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Ursberg

20.07.2019

Ein besonderer Ursberger Abschied für Georg Gerhardt

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4 Bilder
Verlässlicher Taktgeber war er 2014 beim Schulfest.
Bild: Chr. Pagel

Plus Nach 22 Jahren verabschiedet sich Gerhardt als Schulleiter des Ringeisen-Gymnasiums. Er hätte fast bei BMW angefangen, aber der Zufall brachte ihn nach Ursberg.

Um ein Haar hätte das Leben Georg Gerhardts und damit auch die Geschichte des Dominikus-Ringeisen-Gymnasiums in Ursberg eine völlig andere Wendung erfahren. Nach dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der zweijährigen Referendarzeit am Asam-Gymnasium München und dem Johann-Michael-Sailer Gymnasium in Dillingen sah sich Gerhardt im Herbst 1984 mit einem Einstellungsstopp an den staatlichen Schulen Bayerns konfrontiert. Von den privaten Schulen, an denen sich der angehende Mathe- und Physiklehrer beworben hatte, erhielt er nur Absagen. Bereits die Zusage für eine Stelle bei BMW in München in der Hinterhand, wagte Gerhardt noch einen letzten Versuch. Aus Ursberg hatte er überhaupt keine Rückmeldung auf seine Bewerbung erhalten, kurzerhand rief er dort an. Offenbar war sein Schreiben dort untergegangen, denn die damalige Schulleiterin, Schwester Christiane Schrom, suchte damals händeringend einen Mathe- und Physiklehrer. „Sie schickt der Himmel“, antwortete die Klosterschwester auf Gerhardts Nachfrage nach dem Stand seiner Bewerbung.

Inwieweit himmlische Fügung den Weg des 1955 in Bäumenheim bei Donauwörth geborenen Gerhardts nach Ursberg lenkte, ist unklar. Für ihn war es rückblickend ganz eindeutig ein Segen. „Ich blicke auf ein erfülltes Berufsleben zurück“, sagt er. Schnell fügte sich der Junglehrer in das damals mit rund 270 Schülerinnen und 17 Lehrkräften noch überschaubare Kollegium des Mädchengymnasiums ein. Mit der Ernennung des ersten weltlichen Schulleiters, Hans-Günter Gessler, stieg Gerhardt 1992 zu dessen ständigem Stellvertreter auf. Nach Gesslers Rückkehr in den Staatsdienst als Rektor des Schyren-Gymnasiums in Pfaffenhofen a.d. Ilm im Jahr 1997 testete die Leitung der St. Josefskongregation, heute noch Träger des Ringeisen-Gymnasiums, ein Triumvirat aus Gerhardt an der Spitze, Hans Filbig als Stellvertreter und Christian Pagel als ständiger Mitarbeiter im Direktorat aus. Offenbar ein erfolgreiches Konstrukt. Bis zur Pensionierung Filbigs im vergangenen Jahr gab es keine Wechsel mehr in der Schulleitung.

Nach 22 Jahren an der Spitze ‚seiner’ Schule, verabschiedet sich Gerhardt nun in den Ruhestand. Ein Hauch von Wehmut weht dieser Tage durch das Schulhaus. Gerhardt war ein beliebter Rektor und Lehrer. Die Schüler schätzten ihn als geduldigen Erklärer und großzügigen Kümmerer, der sich mit fast schon väterlicher Geduld auf jeden einzelnen einließ und stets nach Lösungen im Sinne der Schüler suchte. Gerhardt war „schülernah“, im reinen Wortsinn. Kaum im Schulhaus begann er schon mit Schülern zu ratschen, als Schlagzeuger der Lehrerband, als Tänzer auf dem Abiball, immer zeigte sich Gerhardt als Schulleiter zum Anfassen, als Mensch mit Herz und überaus belastbarem Verständnis für die Schüler. „Du kannst kein guter Pädagoge sein, wenn du die Schüler nicht magst“, sagt Gerhardt. Selbst in den letzten Tagen seines Schaffens bemüht er sich noch intensiv in persönlichen Gesprächen und am Telefon, um für Schüler in verzwickten Lagen das Beste rauszuholen. Wie viel Arbeit das tatsächlich kostete, dürfte vielen verborgen geblieben sein, gespürt haben sie es trotzdem.

