250 Weißstorchenpaare ihren Winter in Bayern verbracht haben. Im Kreis Günzburg überwinterten rund 25 Brutpaare. Wie Böhm erklärt, haben die Vögel, die an ihrem Standort bleiben, einen Vorteil gegenüber Zugvögeln. Denn diejenigen, die standorttreu bleiben, können sich die besten Brutplätze sichern. „Einige Störche sitzen bei uns schon um den 20. März auf ihren Eiern. Wenn dann ein abgemagerter Storch aus Afrika ankommt, hat er bei einem Kampf um ein Nest keine Chance“, erklärt Böhm.

Ausführliche Infos zum Storchenprogramm des Landkreises Günzburg finden Sie hier:

Eine Wohlfühloase für Störche

Der Kuckuck hat ein besonderes Problem

Einen Sonderfall stellt den Kuckuck dar. Dieser Vogel schmuggelt seine Eier in die Nester anderer Vögel. Das funktioniert allerdings nur, wenn dort bereits Eier liegen. Wenn der Vogel, dem das Ei untergeschoben werden soll, seinen eigenen Nachwuchs bereits ausgebrütet hat, dann hat der Kuckuck das Nachsehen. „Der Kuckuck ist ein Langstreckenflieger und überwintert in Südafrika. Solche Vögel halten eher an ihren ursprünglichen Zug-Zeiten fest“, sagt Böhm. Aktuell sei das noch kein großes Problem für den Kuckuck – der Vogelexperte glaubt vielmehr, dass sich auch dieses Tier an die veränderte Situation anpassen wird.

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