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Krumbach/Jettingen

12.12.2015

Ein Jettinger inszeniert perfekt die kleine Welt der Modellrennbahnen

Eintauchen in eine kleine, faszinierende Welt: Rainer Selzer und seine Rennbahn.
2 Bilder
Eintauchen in eine kleine, faszinierende Welt: Rainer Selzer und seine Rennbahn.
Bild: Gertrud Adlassnig

Wie bei Rainer Selzer aus einem „magischen Moment“ ein besonderes Hobby wurde. Seine Fotografien sind in der Szene zu regelrechten Klassikern geworden.  

Magische Momente gibt es wirklich, nicht nur in fiktiven Geschichten. Rainer Selzer wurde von so einem magischen Moment überwältigt. Es ereignete sich vor einigen Jahren, als er in Krumbach, wo er sein Geschäft hatte, spazieren ging. Beim Spielwarenhaus fiel sein Blick auf eine Carrerabahn – und da war er, der magische Moment. „Das ist es“, war sich Rainer Selzer sofort im Klaren. Seit seiner Kindheit hatte er nichts mehr zu tun gehabt mit den grauen Rennbahnen, auf denen man kleine Flitzer um die Kurven rasen lassen kann. Und nun die Gewissheit, etwas gefunden zu haben das ihm hilft, völlig abzuschalten, in eine andere Welt eintauchen zu können, frei von allen Sorgen des Alltags.

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Auch ein erster, wenig befriedigender Anlauf – Selzer hatte sich eines der handelsüblichen Rennbahnsets gekauft, konnte seine aufkeimende Leidenschaft nicht bremsen. Das Erstaunliche daran: Ihm ging es nie darum, kleine Modellautos zu bewegen, sondern ihre Bewegung einzufangen in möglichst realistisch wirkenden Bildern. Er begann eine eigene Welt zu erschaffen, baute eine acht Quadratmeter große Rennstrecke im Maßstab 1:32, die er mit Fahrbahnen ausstattete, mit Weichen, Höhen, Senken und Kurven – klassischer Modellbau also.

Doch eine Modellbahn lebt erst durch ihre Ausstattung, ihr Umfeld. In fünf Jahren entwickelte sich der ehemalige Tenniscrack zum feinmotorisch perfekten Bastler, der die komplette Rennwelt mit Boxenstopp, Reporterbank, Siegerpodest, Tribüne, Turm, Aussichtsplattform, Restaurant und all der anderen Infrastruktur nach eigenen Entwürfen aus Fotopapier nachbaute.

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In dieser Modellwelt „leben“ Menschen, auch sie wurden zu einem großen Teil von Rainer Selzer selbst gestaltet. Es gibt zwar fertige kleine Models, doch die fand er langweilig. Inzwischen hat er bereits rund 80 Rohlinge selbst bemalt und ihnen damit einen ganz eigenen Charakter gegeben.

Was für die Personen gilt, gilt auch für die Landschaft und das Equipment der Rennbahn: Alles wurde individuell gefertigt, fast ausschließlich aus Material, das eigentlich für ganz andere Funktionen produziert worden war. So erfand Rainer Selzer Sicherheitssperren aus Abstandhaltern vom Baumarkt. Fantasie, Klebstoff und Farbe genügen, um ihnen ein neues, unerwartetes Leben einzuhauchen. Selbst die im Rennsport übliche Bandenwerbung hat der in Jettingen wohnende Selzer maßstabgerecht nachempfunden.

Diese Kreativität und Umsicht behält er nicht für sich. Parallel zu seiner Arbeit dokumentiert er sein Hobby von den Ideen über gefundene Lösungsstrategien bis zu rechtlichen Überlegungen, Entwürfe und Produkte als Hilfestellung für alle Slotracingliebhaber auf seiner Homepage „Slotracing132.com“. Was nichts anderes bedeutet als Modellbahnrennen im Maßstab 1:32, dem er alles, jede Figur, jedes Gebäude, jedes Blümchen am malerischen Teich unterordnet.

Fünf Jahre hat Rainer Selzer an seinem Werk gebaut. „Ich habe all die Jahre zu meiner Frau gesagt: Ich freue mich, wenn ich endlich die Bilder machen kann.“ Denn bei all seiner Leidenschaft für den individuellen Modellbau blieb die Abbildung immer im Fokus. Seine Bahn ist ihm Mittel zum Zweck. „Inzwischen baue ich so gut wie nichts mehr. Ich positioniere nur immer wieder um, damit ich stets neue Kulissen für meine Fotos bekomme.“ Seine Spezialität sind Aufnahmen, in denen gestochen scharfe Modellautos vor einem mehr oder minder stark verschwommenen Hintergrund wirken, als würden sie gerade mit enormer Geschwindigkeit das Objektiv des Fotografen passieren.

„Über eine italienische Website wurde ich inspiriert. Leider ist es mir nicht gelungen, einen Kontakt herzustellen.“ Mit unzähligen anderen Fans aus der ganzen Welt klappt das problemlos. „Es ist eine ganz eigene Welt“, verrät Rainer Selzer, „in der natürlich auch viele seltsame Menschen unterwegs sind. Da gibt es die Sammler, die besitzen über 1000 Rennwagen, natürlich alle im Maßstab 1:32, Originalnachbauten von echten Rennwagen aller Kategorien. Andere bauen ihre eigenen Rennautos, die sie selbst lackieren und mit Werbeaufschriften bekleben.

Und dann gibt es natürlich auch die Rennfahrer, die ihre Autos in geregelten Wettkämpfen über Rennbahnen jagen und versuchen, nationale und internationale Titel einzufahren.“ Unter all diesen ist Rainer Selzer ein bisschen Außenseiter. Denn er ist trotz seiner 80 in einer „Schrankgarage“ geparkten Rennwagen kein leidenschaftlicher Sammler. Er ist der Rennfotograf, der die Scheinwelt zu realen Welt werden lässt. Eine Besonderheit, für die er keine Kollegen kennt, aber viele, die seine Hilfe dankbar annehmen. Denn für die echten Fans ist ein Starfoto vom Siegerauto natürlich reines Glück. „Viele Slotracingfans schicken mir ihre Autos, damit ich sie optimal in Szene setze“, erklärt Rainer Selzer. Sein jüngstes Werk: ein Fotokalender für einen Racingclub, ausschließlich mit Autos der Mitglieder, fotografiert auf Selzers Bahn. Manche Szenen werden mit seinen Profischeinwerfern ausgeleuchtet, für andere muss er an sonnigen Sonntagnachmittagen in sein Carrerazimmer verschwinden, um den genau richtigen Einfallwinkel der Sonne auf seine Bahn für ein ausgefallenes Foto zu nutzen.

Das Fotografieren ist nur der erste Schritt in Selzers Spezialgestaltung. Danach kommt die Bearbeitung mit Photoshop. Da werden reale Hintergründe eingespielt, manch scharfer Background bewusst verwischt, Kontraste bearbeitet, die Plastizität des Autos optimiert. Nach einem VHS-Einführungskurs, erinnert sich Selzer, hat er sich alles selbst beigebracht, was er für seine Leidenschaft braucht. Selbst wenn seine Bilder inzwischen perfekt sind, Angst, seine Begeisterung schon bald in Routine verkehrt zu sehen, hat Selzer nicht. „Ich habe noch Hunderte von Bildern auf dem Rechner, die bearbeitet werden wollen. Außerdem plane ich mit einem Bekannten einen Videofilm. Das wird eine neue, unerhörte Herausforderung, auf die ich mich schon heute freue.“

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