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Hoch angerechnet wird ihm, dass er nicht eine einzige Veranstaltung seiner Schüler schwänzte. Ob beim Orchesterkonzert der fünften Klassen, beim Bezirksentscheid der Tänzerinnen oder der Premiere des Kellertheaters: Der für den Schulleiter reservierte Stuhl in der ersten Reihe blieb selten leer. Für Gerhardt war dies nie eine lästige Pflicht, sondern immer Ausdruck seines Respekts für die Leistung seiner Schüler und es hat ihm tatsächlich auch Spaß gemacht. In aller Regel begleitete ihn seine Frau Ursula, die ihm auch sonst in jeder Lebenslage den Rücken stärkte, und wenn es nur um so banale Dinge ging, ihn zwischendurch nach Hause zu beordern, weil er sonst zwischen Bergen von Akten vergessen hätte, etwas zu essen. Mitunter versorgten ihn auch die Sekretärinnen Karola Scheffler und Rita Biberacher, die wissen, dass Gerhardt ein „Süßer“ ist, mit Kuchen und Plunder. Man wird ihn hier schon vermissen, sagt Scheffler, die Gerhardt von Anfang an begleitet hat. Das blinde Vertrauen und wortlose Verständnis füreinander, dass sich in mehr als 20 Jahren eingespielt hat, muss der Nachfolger erst aufbauen.

Als Chef beliebt

Auch im Lehrerkollegium war Gerhardt als Chef beliebt. Christian Pagel, der ihn seit den frühen 1980er Jahren kennt, beschreibt ihn als Vorgesetzten, der „den Menschen zugewandt nach einem Konsens suchte“, immer das Wohl der Schüler, Mitarbeiter und der Schule im Blick. „Vieles gelang ohne große Absprache, weil wir uns in der Vorstellung, was eine gute Schule ausmacht, immer einig waren.“ Natürlich kann man als Chef nicht allen Konflikten aus dem Weg gehen und manchmal krachte es auch hinter den Kulissen. „Eine versöhnliche Einigung war mit ihm immer möglich.“ Was ihn besonders auszeichnete, war seine Diskretion. „Was gesagt wurde, blieb immer unter Verschluss“, betont Pagel.

Die größte Herausforderung seiner Karriere begann für Gerhardt mit dem Umzug der Ende der 1990er Jahre auf über 600 Schüler angewachsenen Schule vom Mutterhaus der Kongregation nach St. Josef. Eigentlich lagen die Pläne für einen Neubau im Klostergarten bereits auf dem Tisch, als ein Gutachten zu dem Schluss kam, dass das Gebäude von St. Josef für den Schulbetrieb wesentlich besser geeignet sei als für die Betreuung von Menschen mit Behinderung. Zwischen den Jahren 2000 und 2008 wurde das alte Kloster umfassend saniert und umgebaut. Ein Mammutprojekt, das Gerhardt, der auf allen Ebenen eingebunden war, viel abverlangte. Doch das neue Schulhaus trägt mit seiner gelungenen Mischung aus Tradition und Moderne mit zur Strahlkraft des Ringeisen-Gymnasiums bei. Inzwischen ist die Schülerzahl auf rund 800 Schüler gewachsen, die Hälfte davon kommt aus dem benachbarten Landkreis Augsburg und dem Unterallgäu. Gerhardt ist stolz auf das, was er mit seinen Kollegen und der Kongregation geschafft hat. „Man sagt, man spürt hier ein besonderes Klima der Menschlichkeit, der Wertschätzung und ein gutes Miteinander.“ Das seien die Werte gewesen, nach denen er immer gehandelt habe, „getragen vom guten Geist der Schwestern, der hier über allem lag“. Es freut ihn, dass dieses Klima den Ruf der Schule heute prägt.

Am wenigsten vermissen wird Gerhardt nach eigenem Bekunden die zermürbende Suche nach Lehrkräften. Jedes Schuljahr stellte sich die Besetzung freier Stellen erneut als besonders schwierig und arbeitsintensiv heraus, weil die Schule nicht an ein großes Schulwerk angebunden ist. Vor allem der Zeitdruck wenige Wochen vor Schulbeginn trieb den Adrenalinspiegel regelmäßig nach oben. Die Qualität der erreichten Abschlüsse zeige, so Gerhardt, dass es immer gelungen sei, gute Lehrkräfte zu finden.

In Erinnerung bleiben vor allem die schönen Tage. „Was ich mitnehm’ sind die Musicals, die Theateraufführungen, die Zirkusshow im vergangenen Jahr und die Tanzveranstaltungen, all die Dinge, wo sich Schüler präsentiert haben. Die Schüler vermisse ich“, das weiß Gerhardt jetzt schon. „Wie die Mädels strahlen, wenn sie getanzt haben oder wenn die Nummern am Vertikalband gelingen.“

Den Abschied ordentlich zu gestalten und einen guten Übergang zu schaffen, verlangt Gerhardt im letzten Berufsjahr noch einmal sehr viel ab. Mehr vielleicht, als er sich selbst eingestehen würde. „Die Schule ist sein Herzblut“, sagt seine Frau Ursula, die spürt, wie schwer es ihrem Mann fällt, allmählich loszulassen. Gerhardt ist zuversichtlich, dass ihm der Sprung ins Pensionärsdasein gut gelingen wird. Er freut sich auf ausgedehnte Spaziergänge über den Klingenburger Golfplatz, weniger Abendtermine und mehr Zeit für seine Enkelkinder. Der Himmel wird es sicher richtig fügen.

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