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Ziemetshausen

27.11.2017

Ein Jakobspilger bei den Senioren

Paula Luttmann hält den Wanderschuh, mit dem Karl Selig die knapp 2500 Kilometer nach Santiago de Compostela und zum Kap Finisterre gewandert ist.
Bild: Peter Voh

Karl Selig berichtet von seiner Tour, abgebrochenen Schneidezähnen und einem Schlossbesitzer.

Einen per pedes weit gereisten Gast begrüßte Seniorenleiterin Paula Luttmann in Ziemetshausen zum Seniorennachmittag. Karl Selig aus Loppenhausen war 2013 zu Fuß über die Schweiz, durch Frankreich und den Norden Spaniens an einem Stück den 2496 Kilometer langen Jakobsweg nach Santiago de Compostela und dann noch 127 Kilometer zum Kap Finisterre gewandert. Mit Wanderrucksack, Originalstiefeln, mit 160 Stempeln von Stationen des Jakobsweges und Urkunden für das Erreichen seiner beiden Zielorte hat Selig sich den Senioren in seiner Wanderkluft vorgestellt.

Mit herrlichen Bildern hat der ausdauernde Pilger, der seinen 100 Tage-Trip durchaus nicht aus religiösen Gründen angetreten hat, seinen Vortrag untermalt. Das Beten allerdings, so beteuert Karl Selig, habe er sich unterwegs angewöhnt. Mit Blasmusik von den Schmiddemusikanten am Jakobstor in Loppenhausen gestartet, führte ihn sein Weg durch das Allgäu, am Bodensee vorbei in die Schweiz. Mit 25 bis 30 Kilometer am Tag hielt Selig seine Etappen im Rahmen, durch die Schweiz ging es etwas flotter, denn, so der rüstige Rentner, „die Schweiz ist zum Übernachten schweineteuer“. In Frankreich musste Karl Selig seine Jakobstour unvermittelt unterbrechen, hatte er sich doch beim Abendessen einen Schneidezahn abgebrochen.

Mithilfe eines französischen Schlossbesitzers, wo er übernachten durfte, gelangte er zu einem nahegelegenen Flughafen, um sich dann einer Zahnreparatur in der Heimat zu unterziehen. Kaum war die erfolgreich ausgeführt, machte er sich per Flieger wieder auf den Weg zum Ort des Abbruchs und half zunächst dem Schlossherrn einen Tag lang beim Rasenmähen und mit anderen Arbeiten.

Am Wallfahrtsort Le Puy (nahe St-Ètienne) mit seiner beeindruckenden Kathedrale vorbei ging es weiter über Toulouse in Richtung spanische Grenze. Unterwegs durfte er einer Jakobspilgerin, die Blasen an den Füßen hatte, diese tapen, damit sie weitergehen konnte. Dieselbe Frau hat er Wochen später auf dem Flughafen von Porto rein zufällig wieder getroffen – das Hallo war groß. Noch nicht allzu tief in Spanien eingedrungen, befiel eine Nierenkolik den Jakobspilger aus dem Schwabenland. Mit Händen und Füßen konnte er einem Hospitalarzt klarmachen, was ihm fehle, und er konnte schon am nächsten Tag wieder weiterlaufen.

Auf der Nordtour führte ihn der Weg an Bilbao und Santander vorbei weiter in Richtung Santiago de Compostela. Am meisten beeindruckten ihn dort die armseligen Berg- und Bauernhäuser im Bergland, die dann von riesigen Windkraftanlagen umsäumt sind. Am 22. August an seinem Ziel, dem berühmten Wallfahrtsort angekommen, fühlte sich Selig ein wenig erschöpft, aber glücklich. Aber er hatte noch ein weiteres Ziel vor Augen: das in den Atlantik hineinragende Kap Finisterre, das Ende der Welt. Dort war er am 26. August angekommen, an seinem 62. Geburtstag! Ein unbeschreibliches Gefühl, wie er heute noch davon schwärmt, es flossen ihm Tränen über die Wangen. Nach dem Rückflug nach Deutschland ließ sich der Weitgereiste nicht am Flughafen in Memmingen abholen, sondern hat auch diese letzten gut 40 Kilometer, mit einer Übernachtung unterwegs, zu Fuß zurückgelegt.

Der Jakobspilger, der bei seinen Vorträgen über dieses Abenteuer Geld für das Kinderhospiz in Bad Grönenbach sammelt und bis dato schon weit mehr als 12000 Euro zusammenbrachte, war seitdem oftmals wieder in Santiago. Land und Leute dort haben ihn in seinen Bann gezogen.

Informationen über den Pilger, der seine Erlebnisse vom Jakobsweg leidenschaftlich und gerne weitergibt, und seine Unternehmungen auf karl.selig@web.de. Man kann ihn auch telefonisch unter 08263/777 erreichen.

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