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27.01.2015

Ein Loch gestopft, das andere aufgerissen

33-jähriger Geschäftsmann hat mit ungedeckten Lastschriften 80000 Euro ergaunert

Das eine Loch stopfen und dabei das andere aufreißen – mit dieser Methode hoffte ein 33-jähriger Geschäftsmann die finanzielle Schieflage seines Geschäfts wieder ins Lot zu bringen. „Lastschriftbetrug“, sagte die Bank dazu. Elf Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung, verhängte Amtsrichterin Sandra Mayer wegen Betrugs in 24 Fällen.

Zuerst waren es noch Beträge bis zu 2000 Euro, die der Angeklagte vom Konto seiner nichts Böses ahnenden Lebensgefährtin mit nicht autorisierten Lastschriften auf das Geschäftskonto schaffte, dann wurden die Beträge immer höher, bis zuletzt auch Summen von nahezu 8000 Euro abgebucht wurden. Kaum war das Geld auf seinem Geschäftsgirokonto, hob der Mann es am Automaten ab oder bezahlte Löhne und Rechnungen damit, immer möglichst schnell, sodass das Geld vom Konto weg war und die Rücklastschriften zu spät kamen.

Der Sparkasse Günzburg-Krumbach entstand im Frühjahr 2014 innerhalb von eineinhalb Monaten auf diese Weise ein Schaden von nahezu 80000 Euro. Sie pfändete im Mai das Konto des Mannes, bat ihn um ein Gespräch und kündigte schließlich das Konto. 2200 Euro waren da noch offen, den Rest seiner Schulden hat der 33-Jährige beglichen. Im Dezember wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, sein Geschäft gibt es nicht mehr.

Der betrügerische Geldtransfer sei dem Angeklagten von der Sparkasse „schon sehr einfach gemacht worden“, sagte der Staatsanwalt in der Verhandlung gestern Vormittag, es sei doch „sehr seltsam“, dass die Bank einfach zugeschaut und nichts unternommen habe.

Der Angeklagte habe einen immensen Schaden verursacht und dabei erhebliche kriminelle Energie an den Tag gelegt, sagte der Staatsanwalt und sprach von gewerbsmäßigem Betrug in 24 Fällen, bei dem das Strafgesetzbuch pro Tat eine Mindeststrafe von sechs Monaten vorsieht.

Neun von insgesamt 24 Betrugsfällen siedelte der Staatsanwalt im unteren Bereich an und forderte dafür eine Freiheitsstrafe von jeweils sechs Monaten, für acht Fälle jeweils sieben Monate. Für sieben Fälle, in denen der Angeklagte Beträge zwischen 4000 und 8000 Euro ergaunerte, forderte der Staatsanwalt jeweils acht Monate.

Zusammengerechnet ergibt das 166 Monate, also knapp 14 Jahre. Allerdings fiel die Strafe dann bei Weitem nicht so hoch aus, denn der Staatsanwalt bildete eine Gesamtstrafe, und er fand auch eine ganze Menge Punkte, die er zugunsten des Angeklagten wertete.

Ganz obenan stellte er das Geständnis des 33-jährigen Energieelektronikers und sagte: „Betrug ist immer etwas schwierig nachzuweisen.“ Die Taten stünden zudem in engem zeitlichen Zusammenhang. Befremdlich sei überdies, dass die Sparkasse nicht schneller reagiert und dem Angeklagten den Betrug so erleichtert habe. Aus den 166 Monaten bildete der Staatsanwalt eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Monaten, die zur Bewährung auszusetzen sei.

Diesem Strafantrag folgte Amtsrichterin Sandra Mayer. Sie hielt dem 33-Jährigen zugute, dass er nicht vorbestraft ist, eine Wiederholungsgefahr bestehe nicht. Sie verband die Bewährungsstrafe mit einer Geldbuße von 1000 Euro an die Deutsche Knochenmarkspender-Datei und der Wiedergutmachung des noch offenen Schuldenrests. Der Angeklagte war erleichtert. So etwas „wird nicht wieder vorkommen“, versicherte er nach dem Urteilsspruch.

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