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Konzert

02.10.2019

Ein Kuss für die Welt

Dirigent Wolfram Seitz hatte den „Liederkranz“ gut auf die heitere Musik der 20er Jahre eingestimmt.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Wie die Chorgemeinschaft Liederkranz verschiedene Komponisten einen großen Spannungsbogen schaffen lässt

Die Konzertankündigung „Kleiner Frosch trifft grünen Kaktus“ klang verlockend, versprach einen launigen Abend bei heiterer Musik. Der Untertitel ergänzte das Versprechen: Auch heitere Texte sollten für Amüsement und Auflockerung sorgen. Der kleine Frosch versteckte sich in den Liedern des Schulchors der Grundschule. Den Verweis auf den grünen Kaktus dürften alle verstanden haben: Musik der 20er Jahre mit den Evergreens der „Comedian Harmonists“ würde zur Aufführung kommen.

Misst man den Erfolg des Konzerts am Applaus des Publikums und an den Äußerungen einzelner Hörer nach dem Konzert, so war nicht zu viel versprochen worden. Witzig war schon der Einmarsch der kleinen Sängerinnen und Sänger in den Saal des Pfarrheims St. Michael, vorweg mit der Gitarre die Chorleiterin Silke Walter-Schierle. Selbstbewusst und musikbegeistert meisterte der Chor der Grundschule seine Aufgabe, für gute Laune zu sorgen. Nicht einmal mit der Klassik hatte der Chor Berührungsängste. Mozarts wohl berühmteste Melodie, das Eingangsthema zu „Eine kleine Nachtmusik“, versprüht einen unwiderstehlichen Charme. Von Kindern mit Begeisterung vorgetragen, gewinnt die Melodie an Frische und Unbekümmertheit, wird gewissermaßen zur Kampfansage an nächtliche Schlaftabletten jeglicher Art.

Locker und federnd, den launigen Ton der Comedian Harmonists treffend, widmete sich die Chorgemeinschaft Liederkranz bis zur Pause der leichten, ungemein beschwingten Muse der Musik der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der Sprachwitz der zugehörigen Texte trifft den Nerv des Publikums bis heute.

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Chorleiter Wolfram Seitz hatte seine Sängerinnen und Sänger auf den hinreißenden Swing dieser Musik eingeschworen und sorgte mit einem konzentrierten Dirigat dafür, dass der belebende Schwung der Musik bis zum Schlussakkord erhalten blieb. So vorgetragen, reizen Töne und Rhythmus zu dem Lächeln, von dem es in einem der Texte hieß, es gleiche einem Kuss für die ganze Welt.

Einen starken Kontrast setzten die Beiträge von Stefan Mußack (Tenor) und Marcus McLaren (Flügel). Sie trugen vier Lieder aus der „Winterreise“ vor, also aus Schuberts „Zyklus schauerlicher Lieder“. Faszinierend in der „Winterreise“ wirkt vor allem der Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit. Das ungemein Zarte und auch Euphorische des Traums von erfüllter Liebe prallt unvermittelt auf die kalte und widerliche Realität gescheiterter Hoffnungen. Stefan Mußack und sein Klavierbegleiter kosteten die ungeheure Spannweite von Schuberts Musik aus, das Publikum dankte mit starkem Applaus und erzwang eine Kunstlied-Zugabe.

Eva Gantners Moderation überbrückte mühelos jegliche Differenz zwischen den Konzertteilen. Gantners kluge Auswahl an überwiegend heiteren Texten tat ein Übriges. Gut vorgetragen, offenbarte sich die große Nähe zwischen Poesie und Musik. Chor-Vorstand Siegfried Müller sprach diesbezüglich von einem neuen „Format“, die Liederkranz-Konzerte noch attraktiver zu gestalten.

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