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Buchbesprechung

23.02.2015

Ein Laie kommentiert die Predigten der Fachleute

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Der Behlinger Josef Konrad befasst sich erneut mit theologischen Grundfragen

Die Bibel ist ein schwieriges Buch. Auslassungen und Widersprüche irritieren den Leser, die Lektüre wirft viele Fragen auf. Die Theologen suchen nach Antworten. Auf die Fachleute aber wollte und will sich der Behlinger Josef Konrad nicht verlassen. Er bereiste das Heilige Land, Ägypten und Jordanien, um sich ein Bild der Örtlichkeiten aus erster Hand zu machen. Er studierte die theologische Fachliteratur, befasste sich intensiv mit Privatoffenbarungen und Aussagen von Wissenschaftlern über die Letzten Dinge. Die erste Frucht dieser Studien war das 850 Seiten starke Buch „Die Rätsel des Neuen Testaments“, 2010 erschienen. Nun legt der Autor ein weiteres Buch nach, das sich auf Predigten von Pfarrer Johannes Kuen bezieht und sich im Untertitel „Theologische und philosophische Variationen eines Ungelehrten“ nennt. Das Buch entstand aus einer ungewöhnlichen Situation: Der Gottesdienstbesucher Konrad hört die Predigten des Pfarrers intensiv und lässt sich von ihnen inspirieren. Er greift Kernaussagen der Ansprachen des Geistlichen auf und kommentiert sie zu Hause ausführlich und kritisch. Die 32 Kurzkapitel des Buches behandeln deshalb eine Fülle von Themen, doch manches wiederholt sich und zeigt an, was Josef Konrad am meisten umtreibt. Es sind die Fragen nach der göttlichen Gerechtigkeit, der Erbsünde, dem Kreuz, dem Leben nach dem Tod und der Dreifaltigkeit des christlichen Gottes. Es sind die Fragen, die dem ernsthaft religiösen Menschen keine Ruhe lassen.

Josef Konrad ist tiefgläubig und ein Wahrheitssucher, auch wenn er immer wieder betont, in theologischen Fragen gebe es keine Beweise, nur begründete Meinungen. Seinem Leser macht er es nicht leicht. Er fordert ihn heraus, was er denkt, was er glaubt, was er tut, radikal zu hinterfragen. Er widersetzt sich dem theologischen „Weichspülen“, beispielsweise der Aussage, Gottes Gnade und Barmherzigkeit werde allen zuteil. Und er setzt bei seinen Predigt-Kommentaren oftmals das voraus, was er in seinem ersten Buch ausführlich dargelegt hatte. So greift er beispielsweise bei seiner Kritik der Erbsünde auf die Lehre von der Präexistenz zurück.

Dass jeder Mensch vormals als Geistseele gegen Gott gefehlt habe, diese im frühen Christentum gängige Lehre vertritt Konrad und behauptet, sie sei auch Teil der Urbibel gewesen, ab dem 6. Jahrhundert aber von der Kirche verworfen worden. Ohne dieses Vorwissen aber fehlt der Kritik an der Erbsünde die Bodenhaftung.

Pfarrer Johannes Kuen hat das Vorwort zu Konrads Buch verfasst. Dort wünscht er sich und der Kirche, Konrad möge „viele mutige Nachfolger“ finden im Bemühen, sich mit Gottes Wort intensiv und auch kritisch zu befassen. Zu solch einem Nachfolger wird zwangsläufig, wer sich mit Konrads Buch auseinandersetzt.

: Nichts für ungut, Herr Pfarrer. Theologische und philosophische Variationen eines Ungelehrten. Gelnhausen, Wagner Verlag, 2014

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