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Münsterhausen

15.12.2020

Diese Chancen bringt die Ortsumfahrung für Münsterhausen

Reger Verkehr herrschte bereits einen Tag nach der Freigabe auf der neuen Ortsumfahrung von Münsterhausen, während sich im Ort selbst eine spürbare Entlastung bemerkbar machte. Unser Bild zeigt die Trasse von der Feldwegbrücke aus in Richtung Süden.
Bild: Werner Glogger

Plus Seit Sonntag rollen die Autos über die neue Ortsumfahrung an der Marktgemeinde vorbei. Die Straße bietet der Marktgemeinde nun einmalige Chancen zur Verwirklichung eines Konzeptes.

Man kann, ohne zu übertreiben, von einem Jahrhundertprojekt sprechen, denn die Überlegungen zu einer Ortsumfahrung von Münsterhausen gehen nicht nur bis ins Jahr 1990 zurück, sondern ein derartiges umfangreiches und kostenträchtiges Vorhaben wird es so schnell in der Marktgemeinde nicht mehr geben. Umso mehr können sich alle Bürger und noch mehr die Anlieger der bisherigen Ortsdurchfahrt über die kommende Entlastung und Verbesserung der Verkehrssituation freuen.

Die offizielle Verkehrsfreigabe der neuen Trasse im Westen von Münsterhausen am Sonntagnachmittag wird als Freudentag und Meilenstein in die Ortsgeschichte eingehen. Mehrere Anlieger der Hauptstraße und Thannhauser Straßen bekundeten ihre Freude aus diesem Anlass mit der Beflaggung ihrer Anwesen. Und doch lag über der Gestaltung der Feierstunde eine nicht zu übersehende Wehmut infolge der Corona-Krise, die nur eine virtuelle Ansprache des Bürgermeisters im Hof der Grundschule und an der Straße selbst mit dem symbolischen Durchschneiden des Bandes zur Verkehrsfreigabe wenige Besucher zuließ.

Ganz anders der erste Spatenstich am 29. März 2019 mit Ansprachen, Blasmusik, Liedvorträgen und einigen hundert Besuchern. Immerhin bewahrheitete sich mit dem Freigabetag die Prophezeiung vom seinerzeitigen bayerischen Verkehrsminister und heutigen Landrat Hans Reichhart: „Die Ortsumgehung von Münsterhausen ist ein großer Baustein zur Stärkung der Verkehrsinfrastruktur hier in der Region. Für die bestehende Ortsdurchfahrt bedeutet das weniger Durchgangsverkehr und damit auch weniger Lärm- und Abgasbelastungen.“

Schon im Jahr 2006 fuhren täglich bis zu 8800 Fahrzeuge durch Münsterhausen

Der Spatenstich war auch der sichtbare Ausgangspunkt zur Realisierung eines Mammutprojektes, nachdem der Marktrat schon 1998 eine Umfahrung für Münsterhausen beabsichtigte. Von der Jahrtausendwende an erfolgten Raumanalysen zu Trassenvorschlägen, Machbarkeitsstudien und Umweltverträglichkeitsstudien, mit den Optionen West- oder Ostumfahrung. Schon im Jahr 2006 ging aus einem Verkehrsgutachten hervor, dass bis zu 8800 Fahrzeuge pro Tag durch Münsterhausen fahren und bei einer Westumfahrung 86 Prozent, bei einer Ostumfahrung 70 Prozent Verkehrsentlastung erreicht werden könnte. Dadurch ergaben sich bei der Trassenbewertung klare Vorteile für die Westumfahrung. Der Vorstellung der Trassenstudie in einer Bürgerversammlung folgten Erarbeitung weiterer Gutachten und Behördenschritte und der Beschluss des Marktrates (11:3 Stimmen) für eine Westumfahrung.

