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Krumbach

04.06.2016

Ein Krumbacher Leben im Dienst der Menschen

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Alfons Schier (rechts) wurde mit der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Krumbach ausgezeichnet. Unser Bild zeigt ihn mit Frau Anna und weiteren Trägern der Goldenen Bürgermedaille (von links): Dr. Josef Langenbach, Professor Karl Kling und Georg Winkler. Hinten in der Mitte Bürgermeister Hubert Fischer.
Bild: Foto Weiß

Alfons Schier wird mit der Goldenen Bürgermedaille ausgezeichnet. Sein Leben steht auf eine vielfältige Weise für humanitären Tiefgang und soziales Gewissen

Der eher nüchterne Sitzungssaal im Krumbacher Rathaus wurde nach Bürgermeister Hubert Fischer für einen Tag zum einladenden Festsaal. Der Anlass: Die Ehrung für den „geachteten, geschätzten und angesehenen Mitbürger“ Alfons Schier, der jetzt elfter Träger der Goldenen Bürgermedaille ist. Sie wird seit 1964 vom Stadtrat vergeben, gilt als höchste Form der städtischen Ehrung und darf nur an bis zu sechs lebende Persönlichkeiten verliehen werden. Momentan sind dies neben Schier Professor Karl Kling, Altbürgermeister Georg Winkler und Chefarzt Dr. Josef Langenbach. Sie und zahlreiche Stadträte sowie die städtischen Referatsleiter, einige Ehrengäste und die Familie des Geehrten waren Zeugen der Urkunden- und Medaillen-Überreichung, die von einem Bläser-Quartett der Berufsfachschule für Musik einfühlsam umrahmt wurde.

Hohes Lob und eine öffentliche Würdigung habe sich, so Fischer, Alfons Schier verdient und zwar mit seinen „jahrzehntelang erbrachten ehrenamtlichen Leistungen, im öffentlichen Einsatz aber auch in stiller Arbeit für das Gemeinwohl der Krumbacher Bürgerschaft“. Das Fazit des Stadtoberhaupts daraus: „Die Bürgermedaille für Sie ist die Anerkennung für ihr Lebenswerk im bürgerschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Bereich.“

Es war eine lange Liste im Dienst der Gemeinschaft, die Fischer aufzählte: Über 40 Jahre Stadtrat in der SPD-Fraktion und Mitglied in verschiedenen Ausschüssen, in denen sein Wort besondere Bedeutung erhielt, wenn es um menschliche und soziale Aspekte ging. Dabei habe er die „offene Rede“ nicht gescheut und vielfach mit „humorigem Wort“ zum Ausgleich beigetragen. Als Stadtratsbeauftragter für Soziales sei es ihm gelungen, „humanitären Tiefgang“ vorzuleben und als „soziales Gewissen“ präsent zu sein. Seine Tätigkeit beschränkte sich nicht auf die Stadt allein. Das beweisen 41 Jahre Kreistagsmitglied, in denen er pflichtbewusst und konstruktiv, aber auch als „mannhafter Streiter“ gewirkt habe. Dies zeigte auch die Berufung zum Stellvertreter des Landrats; ein Ehrenamt, das er mehrere Jahre „ausgefüllt und auch erfüllt“ habe.

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Fischer verwies in seiner Laudatio ebenso auf die „Begeisterung, Freude und das Herzblut“, mit denen er sich für die Arbeiterwohlfahrt eingesetzt hat und in vier Jahrzehnten zum „Gesicht der Krumbacher AWO“ geworden sei. Erinnern wolle er nur an seine Tätigkeit als Mitglied des Bezirkspräsidiums, Ansprechpartner für die Sozialstation und Essen auf Rädern, die Kindererholung und als Organisator zahlreicher Hilfstransporte in Richtung Balkan. Die noch längst nicht vollständige Aufzählung zeichnet für den Bürgermeister ein deutliches Bild, wie umfassend und vielfältig sich der Geehrte „über die Maßen sozial engagiert für die Stadt und ihre Bürgerschaft verdient gemacht hat“.

Alfons Schier selbst war es dann, der seinem schlichten „Danke“ die Frage „Was habe ich denn gemacht?“ folgen ließ und daran erinnerte, dass diese Feierstunde eigentlich für zwei Krumbacher vorgesehen gewesen sei. Willy Rothermel habe diesen Termin leider nicht einhalten können. Sichtlich bewegt schilderte Schier dann seine Lebensgeschichte und zwar auf seine eigene Art, einmal nachdenklich stimmend, aber auch erheiternd und doch besonders für jüngere Generationen durchaus interessant.

Das Leben begann für ihn als Bauernbub im Sudetenland. Die Jahre danach: Kriegsbeginn, Vater an der Front und bis 1949 in Gefangenschaft. Die Mutter alleinerziehend, 1945 Vertreibung aus der Heimat, in Viehwaggons und Lagern über Prag, Furth im Wald und Augsburg viele Wochen unterwegs und schließlich für Monate im Krumbacher Knoll-Lager. Die verbliebene Habe: Zwei Rupfensäcke mit Betten sowie ein großer und ein kleiner Koffer.

Schier heute: „Als Kind war der Transport für mich ganz interessant, doch im Lager folgte dann die Erkenntnis, wir haben buchstäblich nichts.“ Damit nicht genug: Auf Lastwagen wurden die Vertriebenen auf Orte rund um Krumbach verteilt, mehrmals wechselten die Schiers unfreiwillig das Dorf und dann war es doch so weit: Ein Zimmer über dem Kuhstall wurde zur Bleibe. Erstes Besitztum eine blecherne Waschschüssel und ein kleiner Ofen.

Dann kehrte 1949 der Vater aus der Gefangenschaft zurück. Lassen wir Alfons Schier erzählen: „Mit 13 wurde ich Bäcker, dann Soldat, Arbeitslosigkeit, Hilfsarbeiter in einer Schreinerei und schließlich Eisenbahner mit stündlicher Kündigung“.

Die weiteren Lebensstationen: Fahrdienstleiter in Burlafingen und Betriebsleiter einer technischen Bundesbahneinrichtung in Neu-Offingen. Es war still im Raum bis zum letzten Wort dieser „Lebensbeichte“. Eine solche war von den Zuhörern nicht erwartet worden, gerade deshalb hochinteressant und aktuell. Und so ließ Schier im Schlusswort seine soziale Einstellung und Bescheidenheit nochmals aufblitzen: „Ich bin mir noch immer nicht bewusst, ob ich diese Ehrung verdient habe.“

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