Newsticker

Söder warnt vor einer Lockerung der Corona-Regeln über Silvester
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Die Pandemie verändert ein Leben zwischen Krumbach und Thailand

Einblicke

20.11.2020

Die Pandemie verändert ein Leben zwischen Krumbach und Thailand

Anstatt unter der Sonne Thailands das Familienleben zu genießen, hängt Heinz Rohrhirsch im nasskalten schwäbischen November fest.
Bild: Gertrud Adlassnig

Vor der Pandemie war es für Heinz Rohrhirsch leicht, zwischen zwei Lebensmittelpunkten zu pendeln. Was Corona für den 68-Jährigen und seine Familie bedeutet

Die Pandemie trifft Menschen in unterschiedlichsten Situationen, mit den verschiedensten Konsequenzen. Da sind zum einen die Personen, deren Existenz durch einschränkende Maßnahmen in Gefahr geraten, und da sind auch solche, die an der Gestaltung ihres Lebens ohne Vorwarnung gehindert werden. Menschen einer Gesellschaft, die die Globalisierung schon längst als gelebte Selbstverständlichkeit erfährt, werden durch die staatlichen Versuche, die Seuche einzudämmen, mit einem Mal vor kaum zu überwindende Hürden gestellt. Heinz Rohrhirsch gehört zu dem Personenkreis, der auf eine ganz individuelle Weise von der Pandemie betroffen ist.

Den Lebensmittelpunkt nach Thailand verlegt

Im Ruhestand, erzählt der 68-Jährige, habe er sich entschieden, in Thailand zu überwintern. Vor vier Jahren lernte er dort seine heutige Lebenspartnerin kennen und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Thailand. Seither kam er mit seiner neuen Familie nur noch für ein Vierteljahr im Sommer nach Krumbach, auch um seinen Vater zu besuchen. „Als seine Lebensgefährtin im Januar in ein Pflegeheim musste und mein Vater allein zurückblieb, hat sich sein Zustand verschlechtert. Er ist 96 und die Einsamkeit machte ihn depressiv. Meine Partnerin drängte mich deshalb, schon im Frühling nach Krumbach zu gehen und mich um ihn zu kümmern. Meine Partnerin, die einen schulpflichtigen Sohn hat, konnte nicht mitkommen. Als ich im März nach Krumbach kam, begannen gerade die Einschränkungen wegen Corona. Da war es doppelt schwer, eine dauerhafte Lösung für meinen Vater zu finden, aber schließlich konnte ich mit meiner Schwester einen Heimplatz finden, ganz in der Nähe des Wohnorts meiner Schwester.“ Doch die Abwicklung aller Aufgaben, die mit dem Umzug ins Heim erledigt werden musste, zog sich hin.

Da Heinz Rohrhirsch nicht verheiratet ist, hat er lediglich eine beschränkte Aufenthaltsgenehmigung für Thailand, die er regelmäßig verlängern lassen muss. Während seines Aufenthalts in Krumbach, lief dieses Visum ab. Im Normalfall ist das kein Problem, man beantragt beim Generalkonsulat eine Verlängerung. Jetzt müsste sich Heinz Rohrhirsch ein neues Visum ausstellen lassen. Aber während er sich in Deutschland um seinen Vater kümmerte, hat die Pandemie die Welt verändert. Was bislang eine Kleinigkeit war, wurde zum unüberwindlichen Hindernis, denn über Monate hinweg war Thailand für „normale“ Menschen gesperrt. Ein Visum konnten nur privilegierte Personen beantragen. Das ist Rohrhirsch aber nicht, da er nicht verheiratet ist. Und weil seine Partnerin mit dem zehnjährigen Sohn in Thailand gebunden ist, konnte auch sie nicht zu ihm nach Deutschland kommen.

„So kann ich wenigstens normal leben“

Seit fast einem dreiviertel Jahr sitzt Rohrhirsch jetzt in Deutschland fest.

„Gott sei Dank habe ich mein Haus behalten und auch nicht vermietet, so kann ich wenigstens normal leben. Aber es ist lähmend, hier zu sein und nichts tun zu können. Bevor ich meinen Lebensmittelpunkt nach Thailand verlegt habe, habe ich mich bei der Tafel engagiert. Ich würde gerne dort wieder helfen oder auch einen kleinen Job annehmen, um noch aktiv zu sein, aber ich sitze hier auf Abruf, und da bin ich weder für eine Hilfsorganisation noch für ein Unternehmen zu gebrauchen“, sagt er.

So untätig hinzuwarten sei nicht sein Ding. Seit dem 1. Oktober, erklärt er, gebe es auf dem Papier auch für ihn wieder die Möglichkeit, eine Einreisegenehmigung und ein Langzeitvisum im Generalkonsulat in München zu beantragen, aber im wirklichen Leben sieht es anders aus. „Ich rufe täglich an, bekomme aber keine Verbindung, nur eine Bandansage. Auch auf meine Mails erhalte ich keine Reaktion.“

Heinz Rohrhirsch hofft trotzdem, dass sich in absehbarer Zeit die Situation entspannt. Sobald er dann einen Termin im Konsulat bekommen hat, läuft der Countdown. Dann muss er alle Vorbereitungen treffen, um die Bedingungen der Einreise zu erfüllen. „Jeder der einreisen will, muss beim Antrag auf das Visum ein gültiges Flugticket und den fest gebuchten Aufenthalt in einer offiziellen Corona-Quarantänestation nachweisen.“

Doch Heinz Rohrhirsch ist willig, alle Hürden zu nehmen, um zurück in sein Sehnsuchtsland und zu seiner Familie zu kommen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren