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Thannhausen

22.10.2017

Die Temperatur steigt

Seit Beginn der systematischen Messungen 1880 ist die durchschnittliche Temperatur auf der Erde um mehr als ein Grad angestiegen. Verfechter des vom Menschen gemachten Klimawandels sehen die Ursache im Kohlendioxidausstoß, Skeptiker halten den Anstieg für eine natürliche Schwankung. (Symbolbild)
Bild: Patrick Pleul, dpa

Der Meteorologe Max Miller glaubt nicht an einen vom Menschen verursachten Klimawandel. Sein Beispiel zeigt, wie verhärtet die Fronten zwischen Skeptikern und Befürwortern sind.

Als der US-Präsident Donald Trump im Juni den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verkündete, zeigten sich hierzulande große Teile der Politik, Gesellschaft und Wissenschaft entsetzt. Doch es gibt auch Menschen, die sich über diesen Schritt freuten.

Max Miller und Martin Paesler gehören dazu. Miller ist diplomierter Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, lebt in Thannhausen, nimmt beruflich regelmäßig an Expeditionen des Forschungsschiffs „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts als Wetterbeobachter teil und prognostiziert das Flugwetter für den Hubschrauber an Bord des Schiffes. Paesler, sein Freund, arbeitete als Flugmeteorologe und verfasste für die Süddeutsche Zeitung von 1979 bis zum Ruhestand im Jahr 2009 klimatologische Monatsrückblicke für die Stadt München.

Der Klimawandel als Geschäftsmodell?

Die beiden zweifeln nicht daran, dass sich das Klima auf der Erde wandelt. „Klima bedeutet Wandel, kein Mensch bestreitet den Klimawandel“, sagt Miller. Immer schon habe es klimatische Schwankungen in der Erdgeschichte gegeben. Einen vom Menschen verursachten Klimawandel halten die beiden jedoch für ein Hirngespinst. So verweist Miller auf die Mittelalterliche Warmzeit zwischen den Jahren 950 und 1250, ein Phänomen, dass sich neueren Forschungen zufolge auf die Nordhalbkugel beschränkte.

Für Paesler und Miller nimmt die öffentliche Debatte über den vom Mensch verursachten Klimawandel inzwischen quasireligiöse Züge an. „Das ist ein Geschäftsmodell derjenigen, die von einem menschengemachten Klimawandel profitieren“, ist Paesler überzeugt. Er glaubt, Fördergelder und Regierungszuschüsse erhielten nur noch Wissenschaftler, die mit dem Strom schwimmen und sich wissenschaftlich mit dem vom Menschen gemachten Klimawandel beschäftigten.

Dass eine Verschwörung von solch großem Ausmaß wohl kaum geheim bleiben könnte, hält er nicht für ein stichhaltiges Gegenargument. Immerhin gebe es auch unabhängige Wissenschaftler, deren Forschungsergebnisse einen entsprechenden Einfluss des Menschen nicht erkennen. Sie würden in der Öffentlichkeit allerdings diskreditiert. Paesler und Miller glauben, dass die Aktivität der Sonne für den Klimawandel ausschlaggebend ist und nicht der Anstieg des Treibhausgases Kohlendioxid. „Der CO²-Gehalt auf der Erde nimmt zu, aber die Erwärmung der Erde stagniert“, sagt Miller.

Kritik: Forschungsergebnisse sind nur Rechenmodelle auf dem Computer

In der Tat war die Erwärmung der Luft um die Jahrtausendwende fast zum Stillstand gekommen. Das brachte vor allem Klimaforscher, die von einer konsequent voranschreitenden Erderwärmung ausgegangen waren, in Erklärungsnot. Doch der Blick auf die Zahlen der weltweiten Durchschnittstemperatur, wie sie etwa das NASA Goddard Institute for Space Studies präsentiert, zeigen einen Temperaturanstieg in den vergangenen hundert Jahren um rund ein Grad. 16 von den 17 wärmsten Jahren liegen im Zeitraum seit 2001. Alles ganz normal, findet Paesler. Seiner Ansicht nach steigt die globale Temperatur seit 1840, dem Höhepunkt einer Mini-Eiszeit, der Wendepunkt wäre jetzt erreicht.

Dass die Sonne, speziell die zyklisch variierende Zahl der Sonnenflecken Einfluss auf die natürlichen Klimaschwankungen auf der Erde hat, darüber ist sich die Forschung relativ einig. Uneinigkeit herrscht darüber, wie groß dieser Einfluss ist. Miller zufolge wird die Forschungsdebatte zu einseitig geführt. „Die wissenschaftliche These lebt von Rede und Gegenrede.“ Das, was die Verfechter eines menschengemachten Klimawandels als Forschungsergebnisse präsentierten, seien nur Computerrechnungen, „darunter ist kein einziger Beweis. In allen Berichten sind nur Annahmen drin“, sagt Miller. Er sehe nicht ein, sich das Denken verbieten zu lassen und sich einem Dogma zu unterwerfen.

Miller: „Umweltschutz ist gut, Klimaschutz ist Käse“

Was Miller stört, ist, dass jede scheinbare Anormalität in den Wetterphänomenen, seien es schwere Wirbelstürme, Waldbrände oder besonders warme und trockene Sommer, als Beleg für den Klimawandel herhalten muss. In der Tat ist es problematisch und in der Klimaforschung höchst umstritten, extremes Wetter als Beweis für klimatische Veränderungen heranzuziehen. Wofür der Mensch verantwortlich zu machen sei, ist in Millers Augen, dass die Auswirkungen natürlicher Klimaschwankungen zur Katastrophe werden, etwa indem immer mehr Flächen versiegelt werden und abfließende Wassermassen nicht mehr zurückhalten können. „Der Mensch wandelt die Umwelt in einer Weise, die dem natürlichen Klimawandel nicht standhält“, sagt Miller und folgert daraus: „Umweltschutz ist gut, Klimaschutz ist Käse.“

Als quasireligiös kann aber auch der Eifer, mit dem Miller und Paesler gegen die Verfechter eines vom Menschen verursachten Klimwandels vorgehen, bezeichnet werden. Als „Wetterpapst“ betreibt Paesler das Internet-Blog „Der Klimarealist“, wo er dem eigenen Anspruch nach „die nackte Wahrheit über den Klimaschwindel“ verbreitet, vornehmlich in Form von Leserbriefen. Dass diese Texte meist nicht veröffentlicht wurden, scheint ihn eher zu bestätigen als zu mäßigen. Hier drischt er in teils polemischem Tonfall auf seine Gegner ein.

Den Direktor und Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, bezeichnet er schlichtweg als „Laien“, der „als theoretischer Physiker nicht all zu viel Ahnung von Meteorologie oder gar Klimatologie hat“. „Bedauerlich ist die Einseitigkeit, störend die anmaßenden, persönlichen Angriffe, unerträglich das wahnhafte Niedermachen des ’Gegners’“, beklagt ein anonymer Kommentator auf der Seite.

Bei aller Unklarheit wird hier eines sehr deutlich: Das Klima zwischen denen, die dem Menschen eine tragende Rolle beim Klimawandel zuschreiben, und denen, die das bezweifeln, ist ziemlich vergiftet.

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