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Literaturherbst

23.10.2014

Ein Kaktus als Zeichen der bleibenden Liebe

Im Rahmen des Literaturherbstes las Peter Schmidt aus seinem Buch „ ein Kaktus zum Valentinstag“.
Bild: Schmid

Kann ein Autist Liebe fühlen? Peter Schmidt gibt bei seinem Auftritt in der Krumbacher Fachakademie ungewöhnliche Antworten

Der junge Peter Schmidt hat es nicht leicht in der Schule. Er ist irgendwie anders als die anderen. Die Eltern sagten ihm: „Peter, du musst dich durchbeißen“. Das nahm der Junge wörtlich, also biss er, wenn er geärgert wurde seine Mitschüler. „Welt ich komme“, rief er, als er das Abitur geschafft hatte und endlich frei war. Peter Schmidt ist Autist. Das Asperger-Syndrom wurde bei ihm erst mit 41 Jahren festgestellt. Jetzt las er in der Fachakademie Krumbach, im Rahmen des Literaturherbstes, aus seinem Buch „Ein Kaktus zum Valentinstag“.

„Der Kaktus ist wie ich, meinte Peter Schmidt, er braucht viel Sonne und wenig Wasser. Auch Schmidt braucht viel Sonne, aber nicht viele Menschen um sich. In seinem ersten veröffentlichten Roman geht es um die Liebe. Aber kann ein Autist Liebe fühlen? Oh ja, das kann er. Zwar kann er keine Gesichter erkennen und das Flirten ist ihm auch fremd, aber aus Liebesfilmen holt er sich Anregungen. Er muss alles genau analysieren. Eine Liebe zu finden, ist nicht leicht. Wenn er eine findet, soll die für ein ganzes Leben reichen. Also hakt er die infrage kommenden Frauen nach Punkten ab. Er wandert gerne, reist gerne und tanzen ist seine Leidenschaft. Als er zum Zahnarzt muss, trifft er dort eine Frau, die es ihm angetan hat. Sie heißt Martina und sie arbeitet bei diesem Arzt. Wie soll er mit ihr bekannt werden? Ansprechen ist schwierig. Seine Vermieterin Frau Vogt, sie ist eine resolute Dame aus Ostpreußen, weiß um sein Anderssein und gibt ihm Tipps in Liebesfragen. „Herr Schmidt, meinte sie, Sie müssen sie einfach anlächeln, sie wird schon merken dass Sie sie mögen. Anlächeln klappte. Er weiß nicht wieso, aber Martina scheint ihn auch zu mögen. Es verstreichen viele Monate in denen sie gemeinsam wandern, den botanischen Garten besuchen, radeln und auch tanzen. Schmidt merkt: Das ist die Frau, sie hat Tiefgang, sie bekommt die höchste Punktzahl. Bis zum ersten Kuss dauert es noch, aber dank der Liebesfilme wie „Dornenvögel“ und „vom Winde verweht“ kommt es auch zum Kuss. Bald ist Valentinstag! Frau Vogt ist auch da eine große Hilfe. „Herr Schmidt“, beginnt sie, „es ist Valentinstag, Sie brauchen für Ihre Freundin ein Geschenk, am besten rote Rosen.“ Rote Rosen, nein, die mag er nicht, die verblühen, man sieht ihnen quasi beim Sterben zu. Nein es sollte etwas Bleibendes sein, wie seine Liebe. Ein Kaktus wäre gut, meint Schmidt. Der ist wie ich, und er verwelkt nicht. Tatsächlich mit seinem Geschenk macht er Martina eine Freude, sie scheint ihn wirklich zu verstehen und ihn zu mögen wie er ist, mit allen seinen Eigenarten. Schmidt muss oft an Frau Vogt denken. Manchmal, wenn er einen Rat braucht, hört er noch heute ihre Stimme: „Herr Schmidt ...“

Peter Schmidt trug diese Szenen aus seinem Leben vor, die zahlreich erschienen Besucher schmunzelten, waren aber auch nachdenklich. Deutlich wurde: Peter Schmidt geht offensiv mit seiner Krankheit um.

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Alles nimmt er direkt

Leicht hatte er es nie. Alles nimmt er direkt. Sagt einer zu ihm: „Du sollst die Kirche im Dorf lassen“, wundert er sich. Niemals wollte er die Kirche aus dem Dorf entfernen. Sein Buch macht Lust, mehr aus dem Leben dieses wirklich außergewöhnlichen Menschen zu erfahren.

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