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Thannhausen

25.12.2018

Ein Wiegenlied für Prinz Ludwig

In Thannhausen ist Christoph von Schmid im Denkmal verewigt. 1796 trat er hier eine Stelle als Benefiziat und Schuldirektor an.
Bild: Heinrich Lindenmayr

Christoph vom Schmid verfasste zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Er schrieb auch ein Lied für den späteren König.

Im Winter 1845 erhielt Domkapitular Christoph von Schmid eines Abends einen überraschenden Besuch. Ein Mitglied der Königlichen Hofkapelle der Münchner Residenz bat den Schriftsteller und Dichter um den Text für ein Wiegenlied. Man wolle der Kronprinzessin eine Serenade veranstalten, bei der auch ein Wiegenlied mit Klavierbegleitung zur Aufführung kommen solle. Verzweifelt suche man nach einem Text, aber in ganz München finde sich niemand, der in der Lage sei, in der Kürze der Zeit ein entsprechendes Gedicht zu schreiben.

Der Auto fühlte sich geehrt

Der Besucher fügte hinzu, er brauche das Lied bis morgen früh, denn er werde in München bereits wieder erwartet, damit der Komponist sich sogleich an die Arbeit machen könne. Christoph von Schmid fühlte sich geehrt und ließ sich auch nicht lange bitten. Am nächsten Morgen konnte der Bittsteller den Liedtext mitnehmen, den der Dichter Christoph von Schmid folgendermaßen überschrieb: „Von der hohen Burgfrau an der Wiege Ihres Erstgeborenen zu singen“.

Hohenschwangau vor Augen

Bei dem königlichen Prinzen handelte es sich um den am 25. August 1845 geborenen nachmaligen König Ludwig II. von Bayern. Wenn Christoph von Schmid Kronprinzessin Marie als „Burgfrau“ bezeichnet, hat der ehemalige Seeger Kaplan ganz sicher Schloss Hohenschwangau vor Augen, in dem sich die Kronprinzessin und spätere Königin mit Vorliebe aufhielt.

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In der ersten Strophe spricht Schmid das Kind unmittelbar an, das die stolzen Eltern mit dankbarer Freude erfüllt und sie veranlasst, Gottes Segen auf den kleinen Erdenbürger herabzurufen. Der Enkel, der am Namenstag des Großvaters zur Welt kam, sollte auch seinen Namen tragen, daran ließ König Ludwig I. keinen Zweifel.

Die Freude der königlichen Familie wirkte ansteckend. „Ja Tausende sind Ein Entzücken, Ganz Bayern freuet sich“. Der Dichter gibt dem künftigen Thronerben den Wunsch mit auf den Lebensweg: „Sei deiner hohen Ahnen würdig, die alle Welt verehrt“. Dies will freilich erbetet werden, deshalb bittet Christoph von Schmid: „Doch Du nur Gott, kannst dies geben. Du guter Gott allein; o führe dieses Kind durchs Leben, erhalt es gut und rein! Dein Engel wolle es bewahren vor jeglicher Gefahr, sei ihm, was mir in zarten Jahren die zweite Mutter war“. Der Domkapitular spricht hier fast nebenbei von Gott als Mutter. Dies ist durchaus bemerkenswert gerade in einer Zeit, in der die Strenge Gottes sehr viel stärker betont wurde als seine Güte, seine Liebe und auch sein Erbarmen.

In der letzten Strophe wendet sich Christoph von Schmid wieder an den kleinen Ludwig, der erst wenige Monate zählt: „Nun lieber kleiner Ludwig werde an jeder Gabe reich, zur Zierde Bayerns, ja der Erde – dem großen Ludwig gleich!“ Ohne Zweifel ist dem Dichter ein Gedicht gelungen, das mehr war als nur eine Huldigungsadresse an das Herrscherhaus. König Ludwig I. verdankte er seine Berufung ins Augsburger Domkapitel 1827 und 1837 seine Erhebung in den Adelsstand. Bei Grußadressen des Augsburger Domkapitels zu herausragenden Anlässen des Königs wurde immer Christoph von Schmid beauftragt, sie zu formulieren.

Geburtstagspost von König Ludwig I

König Ludwig I. schätzte Schmid außerordentlich, so hat er ihm ganz persönlich zum 80. Geburtstag geschrieben. Die ersten Exemplare der Erinnerungen an Johann Michael Sailer schickte er König Ludwig I. und König Max II.

Er erhielt von beiden anerkennende persönliche Schreiben. So betont König Max II.: „Sie haben mir in der Zeit meiner Jugend, wo ich Ihre schönen Erzählungen gelesen habe, viele angenehme Stunden bereitet.

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