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Innenstadt

20.05.2015

„Eigentümer müssen Investoren auch eine Chance geben“

Hubert Fischer
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Hubert Fischer

Bürgermeister Fischer über leer stehende Geschäfte, neue Herausforderungen für den Einzelhandel und die Möglichkeiten einer „Hilfe von außen“

Leer stehende Geschäfte in der Krumbacher Innenstadt: In der Bevölkerung wird dieses Thema anhaltend intensiv diskutiert. Welche Lösungen kann es für dieses Problem geben? Muss sich der Einzelhandel mit Blick auf die Konkurrenz im Internet neu orientieren? Was kann die Stadt leisten? Im Interview mit unserer Zeitung geht Bürgermeister Hubert Fischer ausführlich auf diese Fragen ein. Er betont, dass Eigentümer Investoren auch eine Chance geben müssen. Und er spricht darüber, was er sich von einer professionellen externen Beratung verspricht.

Das Thema Leerstände in der Krumbacher Innenstadt haben Sie bei der jüngsten Versammlung des Krumbacher Gewerbe- und Handelsvereins sehr deutlich angesprochen ...

Als Bürgermeister sehe ich meine Rolle nicht in der Abfassung irgendwelcher nichtssagender Grußworte. Mir geht es darum, die Dinge beim Namen zu nennen.

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In der Versammlung wurde dann ja sehr offen über dieses schwierige Thema debattiert. Wie waren die Reaktionen danach?

Insgesamt eher positiv.

Über die Leerstände in Geschäftsräumen in der Krumbacher Innenstadt wird seit Langem ja auch in der Bevölkerung intensiv gesprochen. Ist die Lage dramatisch?

Sicherlich ist der Wandel in der Geschäftswelt insgesamt dramatisch, und die Lage ist in anderen Kommunen ähnlich wie in Krumbach. Zuletzt hat sich die Situation natürlich zugespitzt, unter anderem durch die Geschäftsaufgabe bei Laber. Aber es wird auch wieder positive Nachrichten geben, für das Lipp-Haus beispielsweise zeichnet sich eine neue Lösung ab. Es ist ja nicht so, dass es keine Reaktionsmöglichkeiten gebe. Auch in Krumbach gab und gibt es Investoren, die etwas machen wollen. Aber Eigentümer müssen Investoren auch eine Chance geben. Manchmal sind aber die Preisvorstellungen zu hoch. Natürlich hat jeder seine persönlichen Beweggründe. Aber wenn jemand für sich selbst sagt, ich will nicht mehr, dann muss das ja noch lange nicht das Ende des Geschäfts sein. Eine Alternative kann es sein, einen Geschäftsführer einzusetzen.

Bisweilen gibt es in der öffentlichen Diskussion ja auch kritische Stimmen, die dem Einzelhandel vorwerfen, er reagiere nicht entschlossen und kreativ auf seine Probleme. Wie sehen Sie das?

Auskünfte wie „Das habe ich nicht, das kriege ich nicht“ habe ich gelegentlich auch schon in Krumbach zu hören bekommen. So etwas können sich Geschäfte mit Blick auf die Konkurrenz im Internet nicht mehr leisten. Sicherlich kann der Händler sagen, dass er ein entsprechendes Produkt nicht hat, aber er sollte es gegenüber dem Kunden gut begründen, dabei auch sein Fachwissen zeigen. Beratungsqualität, Fachwissen und Service, beispielsweise bei der Lieferung von Produkten, werden nach wie vor von den Kunden geschätzt.

Sollte der Einzelhandel die Plattform des Internets stärker nutzen?

Hier sollte der Einzelhandel aktiver werden. Denkbar sind durchaus auch gemeinsame Plattformen von mehreren Geschäften. Präsenz im Internet und die Vorteile von Service und Beratung vor Ort könnten eine gute Kombination sein.

Bei der Versammlung des Gewerbe- und Handelsvereins haben Sie vorgeschlagen, dass die Stadt zur Lösung der Probleme externe Beratung sucht. Was ist geplant?

Wir loten derzeit mehrere Möglichkeiten aus. Tätig werden könnte beispielsweise eine Beratungsfirma aus dem Einzelhandelsbereich oder auch ein Berater aus der IHK. Eventuell ist dies im Juni Thema im Stadtrat. Dann müssen Umfang der Beratung, Zeitplan, Kosten und so weiter geklärt werden.

Die Vertreter des Gewerbe- und Handelsvereins haben signalisiert, dass sie hier mit der Stadt an einem Strang ziehen und gemeinsame Lösungen suchen wollen ...

In der Tat ist dieses Zusammenwirken sehr wichtig. Die Stadt macht ein Angebot, aber ein wesentlicher Impuls muss dann aus der Geschäftswelt selbst kommen. Geschäftsleute sollen und wollen doch hoffentlich die Geschäfte selbst machen.

Mit ein paar schnellen Vorschlägen, am besten in einem Impulsreferat, wie das ja heute bisweilen genannt wird, wird es wohl nicht getan sein. Wie sieht die externe Beratung konkret aus?

Das ist richtig viel Arbeit. Bei den einzelnen Geschäften und Eigentümern – und das sind schätzungsweise rund 300 – sollte es mit Blick auf Probleme und Lösungsmöglichkeiten umfassende Gespräche und Detailanalysen geben. Da kommen gleich einmal 1000 Arbeitsstunden zusammen. Und ein Erfolg wäre es sogar schon, wenn wir nach 300 Gesprächen und Analysen in rund 20 Fällen gute Lösungen finden. Das würde die Stadt sehr voranbringen.

Für Debatten sorgte zuletzt auch das vom Stadtrat beschlossene Einzelhandelskonzept, das den Handel in der Innenstadt fördern soll und die Ansiedlung von innenstadtrelevanten Sortimenten in äußeren Bereichen verhindern soll. Wie wichtig ist dieses Konzept?

Das Konzept ist für uns nach wie vor wichtig. Aber es kann eben auch Einzelfälle geben, in denen Eigentümer in der Innenstadt blockieren. Dann kann ein Geschäft eventuell nur in einem Gewerbegebiet angesiedelt werden. Aber das ist mir dann noch lieber, als dass Krumbacher Kunden nach auswärts abwandern.

Ein wichtiges Projekt der Stadt in der Innenstadt ist die Umgestaltung der Karl-Mantel-Straße. Was bringt so ein Projekt der Geschäftswelt?

Die Erfahrungen zeigen, dass es eine positive Ausstrahlung auf Investoren hat, wenn es solche Verbesserungen und Verschönerungen gibt. Das ist ja auch ein Grundgedanke der Städtebauförderung. Investoren reagieren in der Regel positiv, wenn sie sehen, dass sich da was tut. Erste bauliche Maßnahmen in der Karl-Mantel-Straße wird es 2016 geben.

Interview: Peter Bauer

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