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Ellzee

05.05.2019

Ein Ellzeer Verein und die Wendepunkte der Geschichte

Der Krieger- und Soldatenverein Ellzee um 1920 mit Fahnenträgern und Festjungfrauen auf der heutigen Stoffenrieder Straße.
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Der Krieger- und Soldatenverein Ellzee um 1920 mit Fahnenträgern und Festjungfrauen auf der heutigen Stoffenrieder Straße.
Bild: Kriegerverein

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde der Ellzeer Krieger-, Soldaten- und Kameradschaftsverein gegründet.

1919: Es ist ein Wendejahr der deutschen und der europäischen Geschichte. Der Erste Weltkrieg hatte tiefe Wunden geschlagen, Kaier und Könige hatten ihren Thron verloren, revolutionäre Bewegungen erschütterten in vielen Ländern die Gesellschaft. In dieser wechselvollen Zeit wurde in Ellzee der Krieger-, Soldaten- und Kameradschaftsverein gegründet. Er feiert am Sonntag, den 19. Mai, sein 100-jähriges Gründungsjubiläum. 1919, bei Gründung des Vereins, dachte niemand daran, dass nach dem Ersten Weltkrieg mit rund 10 Millionen Toten noch ein weiterer unheilvollerer Krieg kommen und ein bis heute wichtiges Ziel des Vereins, die Aufrechterhaltung des Gedenkens an die Toten der beiden Weltkriege.

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Der Verein, der seit 2010 von 1. Vorstand Willibald Kempfle geführt wird, zählt an seinem 100. Geburtstag rund 100 Mitglieder und legt großen Wert auf die Pflege der Kameradschaft und auf die Mitwirkung in der Dorfgemeinschaft.

Nachdem in der Gemeinde Ellzee wenige Monate nach dem Ende des Ersten Weltkrieges Stimmen für die Gründung eines Krieger- und Soldatenvereins laut wurden, berief der damalige Bürgermeister Max Schmid am 27. März 1919 eine Versammlung ein. Alle 35 Anwesenden stimmten für die Gründung des Vereins und wählten Josef Bissinger zum ersten Vereinsvorsitzenden.

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In der zum 1. Juni 1919 in Kraft gesetzten Satzung wurde als Zweck die „Belebung und Stärkung der Treue zum deutschen Vaterlande, unter Fernhaltung jedes politischen Parteigetriebes“, sowie die „Kräftigung kameradschaftlichen Sinnes, durch Unterstützung bei unverschuldeten Notlagen und Unglücksfällen“, insbesondere wurde auch die „Unterstützung von Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern“ als Vereinszweck aufgenommen.

Dass sich Bürgermeister Max Schmid, Pfarrer Stadelmaier und Lehrer Wiedemann im neuen Verein engagierten, honorierten die Mitglieder mit der Ernennung dieser Personen zu Ehrenmitgliedern.

Im Kloster Wettenhausen in Auftrag gegeben

Natürlich brauchte der Verein auch eine Vereinsfahne, die noch im Gründungsjahr im Kloster Wettenhausen in Auftrag gegeben wurde. 1500 Reichsmark (RM) kostete sie, 500 RM steuerte eine heute nicht mehr bekannte Spenderin bei. Geweiht wurde die Fahne am 9. Mai 1920 und sie begleitet heute noch die Vereinsmitglieder bei Vereinsfesten und Wallfahrten und natürlich auf ihrem letzten Weg zum Grab. Ihren ersten Einsatz bekam sie, als der Verein beschloss, die heimkehren-den Kriegsgefangenen mit einer Fahnenabordnung zu empfangen und mit einem Pferdefuhrwerk vom Bahnhof Ellzee zu ihrem Heimatanwesen zu geleiten.

Zur Aufbesserung der Vereinskasse wurde bereits 1919 unter Leitung von Lehrer Wiedemann am Stephanstag zum ersten Mal ein Theater aufgeführt. Dies wurde Tradition bis zum Beginn des Zwei-ten Weltkriegs. Dank dieses Engagements konnte der Kassierer bei der Generalversammlung 1923 auf einen Kassenstand von 13190 Reichsmark verweisen, aber leider mit dem Zusatz: „Infolge Geldentwertung 0 und nichtig!“

Am 20. Oktober 1933 fand eine außerordentliche Generalversammlung mit dem Tagesordnungspunkt „Gleichschaltung des Krieger- und Soldatenvereins“ statt. Der Nationalsozialismus duldete keinen Pluralismus, und obwohl es mit der Satzung des Vereins nicht vereinbar war, fand sich im Protokoll dieser Versammlung hinter fast allen Namen der Vorstandschaft der Vermerk „Mitglied der NSDAP“.

Ellzeer Generalversammlung mitten im Krieg

Bei der Generalversammlung am 18. März 1943 wurde Pius Fischer zwar zum neuen Vorstand gewählt. Bis zur Neugründung am 20. Mai 1951 finden sich in der Vereinschronik keine Aktivitäten mehr. Alfons Schmid agierte wieder als Vorstand, wurde jedoch bereits ein Jahr später von Leonhard Kempfle, dem Vater des jetzigen Vorstands, abgelöst, der dem Verein bis 1987 vorstand. Bei der Jahresversammlung 1987 löste diesen Heribert Ruf ab. Unter dessen Vorstandschaft gab sich der Verein 1992 eine neue Satzung und änderte seinen Namen in „Krieger-, Soldaten- und Kameradschaftsverein Ellzee“.

Ehemalige Kriegsteilnehmer gab es nun fast nicht mehr, das Gedenken an die Kriegsopfer blieb dennoch weiterhin ein wichtiges Ziel, aber die Pflege der Kameradschaft auch mit Nichtgedienten soll einen höheren Stellenwert erhalten. Kameradschaft steht bei Vorstand Kempfle, seiner Vorstandschaft und den Mitgliedern das ganze Jahr über an erster Stelle. Der Verein gestaltet zusammen mit dem Musikverein Ellzee jährlich den Volkstrauertag. Er wirkt bei kirchlichen Anlässen wie der Fronleichnamsprozession und bei gemeindlichen Festen und Veranstaltungen mit. Er hilft beim Aufstellen des Maibaums und bereichert den Nikolausmarkt durch eigenen Stand mit Christstollen und Jägertee.

Enger Kontakt besteht auch zu den Nachbarvereinen. Neben gemeinsamen Gedenkveranstaltungen wird mit diesen zum Beispiel ein gemeinsames Militärschießen organisiert.

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