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Krumbach

31.07.2018

Die Welt zu Gast in Krumbach

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2 Bilder
Sie haben ihr Werk signiert: Die elf jungen Leute, die über ein internationales Arbeitsprojekt nach Krumbach gekommen sind, haben ihre Namen auf der Betonwand am Grillplatz hinterlassen.
Bild: Gertrud Adlassnig

Wie ein neuer Grillplatz für das Jugendzentrum und zahlreiche neue Freundschaften entstanden. Finale eines besonderen internationalen Projekts.

Die Welt war zu Gast in Krumbach. Zwei Wochen lang haben sich junge Menschen aus der ganzen Welt bei einem Jugendprojekt in Krumbach engagiert. Die Gäste, Studenten und Hochschüler, hinterließen ein großartiges Gastgeschenk, das von den Krumbachern mit großzügiger Gastfreundschaft beantwortet wurde.

Elf junge Erwachsene lebten zwei Wochen im Jugendzentrum (JuZe) an der Hans Lingl-Straße und arbeiteten dort unentgeltlich. Als sie ankamen, befand sich hinter dem JuZe eine „Wüstenei“, aus der drei Treppenanlagen herausragten, drei Terrassen übereinander waren erkennbar. Das Areal um das 2008 errichtete JuZe war schon vor Längerem überplant worden, um auch im Außenbereich jugendkonforme Freizeitangebote machen zu können.

Direkt im Norden des Gebäudes sollte ein öffentlicher Grillplatz entstehen. Eine aufwendige und teure Angelegenheit im Hangbereich. Doch mit der Möglichkeit, den Bau als Projektarbeit über die Organisation für Jugendaustausch IBG „Internationale Begegnung in Gemeinschaftsdiensten“ anzubieten, war die Realisierung plötzlich machbar. Der Stadtrat stimmte dem Projekt zu, Jugendpflegerin Birgit Baumann übernahm die organisatorischen Arbeiten, die Landschaftsarchitektin Melanie König erarbeitete den Detailplan.

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Die Mitglieder des JuZe kümmerten sich um die Gäste aus aller Herren Länder. Auch die Stadt brachte sich ein: Mit der fachlichen und maschinellen Unterstützung des Bauhofs konnte das Mammutprojekt in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit realisiert werden.

Birgit Baumann dokumentierte die Fortschritte und hat an der Wand neben dem JuZe-Eingang die Chronologie der Grillplatzentstehung in Bildern festgehalten. Da mussten tagelang Gabbionen mit großen Kalksteinen befüllt werden, um die Terrassen abzustützen, dann die Erde auf den entstandenen Flächen ausbringen und ansäen; an den Rändern wurden Sitzbänke aufgestellt. Auf der untersten Ebene entstand schließlich der Grillplatz, umgeben von einem Rund aus Sitzgelegenheiten, die zum gemeinsamen Grillen, Essen, Feiern einladen. Campleiter Roberto aus Portugal schwärmt von dem Projekt und den beiden Wochen in Krumbach. Er kennt sich aus, hat bereits zum vierten Mal an einem solchen unbezahlten Ferienarbeitscamp teilgenommen. Doch hier sei einiges anders gewesen. Da war zum einen die großartige Gastfreundschaft: Die jungen Freiwilligen durften sich im benachbarten Fitnesspark duschen, da das JuZe kein Bad hat. Lingl sponserte das Mittagessen, eröffnete mittags das Casino für die internationale Truppe, Metzger Diem und Kaiserbeck schickten Lebensmittel für Brotzeiten und das abendliche Gemeinschaftskochen. Der stattliche Ginkobaum auf der Anlage wurde von den Helfern gepflanzt und von der Leitbildgruppe Natur und Umwelt gestiftet, erklärt Birgit Baumann, die sich auch über die finanzielle Unterstützung der Sparkassen freut.

Aber auch Privatleute engagierten sich: „So viele leckere Sachen, auch Kuchen und Obst, die Bürger brachten, haben wir noch nie bekommen“, freut sich der angehende Musikpädagoge Roberto über die Großzügigkeit der Krumbacher. An ihrem letzte Tag schauen die elf jungen Leute, die sich fast alle erst in Krumbach kennengelernt haben, stolz auf das, was sie zustande gebracht haben. „Das war ein wunderbares Projekt. Wie haben den Grillplatz fast komplett gebaut, das macht schon mehr Spaß als mit einer kleine Hacke Waldwege auslichten, auch wenn das natürlich auch gemacht werden muss,“ meint Roberto, der seine Campleiter-Kollegin Rosa aus Barcelona bei einem früheren Arbeitseinsatz in Deutschland kennengelernt hat.

Ihnen oblag die Binnenleitung der Gruppe, die aus vier jungen Frauen und sieben Männern bestand. Die Anreise nach Krumbach und die Rückkehr müssen sie aus eigener Tasche zahlen. Trotzdem sind sie aus der Türkei und der Ukraine, aus Mexiko und Serbien, aus Portugal und Spanien und auch aus Südkorea gekommen, um in Krumbach hinter dem JuZe einen Grillplatz zu errichten. Und natürlich auch, um sich in anderen Kulturen zu bewegen, fremde und doch gleichgesinnte Menschen aus aller Welt kennenzulernen. An den Abenden im JuZe gab es immer ein Nationenessen: Gerichte aus aller Welt dufteten durch den Aufenthalts- und Schlafraum der Gruppe. Zum Finale der Aktion wurde gefeiert. Auch Bürgermeister Hubert Fischer kam vorbei, um sich persönlich zu bedanken und den Teilnehmern ein Geschenk als Geste der Dankbarkeit und Anerkennung zu überreichen. Das sollte ins Reisegepäck passen, erklärt er die Auswahl: Es ist ein Memory mit Bildern von Krumbach, das die Gäste noch lange an die Stadt erinnern soll.

Nach dem offiziellen Teil wurden die jungen Leute wieder emsig. Am Nachmittag stieg ein großes Fest, alle brachten ihre heimatlichen Rezepte ein. Auch Lee Won Ho, der auf der Polizeiakademie in Südkorea studiert, und seine Landsmännin, die angehende Dentaltechnikerin Chloe Kim, die daheim nicht weit entfernt von einander leben und sich im Flugzeug nach Deutschland kennengelernt haben.

Chloe will weiter mit den neuen Freunden Kontakt halten. „Mit Whatsapp ist das heute ja Gott Lob kein Problem mehr.“ Und auch Lee Won, der zum zweiten Mal einen Arbeitscamp-Einsatz mitgemacht hat, wird sich immer gern an die Zeit in Krumbach erinnern: „Wir haben zusammen gearbeitet und gekocht, gefeiert und gepicknickt und sind Freunde geworden.“

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