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09.06.2009

Ein Büchlein für die ganz geheimen Gedanken

Günzburg Sie hat das wohl berühmteste Tagebuch der Welt geschrieben. Am Freitag wäre Anne Frank 80 Jahre alt geworden. Gefühle und Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben, gehört bis heute bei vielen Jugendlichen zum Erwachsen werden dazu.

Barbara Hellenthal von der Sozialdienststelle in Günzburg hat sich darüber Gedanken gemacht. "Früher haben junge Leute mehr Tagebuch geschrieben als heute", sagt sie. "Das kann an dem alltäglichen Austausch durch Medien liegen". Dazu gehöre das SMS-Schreiben mit dem Handy oder auch das Verschicken von E-Mails.

"Junge Leute sind heute offener und haben direkte Ansprechpartner, wie zum Beispiel die Eltern, Freunde und auch Lehrer in der Schule. Mit denen können sie die Auseinandersetzungen der eigenen Person besprechen". Ihnen vertrauen sich die jungen Leute heute eher an. Das war nicht immer so.

In den 40er Jahren bekam Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Es war ein Geschenk zu ihrem 13. Geburtstag. Dieses Büchlein hat ihr geholfen, auch über normale Probleme, die in der Pubertät auftreten, hinwegzukommen: Sie hat sich, genau wie das heute bei jedem Jugendlichen der Fall ist, über Konflikte mit ihrer Mutter und ihrer Schwester geärgert und sie hat dem Tagebuch ihre Liebe zu einem jüdischen Jungen anvertraut.

Ein Büchlein für die ganz geheimen Gedanken

Notizbücher für die Älteren

Und heute? "Tagebücher kaufen bei uns eher Mädchen bis 13 Jahre. Mütter kaufen für ihre kleineren Jungs höchstens Freundebücher, aber das nur selten.", sagt die Verkäuferin Monika Vujic des Schreibwarengeschäftes Hutter in Günzburg. "Mädchen mögen besonders die Tagebücher mit den Pferdeumschlägen", so Monika Vujic. "Für die älteren haben wir Notizbücher und kunstvolle Blöcke." Die Auswahl an Tagebüchern ist heute groß auf dem Markt.

Anne Frank hat zwei Jahre ihres Lebens in einem Hinterhofversteck in Amsterdam verbracht. Viele gleichaltrige Jugendliche hatte sie nicht um sich. Ihren Alltag über das Zusammenleben der Untergetauchten vertraute sie der fiktiven Freundin Kitty an. Die begleitete sie die ganzen zwei Jahre bis zum 4. August 1944. Der Tag, an dem Anne von der Polizei entdeckt wurde. "Vielleicht hatte Anne Frank einfach niemanden, mit dem sie offen reden konnte und musste deshalb eine gute Freundin erfinden, mit der sie frei kommunizierte", sagt Barbara Hellenthal.

Genug Aufmerksamkeit im Chatroom

"Heute können Jugendliche, wenn sie Redebedarf haben, einfach in einen Chatroom eintreten. Dort finden sie genügend Aufmerksamkeit und gleichaltrige junge Leute, die sehr viel Spaß dabei haben, sich aktiv auszutauschen", sagt die Sozialpädagogin.

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