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Krumbach

11.09.2019

Ein Krumbacher Experte für Trinkwasserreserven

Projektleiter Ingmar Plettenberg aus Krumbach in dem neuen Trinkwasserhochbehälter in Feldafing.
Bild: Nila Thiel

Der Krumbacher Ingenieur Ingmar Plettenberg baute Bayerns größten Hochbehälter aus Edelstahl.

Zwei Edelstahltanks mit einem Durchmesser von 20 Metern und 8,3 Metern Höhe sichern ab sofort die Wasserversorgung der beiden Gemeinden Feldafing und Pöcking im Landkreis Starnberg. Ihr Fassungsvermögen beträgt fünf Millionen Liter Trinkwasser. Nach Angaben des dortigen Wasserzweckverbandes handelt es sich um eine der modernsten und größten Anlagen in Bayern, kostet rund 3,7 Millionen Euro und wurde in nur 16 Monaten in einem 46 mal 24 Meter großen Technikgebäude auf dem Kalvarienberg zwischen den zwei jeweils 5000 Einwohner zählenden Nachbarorten aufgestellt.

Plettenberg aus Krumbach setzt sich als Einzelkämpfer durch

Die Gesamtplanung und Projektleitung oblag dem Krumbacher Ingmar Plettenberg, der in der Attenhauser Straße 10 seit 2010 ein Ingenieurbüro für Bauwesen betreibt und als „Einzelkämpfer“ sich selbst gegen weitaus größere Mitbewerber zu behaupten weiß. Die Trinkwasserversorgung von Feldafing und Pöcking war für ihn kein Neuland. Schon 1997 baute er für sie eine gemeinsame Aufbereitungsanlage zur Reinigung des aus Tiefbrunnen und Quellen stammenden Trinkwassers. So wurde er vor sechs Jahren erneut mit der Planung einer neuen Hochreserve beauftragt. Der nebenan in einem Wald gelegene bisherige Behälter war in die Jahre gekommen und wegen baulicher sowie hygienischer Mängel auf Dauer nicht mehr tauglich. Auch eine grundlegende Sanierung kam nach Aussage von Plettenberg aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage.

Und doch wird der veraltete und großteils unter der Erde befindliche Wasserspeicher nicht abgebaut, vielmehr weiter „genutzt“. In einer Gemeinschaftsaktion mit den Naturschützern wurde er zu einem Fledermaushabitat umgestaltet und dient künftig den geschützten „Fliegern“ als Winterquartier. Durch den damit nicht notwendigen Abriss des Gebäudes sparen sich die beiden Kommunen 200 000 Euro.

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Reinigung möglich, ohne dass Menschen den Tank betreten

Nach nur 16-monatiger Bauzeit wurde jetzt das Gesamtbauwerk offiziell seiner Bestimmung übergeben. Für Plettenberg war von Anfang an klar: „Zwei Behälter aus hochwertigem schwedischem Edelstahl sind hier die ideale Lösung und garantieren einen maximalen Erhalt der Wasserqualität.“ Weitere gewichtige Gründe sind für den 58-jährigen Diplomingenieur: „Solche vier Millimeter starken Stahlbleche haben sich bei Trinkwasserversorgungen ähnlich wie in der Lebensmittelindustrie längst als Werkstoff erster Wahl bewährt.“

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Dies zeige sich insbesondere in ihrer Beständigkeit in korrosionschemischer Hinsicht und der damit verbundenen Langlebigkeit. Bautechnisch seien die beiden Tanks komplett verschweißt, gebeizt und desinfiziert, um eventuelle Keime abzutöten. Von Bedeutung sei zudem, dass auf alternde Dichtungsmaßnahmen völlig verzichtet werden konnte. Einzigartig ist für den Fachmann darüber hinaus das integrierte Reinigungssystem. Es ermöglicht eine vollflächige Hochdruck-Wandreinigung, ohne dass der Behälter von Menschen betreten werden muss. Die aktuelle Wasserversorgung übernimmt bei solchen Vorhaben der zweite Behälter, was auch bei Notfällen von Bedeutung sein kann.

Krumbacher Plettenberg verfolgt das Ökoprojekt mit Interesse

Die beiden Bürgermeister Bernhard Sontheim (Feldafing) und Rainer Schnitzler (Pöcking) waren sich bei der offiziellen Inbetriebnahme einig: Einmal besitzen wir nun einen Trinkwasserspeicher, der zu den modernsten und größten Anlagen in Bayern gehört, schaffen mit dem Fledermaushabitat eine ökologisch wertvolle Einrichtung und sparen uns die Kosten für die Beseitigung der alten Reserve. Ob das neue Öko-Projekt von den geschützten Tieren angenommen wird, entscheidet sich erst im Herbst, wenn sie auf der Suche nach einem passenden Winterquartier sind. Die Naturschützer sind guten Mutes, denn „im Inneren ist es dunkel und kühl und es kommt eine hohe Luftfeuchtigkeit dazu“.

Der Krumbacher Ingenieur verfolgt das Vorhaben mit Interesse, doch fühlt er sich dafür nur am Rande verantwortlich: „Ein bisschen Glück gehört auch dazu, denn die Tiere müssen das Habitat erst einmal entdecken und für gut befinden.“ Sicher ist er sich dagegen bei der von ihm geplanten neuen Hochreserve: „Die beiden Behälter aus hochwertigstem Duplex-Stahl überleben uns alle!“

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