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Krumbach

14.10.2017

Die Fugger ins Licht gerückt

Unser Bild zeigt den wissenschaftlichen Leiter des Fuggerarchivs in Dillingen, Dr. Dietmar Schiersner, vor der Ausstellung „Ins Licht gerückt - Die Fugger in Mittelschwaben.“ In der Mitte eine Bierkiste der einstigen Fugger-Brauerein in Babenhausen.
Bild: Claudia Bader

Spannende Tour durch Fuggersche Bauwerke in Mittelschwaben. Warum der Einfluss der Fugger für die Region so bedeutend ist.

Im Saal des Mittelschwäbischen Heimatmuseums kann man derzeit mit wenigen Schritten eine spannende Tour durch Mittelschwaben unternehmen. Beginnend beim Illerraum im westlichen Bereich bis zum Lech im Osten entdeckt man an 20 Stelen markante Bauwerke, die direkt oder indirekt mit den Fuggern zu tun haben. Sie bilden die Ausstellung „Ins Licht gerückt – Die Fugger in Mittelschwaben.“ Bei Eröffnung beleuchtete der wissenschaftliche Leiter des Fuggerarchivs Dillingen, Professor Dr. Dietmar Schiersner, aber auch das Thema „Nicht nur Babenhausen und Kirchheim. Die Schlösser der Fugger in Schwaben.“

Im Jahr 1367 habe sich Hans Fugger in seinem Heimatort Graben auf den Weg gemacht, um sich in Augsburg niederzulassen, informierte Museumsleiterin Anita Roth. Genau 650 Jahre später hat sie dieses geschichtliche Ereignis zum Anlass genommen, zahlreiche Fuggersche Bauwerke in Mittelschwaben ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Unter insgesamt 200 Gebäuden hat sie 67 ausgewählt und diese dann nochmals auf 20 markante Bauten reduziert. Deren schönste Perspektiven haben Roth und ihre ehrenamtliche Mitarbeiterin Jeannine Siptrott im Laufe eines Jahres mit der Kamera eingefangen. Effektvoll platziert auf den je nach ihrem Standort in sechs bayerischen sowie zwei württembergischen Landkreisen farblich gestalteten Stelen sollen sie dem Betrachter ins Bewusstsein bringen, wie die Fugger bis heute das Bild Mittelschwabens prägen.

„Schlösser sind nicht nur Gebäude, die man im Winter schlecht heizen kann und in denen man weite Wege in Kauf nehmen muss“, verdeutlichte Professor Dietmar Schiersner in seinem Vortrag. Als „Mehrzweckhallen der Vergangenheit“ boten Schlösser einst adeligen Familien und deren Personal Wohnraum. Gleichzeitig brachten sie die Zugehörigkeit der Familie zur Elite zum Ausdruck und dienten so als monumentale Herrschaftszeichen. Nachdem Jakob Fugger der Reiche es geschafft hatte, materiellen Reichtum in Sozialprestige umzuwandeln, wurde sein Neffe Anton im 16. Jahrhundert in den Reichsgrafenstand erhoben. Laut Schiersner ließen sich am Schlossbau der Fugger zunächst schlichte Bauten und später Gebäude mit eigenen architektonischen Dimensionen erkennen.

Mit der Errichtung von Schloss Kirchheim, dessen Bau sich am herzoglichen Schloss Dachau orientiert, hätten die Fugger ein Signal selbstbewusster architektonisch verankerter Herrschaft gesetzt. Sowohl in Kirchheim als auch in Babenhausen wurde die Kirche in die Konzeption des Schlossbaus integriert, verdeutlichte der wissenschaftliche Leiter des Fuggerschen Archivs. „Die alte Kirche im neuen Schloss ist Confessio der Bauherren und eine Selbstverpflichtung, diesem Gotteshaus Raum und Schutz zu gewähren.“ Die Annahme, die Fugger würden auf das „Alters-Defizit“ ihrer Familie planmäßig mit dem anachronistischen Rückgriff auch architektonische Versatzstücke älterer Zeiten reagieren, treffe laut Schiersner nicht zu.

Beim anschließenden Rundgang entlang der Stelen konnten die Besucher die bereits vertrauten oder auch unbekannten Fuggerschen Bauten bewundern. Eine Sammlung mit Fuggerschen Münzen sowie eine Bierkiste aus der einstigen Fugger-Brauerei in Babenhausen komplettieren die Ausstellung, die von zarten Harfenklängen eröffnet wurde.

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