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26.06.2009

Die große Liebe zur Knutschkugel

Krumbach Früher in der Schule zuckte der Rohrstock des Lehrers. Wer mit schwarzen Fingernägeln in den Unterricht kam, musste mit schmerzenden Tatzen rechnen. Heute würde Wilhelm Kielmann einen bösen Blick der Lehrerin ernten - ein Glück, dass der 45-jährige Krumbacher nicht mehr die Schulbank drückt. Denn meistens montags hat er schwarze Fingernägel - nach einem ausgedehnten Wochenende mit seiner Isetta. Seine Leidenschaft zur Knutschkugel, wie die dreirädrige BMW genannt wird, brachte ihm nun einen Preis.

Beim offenen Treffen "Retro Classics meets Barock" in Ludwigsburg wurde die rot-weiße Isetta 300 in der Kategorie Kleinwagen 1946 bis 1979 prämiert. Damit hatte Kielmann, der die kleine BMW in einem Pferdeanhänger zum Ludwigsburger Schlosspark gebracht hatte, überhaupt nicht gerechnet. Die kleine gelbgoldene Schleife prangt noch immer am Frontscheibenwischer - Kielmann ist stolz darauf. Er weiß, dass es bessere Mechaniker in der Branche gibt. Das gibt er auch offen zu. Was sie trotzdem alle verbindet - die Liebe zum Detail.

Sofort fährt der Krumbacher die Knutschkugel aus der Garage, hebt das Sitzbrett an, erklärt seitlich den Viertakter mit einem Zylinder, ein luftgekühlter Motorradmotor. Die Daten sprudeln aus dem selbstständigen Projektleiter im Bereich Mobilfunk und erneuerbare Energien nur so heraus. Sofort hat er auch die Originalprospekte zur Hand, die früher für die Isetta warben: "Freude haben, Kosten sparen, BMW Isetta fahren" - so texteten die Verkaufsstrategen 1955 für das Kleinstfahrzeug von BMW, das den damals stark schlingernden Konzern vor dem Untergang bewahren sollte. Ein Kapitel Wirtschaftsgeschichte - ohne die Isetta hätten die Motorenwerke nicht überlebt.

Mittlerweile ist die Knutschkugel ein Liebhabermodell. Und Kielmann liebt es, mit dem Dreirad schnell in die Altstadt zu fahren, um sich ein Eis zu holen. "Das ist wirklich praktisch: Sie braucht dreieinhalb Liter und ich bekomme jeden Parkplatz", sagt er. Überall wird er auf die niedliche BMW angesprochen. Und sofort kann er erzählen: Das Modell war nicht nur wegen seines günstigen Anschaffungspreises von rund 2500 Mark beliebt im Wirtschaftswunder-Deutschland, sondern es konnte auch mit dem damaligen Führerschein 4 gefahren werden.

Gekauft hat Kielmann seine Isetta übrigens in Essen, entdeckt über das Internet. Sofort fuhr er damals los - mit dem Geld in der Hosentasche. Längere Zeit hatte er auf die Isetta spekuliert. Auf BMW gekommen war er allerdings durch seinen Vater - der hatte nämlich eine V 8 besessen, die wegen ihrer geschwungenen Form auch "Barockengel" genannt wurde. Mittlerweile hat er sich das frühere Luxusauto selbst angeschafft: Ein Häufchen Schrott möchte der Laie meinen. Für Kielmann eine neue Leidenschaft, die lange währt. So wie seine Isetta, die er auch hin und wieder "Schlaglochsuchgerät" wegen des dürftigen Fahrkomforts infolge der Dreiradkonstruktion bezeichnet. Ob sie das gerne hört? "Sie wird ja liebevoll behandelt", sagt Kielmann und lacht, um wenig später einen Lumpen zu zücken, der der Knutschkugel zärtlich übers Blech fährt.

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