Mit der Storchenproblematik oder floristischen/faunistischen Sonderuntersuchungen sowie der Grundlagenvermessung und den Baugrunduntersuchungen gab es bei der Planung weitere Kriterien zu berücksichtigen bis zum einstimmigen Beschluss des Marktrates zu den vorgelegten Planungen und der Einreichung der Förderanträge. Die Verhandlungen zu einer eingereichten Klage gegen das Bauvorhaben erstreckten sich bis zur endgültigen Entscheidung zugunsten der Marktgemeinde über drei Jahre, sodass erst Ende 2018 die Auftragsvergabe der ersten Brücken erfolgte und mit den eigentlichen Bauarbeiten Ende März 2019 begonnen werden konnte.

Bürgermeister Erwin Haider zitierte in seiner Ansprache die einzelnen Stationen aus der „Chronologie der Ortsumfahrung“ und hatte Verständnis dafür, dass viele Münsterhauser an die Realisierung der Straße nicht mehr geglaubt haben, denn „wenn etwas Jahre dauert, ist das sehr lange, in diesem Fall Jahrzehnte. Umso mehr freuen wir uns alle über das gelungene Werk. Eine neue Zeitrechnung beginnt für unser Münsterhausen – ein neuer Meilenstein in unserer Ortschronik“, so Haider. Doch ein Bauvorhaben in dieser Größenordnung gehe nicht ohne Behinderungen des allgemeinen Straßenverkehrs, beziehungsweise des Erschließungsverkehrs zu den anliegenden Grundstücken über die Bühne. Man habe im Rahmen der Möglichkeiten versucht dies zu vermeiden oder wenigsten auszugleichen. „Mein Dank gebührt denen, die mit Verständnis und Geduld und manchmal auch mit anregender Kritik die Belastungen der Großbaustelle ertragen haben“, sagte Haider. Mit einigen Maßnahmen, wie Lärmschutzwall im Westen für die angrenzenden Bewohner, die Ausleuchtung der beiden Kreisverkehre und die Gestaltung der Übergänge für Radfahrer und Fußgänger der Kreisverkehre, habe der Markt mit 100-prozentiger Übernahme der Kosten ein deutliches Zeichen für die Bedürfnisse der Bürger gesetzt.

Ortsumfahrung macht Weg frei für Gemeindeentwicklungskonzept

Groß hob Haider die Bereitschaft der betroffenen Grundstückseigentümer für die Abtretung der benötigen Flächen hervor. Ein „tolles Engagement“ sei die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Thielemann und Friderich gewesen. Dessen Vertreter Günther Thielemann lobte in seinem schriftlichen Grußwort die über fünfzehn Jahre lange gute, vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit und den Mut zum Bau der Ortsumfahrung und diese in kommunaler Sonderbaulast selbst in die eigenen Hände zu nehmen. Dies erforderte einen langen Atem, den die Gemeinde über mehr als drei Wahlperioden hinweg bewies.

Ein besonderer Dank gelte, so Bürgermeister Haider, dem aktuellen und dem bisherigen Marktrat, den Altbürgermeistern Anton Hartl und Robert Hartinger, die dieses weitreichende Großprojekt auf den Weg gebracht haben. Allen Firmen mit ihren Arbeitern, der Mannschaft „im Hintergrund“ sowie weiteren Beteiligten, die bei Wind und Wetter mit ihrem persönlichen Einsatz über das normale Maß hinaus die kurze Bauzeit ermöglichten, gebühre große Anerkennung. Namentlich dankte Haider auch MdB Georg Nüßlein, MdL Alfred Sauter, Wilhelm Weirather vom Staatlichen Bauamt, weitere Behördenvertreter und natürlich Landrat Hans Reichhart, der als seinerzeitiger Verkehrsminister die respektable Förderung in Höhe von 17.535.500 Euro ermöglichte.

„Die Ortsumfahrung wird die Attraktivität und Lebensqualität in Münsterhausen steigern und den Weg für die Umsetzung unseres Gemeindeentwicklungskonzeptes frei machen. Allen künftigen Benutzern der neuen Straße wünsche ich immer gute und unfallfreie Fahrt“, schloss Haider seine Ausführungen.

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