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Scheibenfeuer

14.03.2011

Dunkelheit und Kälte werden „verbrannt“

Die „Winterhexe“ binden die Krumbacher Pfadfinder aus alten Socken, Pullis und Handschuhen zusammen und stopfen sie mit Stroh aus. Zeitungsente Paula Print lässt sich die Hexe, die später auf dem Berg aus Holzmaterialien verbrannt wird, von Pfadfinderin Karin Maucher einmal genauer zeigen.
Bild: Foto: Silvia Eisenlauer

Paula Print erkundigt sich über die Ursprünge eines besonderen Brauchtums

Krumbach „Scheibenfeuer der Pfadfinder“, liest Paula Print im Krumbacher Veranstaltungskalender. Da muss die kleine Zeitungsente unbedingt hin! Doch ihr fällt auf, dass sie überhaupt nicht weiß, warum jedes Jahr nach dem bunten Faschingstreiben das große Feuer entzündet wird. Spontan verabredet sie sich mit Karin Maucher. Sie leitet gemeinsam mit Gerlinde Hußlein die Wölflinge der Krumbacher Pfadfinder.

Karin, warum wird jedes Jahr ein Scheibenfeuer entzündet?

Karin Maucher: Das Scheibenfeuer wird jedes Jahr entzündet, um den Winter zu vertreiben. Es steht für die Freude über den nahenden Frühling und hat wahrscheinlich keltische und alemannische Ursprünge. Kälte und Dunkelheit werden also durch das strahlende Feuer überwunden und alles Böse verbrannt.

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Aber warum sahen die Kelten denn im Winter nur Böses?

Maucher: Früher hatten die Menschen noch kein elektrisches Licht, wie wir heute. Deshalb galt der Winter damals als die dämonische und dunkle Zeit ohne Licht und Sonne.

Die Hexe, die auf dem Feuer verbrannte, steht dann für das Böse, oder?

Maucher: Genau, die Hexe symbolisiert den Winter, also das Dunkle und Böse. Sie hat aber nichts mit der Hinrichtung der Hexen im Mittelalter zu tun. Die „Winterhexe“ gibt es bei uns in Schwaben und im Allgäu. In der Alpenregion wird die Puppe als „Strohjudas“ bezeichnet.

Ist so ein großes Feuer denn nicht total gefährlich? Was muss ich beachten?

Maucher: Auf jeden Fall solltest du Respekt vor dem Feuer haben. Achte darauf, aus welcher Richtung der Wind kommt und die Funken fliegen, Paula. Es gibt viele Sicherheitsvorschriften: Zum Beispiel müssen Feuerwehrleute zur Aufsicht da sein, und es dürfen nur Naturmaterialien verbrannt werden.

Zum Schluss noch eine Frage, Karin: Was hat es denn mit den glühenden Holzscheiben auf sich, die in den Himmel geschossen werden?

Maucher: Früher schossen junge Männer eine glühende Scheibe für das Mädchen, in das sie verliebt waren. Sie sollte ihr laut Brauch Glück bringen. Die Männer sagten dabei folgenden Spruch auf:

Scheib aus – Scheib ein,

Scheib übern Rain.

Die Scheib, die Scheib

Soll meiner allerliebsten

(Name) sein.

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