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Historie

25.07.2020

Ein Unglück ging der Klostergründung in Roggenburg voraus

Der Gründung des Klosters Roggenburg ging ein tragisches Unglück voraus, so sagt es die Legende.
Bild: Ralph Manhalter

Die Gründungslegende ist tragisch. Allerdings sind die Herren von Biberegg-Roggenburg geschichtlich schwer fassbar

Mit den Quellen ist es so eine Sache. In unserer an festem Baumaterial armen Gegend erfuhren die hierfür benutzten Materialien nicht selten eine Wiederverwendung. Holz zerfiel, die Steine wurden bei Bedarf abgetragen und oft erinnert nichts an das vergangene Bauwerk. So auch bei den allermeisten der im Landkreis einst zahlreich vorhandenen Herrschafts- und Patriziersitzen. In der Regel verweist nur noch ein Hügel, ein sogenannter Burgstall, auf den vormaligen Bau.

Umso mehr sind wir in der Geschichtsforschung auf schriftliche Dokumente, beispielsweise in Form von Urkunden, angewiesen. Allerdings setzt auch beim niedrigen Adel die Verschriftung etwaiger Rechtsgeschäfte erst im Laufe des 13. Jahrhunderts allmählich ein. Was bleibt also übrig? Beziehen wir uns auf das vom Roggenburger Abt Michael Probst im Jahr 1597 abgefassten Carmen epicum de morte Sifridi, einer Gründungslegende des dortigen Klosters, so beginnt die Geschichte tragisch. Die Familie von Roggenburg (der Name Biberegg erschien erst ab dem Jahr 1489 bei Felix Fabri) hatte nur einen Sohn, Siegfried. Als dieser eines Tages während der Entenjagd zu tief ins Wasser eines angrenzenden Weihers geriet, ertrank er. Untröstlich des Verlustes gelobten seine Eltern Berchtold und Demutha zusammen mit Berchtolds Brüdern, Siegfried und Konrad, an der Stelle ihres Herrschaftssitzes ein Kloster zu gründen. So weit die Legende. Belegt ist die Klostergründung tatsächlich um das Jahr 1130. Nun war es nichts Außergewöhnliches, dass erbenlose Territorialherren ihren Besitz nach deren Ableben der Kirche vermachten. Das Gebiet der Roggenburger erfuhr allerdings eine Aufteilung. Der Kern um das neu errichtete Kloster verblieb bei demselben, während sich in der weiteren Umgebung in Folge die Herren von Neuffen nachweisen lassen.

Die Historiker werten das als Ergebnis einer möglichen Verbindung dieser beiden Herrschaftshäuser. Demzufolge wäre es naheliegend, dass eine Roggenburger Erbtochter einen Edlen aus dem Hause Neuffen geehelicht hätte. Der erbliche Teil des Roggenburger Territoriums könnte so auf die Neuffen übergegangen sein, die mit Weißenhorn einen neuen Verwaltungsmittelpunkt bestimmten. Bestärkt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass sich im 13. Jahrhundert Neuffisches Gebiet von Buch im Westen bis Neuburg an der Kammel im Osten belegen lässt. Ausgespart allein durch den an das Kloster abgegebenen Landstrich. Dieser geistliche Besitz vergrößerte sich in den folgenden Jahrhunderten noch um die eine oder andere Ortschaft. Bis zum Ende des alten Reichs gehörten neben Christertshofen, Rennertshofen und Nordholz beispielsweise auch Breitenthal und Tafertshofen zum Reichsstift Roggenburg. Der Mitstifter des neuen Konvents, Konrad, erscheint im Übrigen als bischöflicher Amtsinhaber im Bistum Chur von 1123 bis 1144. Allerdings wurde auch in diesem Fall der Name „von Biberegg“ erst in späterer Zeit ergänzt.

Fazit: Nichts Genaues weiß man nicht, es gibt hohe Wahrscheinlichkeiten, aber keine Sicherheit. So ist das eben manchmal mit den Quellen.

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