1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Die Feuerwehr im Landkreis ist fit für den Einsatz

Landkreis Günzburg

19.12.2018

Die Feuerwehr im Landkreis ist fit für den Einsatz

Jeder Feuerwehrler im Kreis Günzburg, der bei Einsätzen einen Atemschutz trägt, muss sich jährlich einer Übungsstrecke in Krumbach stellen. Krumbachs Atemschutzverantwortlicher Johannes Maucher zeigt, wie man sich durch die engen Korridore bewegt. Bei einer echten Übung liegt die Strecke fast in kompletter Dunkelheit.
Bild: Christian Gall

Feuerwehrleute müssen sich schwersten körperlichen Anforderungen stellen. Wie sie trainieren und welche Probleme es im Landkreis gibt.

Landkreis Es sind Szenen wie aus einem Actionfilm. Rauch wabert über den Boden, Licht blitzt in der Dunkelheit und über allem liegt ohrenbetäubender Lärm, wenn sich die Lebensretter ihren Weg durch enge Korridore bahnen. Die Szene spielt aber nicht in einem Filmstudio, auch nicht während eines lebensgefährlichen Einsatzes, sondern im Gerätehaus der Krumbacher Feuerwehr. Dort befindet sich eine Übungsstrecke, in der Retter aus dem ganzen Landkreis unter möglichst realistischen Bedingungen trainieren.

„Sieht ein bisschen so aus wie ein Affenkäfig“, beschreibt der Kommandant der Krumbacher Feuerwehr, Mathias Vogel, die Teststrecke nüchtern. Bei normaler Beleuchtung trifft die Beschreibung zu: ein großer Gitterkäfig, unterteilt in mehrere Sektionen. Darin hängen Autoreifen von der Decke, Kriechröhren liegen am Boden. Durch diesen Parcours müssen sich alle Feuerwehrleute quälen, die bei Einsätzen einen Atemschutz tragen (Atemschutzträger).

Allein das Atemschutzgerät wiegt bis zu 18 Kilogramm

Diese Feuerwehrleute müssen mit großer körperlicher Anstrengung fertig werden. Bei Einsätzen schleppen sie ihren Atemschutz mit sich herum, der bis zu 18 Kilogramm schwer ist. Dazu kommt die restliche Ausrüstung – Schutzjacke, Lampe und mehr. Dann müssen sie mit Stress fertig werden, Hitze und schlechten Sichtbedingungen. Eine Herausforderung für den Körper. Damit sichergestellt ist, dass der mit der Belastung klar kommt, werden Atemschutzträger regelmäßig von einem Arzt durchgecheckt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Im Landkreis Günzburg gibt es zwei Feuerwehrärzte. Für das nördliche Gebiet übernimmt diese Aufgabe Helmut Schüller in Gundremmingen; im südlichen Landkreis Christian Nehmer in Neuburg. Letzterer untersucht seit etwa sechs Jahren Atemschutzträger im Landkreis. „Im Durchschnitt fallen 20 Prozent der Feuerwehrleute durch die erste Prüfung. Oft bringt das die nötige Motivation, dass derjenige dann trainiert und den Test beim nächsten Mal schafft“, sagt er. Bis zu einem Alter von 39 Jahren müssen die Atemschutzträger auf einem Ergometer eine Wattzahl bewältigen, die drei Watt pro Kilogramm Körpergewicht entspricht – und das zehn Minuten lang. Zur Untersuchung gehört außerdem ein Lungenfunktionstest und ein Belastungs-EKG. Atemschutzträger müssen diese Untersuchung alle drei Jahre machen – jeder über 50 Jahre sogar jährlich.

In Sachen Fitness gibt es bei den Feuerwehrleuten im Landkreis nichts auszusetzen, sagt der Kreisbrandrat Robert Spiller: „Unter den Leuten bei der Feuerwehr finden sich bisher immer genug, die den Anforderungen gerecht werden.“ Aus anderen Landkreisen sind andere Töne zu hören. Im Kreis Landsberg forderte eine Feuerwehr-Ärztin jüngst von den Einsatzkräften, besser auf ihre Fitness zu achten. Sie sprach dabei von einem „bedauernswerten, körperlichen Zustand“ von so manchem Feuerwehrkameraden.

Übungsstrecke mit Lichtorgel und Nebelmaschine

Das kann man nicht über Johannes Maucher sagen, dem Atemschutzverantwortlichen der Krumbacher Feuerwehr. Trotz seiner Größe von über 190 Zentimetern schwingt er sich scheinbar mühelos in die Teststrecke in Krumbach. Atemschutzträger müssen darin durch enge Korridore kriechen und Hindernissen ausweichen – den Autoreifen, die von der Decke hängen. Mitsamt ihrer Ausrüstung zwängen sie sich durch eine enge Röhre, die kaum mehr als einen halben Meter Breite misst. Damit die Übung möglichst nah an einen echten Einsatz herankommt, wird die Testkammer mithilfe einer Lichtorgel nur ungleichmäßig und mit blitzenden Lichtern beleuchtet. Nebelwerfer sorgen für dicke Luft, damit die Sicht beinahe gegen null geht. Laute Geräusche aus einer Lautsprecheranlage rauben zusätzlich die Orientierung. „Im Parcours kann man fast nur mit dem Tastsinn arbeiten“, sagt Kommandant Vogel.

Durch die Teststrecke müssen sich die Atemschutzträger einmal im Jahr quälen. Die Übung läuft so ab, dass zuerst eine Einheit an einem Fitnessgerät bewältigt werden muss, danach geht es in den „Affenkäfig“. Das wiederholt sich dann und endet mit einer weiteren Übung am Gerät. Überwacht wird das Ganze aus einem Beobachtungsraum, eine Infrarot- und eine Wärmebildkamera machen selbst die dunkle Übungsstrecke sichtbar. „Es kann vorkommen, dass jemand in der Enge Panik bekommt und die Übung abbricht“, sagt Vogel. In so einem Fall greift der Übungsleiter ein und kann eines der Gitterelemente an der Strecke binnen Sekunden entfernen, um den Übungsteilnehmer aus dem Käfig zu befreien.

Kreisbrandrat Spiller wünscht sich mehr Menschen in der Feuerwehr

Auch wenn in Sachen Fitness alles stimmt, ist Kreisbrandrat Spiller dennoch nicht wunschlos glücklich: „Wir haben im Landkreis etwa 4000 aktive Feuerwehrleute, davon 1000 Atemschutzträger. Das klingt nach viel, ist in einem Landkreis mit mehr als 120.000 Menschen aber knapp.“ Gleichzeitig müssen die Wehren immer häufiger ausrücken. „Jeder Mensch kann in die Lage kommen, dass er plötzlich auf die Feuerwehr angewiesen ist. Darum sollte sich auch jeder überlegen, ob er sich nicht einbringen sollte“, sagt Spiller. 

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Feuerwehr leistet Arbeit, die viele nicht sehen

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren