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18.06.2009

Ein Zeichen gegen den Suff im Fasching gesetzt

Landkreis Ein Liter Schnaps entspricht in seiner alkoholischen Wirkung etwa 17 Flaschen Bier. Eine solche Menge Bier trinkt rund um eine Veranstaltung kaum jemand. Ein Liter Schnaps dagegen ist schnell mal weg - nicht zuletzt beim Fasching. Und leider vor allem bei vielen Jugendlichen.

Um ein Zeichen gegen den Suff unter Minderjährigen zu setzen, haben die Landkreisverwaltung und die Bürgermeister bei ihrer Sitzung am Mittwoch ein Bündel von denkbaren Maßnahmen diskutiert - und zumindest eine Vorgabe beschlossen. Bei Faschingsveranstaltungen, besonders bei Umzügen, wollen die Gemeinden sogenannte Allgemeinverfügungen erlassen. Mit diesen Verfügungen hat die Polizei die rechtliche Handhabe, Jugendliche nach Alkoholika zu durchsuchen, ihnen die hochprozentige Ware abzunehmen oder sie - wenn sie schon betrunken zum Umzug kommen - des Platzes zu verweisen.

Wichtige Geldquelle

Das Thema sei "sehr schwierig und wird kontrovers diskutiert", sagte Frank Kurtenbach, der im Landratsamt zuständige Fachbereichsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung, zu Beginn der Diskussion. Schon jetzt müssen die (Faschings-) Vereine viele gesetzliche Auflagen und Vorschriften beachten, die Veranstaltungen sind teuer und ohne Einnahmen - darunter eben auch durch den Verkauf von Hochprozentigem - kaum noch zu finanzieren. Der Haldenwanger Bürgermeister Georg Holzinger etwa sagte, einer von zwei Faschingsvereinen in seiner Gemeinde werde demnächst wohl aufgelöst, weil die Verantwortlichen keine Lust mehr hätten. Auch der "Leipheimer Haufen" habe massive Probleme, erklärte Bürgermeister Christian Konrad. Andererseits, so machten Landrat Hafner und Kurtenbach deutlich, könne man nicht sehenden Auges hinnehmen, dass maßlos getrunken werde und damit womöglich (weitere) Unglücksfälle geschehen.

Ein Zeichen gegen den Suff im Fasching gesetzt

Auch in diesem Jahr seien von Polizeibeamten nach Faschingsveranstaltungen viele auf Äckern und Wiesen liegende Alkoholleichen eingesammelt worden. "Wenn's ganz dumm läuft, erfriert mal einer der Jugendlichen", sagte Frank Kurtenbach. Und: "Sollte man als Verein damit Geld verdienen, dass sich Jugendliche besaufen?"

Für komplettes Verbot

In Vorgesprächen hätten Polizeivertreter erklärt, ihnen wäre es am liebsten, wenn rund um Faschingsveranstaltungen Branntwein und branntweinhaltige Getränke komplett verboten würden, sagte Kurtenbach weiter. Diese rigorose Marschrichtung wollten die Bürgermeister dann doch nicht einschlagen. Sie einigten sich aber darauf, die erwähnten Allgemeinverfügungen zu erlassen, um so den Druck auf jugendliche Trinker zu erhöhen.

Eine nach Polizeieinschätzung weitere Möglichkeit wäre, Sicherheitskräfte nicht nur in Hallen oder Festzelten zu postieren, sondern auch in deren Außenbereich. Denn dort werde nach aller Erfahrung mindestens ebenso heftig getrunken wie im Inneren der Hallen oder Zelte, so Kurtenbach.

Etliche der Bürgermeister gaben die Kritik von Vereinsvertretern wieder, weitere Auflagen strangulierten den Fasching oder bedeuteten in letzter Konsequenz sein Ende. Dem entgegnete der Landrat, dass das, was die Vereine beklagten, allein auf Gesetzen basiere - etwa die Haftung eines Veranstalters oder die Vorgaben des Jugendschutzes. Hafner: "Von uns gibt es bislang keine einzige Auflage." Angesichts der Vorkommnisse in der Vergangenheit jetzt nichts zu tun, "wäre aber das falsche Signal", so der Landrat.

Einig war sich die Runde, dass (auch juristisch) stärker gegen jene Eltern vorgegangen werden muss, die ihre Aufsichtspflicht verletzen und ihre jugendlichen Sprösslinge betrunken durch die Gassen ziehen lassen. Denn dafür seien die Vereine nicht auch noch verantwortlich zu machen, betonten einige der Bürgermeister.

Im September will der Landkreis mit Vertretern der Faschingsvereine im Detail über das Thema reden.

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