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07.03.2008

Ein bisschen verrückt muss man schon sein ...

Schuld ist - mal wieder - eine Frau. In diesem Fall die Mutter von Eduard Glogger. Sie hat einstmals dem Zehnjährigen das "Fliagerle baua" vorgeschlagen, um seiner grenzenlosen Langeweile beizukommen. Dass der kleine Eduard damals auf die Mutter hörte, hatte weitreichende Folgen.

Befallen von der Sehnsucht, die Schwerkraft zu besiegen, angesteckt vom Virus der Freiheit, die es nur über den Wolken gibt und besessen von dem brennenden Wunsch, immer mehr über Auf- und Fallwinde, über Sperrholz, Abachi und Balsa zu lernen, um seine Modelle noch erfolgreicher Richtung Sonne schicken zu können.

Dass er allerdings 1958, kaum 18-jährig, zum Abteilungsleiter der Modellflugabteilung gemacht wurde, hatte er weniger seinem fliegerischen Können, als vielmehr seiner kaufmännischen Ausbildung zu verdanken. "Du kasch Schreibmaschin' schreiba. Du machsch des", hieß es und damit war die Ernennung besiegelt.

Abteilungsleiter ist er bis heute geblieben und hat so 50 Jahre Modellsportverein entscheidend mitgeprägt. Dabei sind ihm aus den Anfangsjahren besonders der Zusammenhalt und die Stunden beim Bau und der Erfahrungsaustausch in schöner Erinnerung. "Ein- bis zweimal wöchentlich trafen wir uns in den einschlägig bekannten Lokalitäten, beim Schließler, beim Wangler Miller oder in Erwin Pfeuffers großer Schreinerei und bauten, nach Vorkriegsplänen, an unseren Segelflugmodellen," erinnert er sich.

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Dass auf wochenlanges Tüfteln, Sägen, Schneiden und Bespannen nicht selten ein kurzer Sturzflug mit Totalschaden folgte, focht die Himmelssüchtigen nicht weiter an. Auch das Einkreisen eines Fliegers in eine Thermik, gefolgt von stundenlangen Suchaktionen, die oft genug erfolglos blieben, nahm man mit der Ergebenheit eines Liebhabers und machte sich unverdrossen an den Bau des nächsten Modells.

"Ein bisschen verrückt muss man schon sein", gibt der Krumbacher Eduard Glogger zu und tollkühn wie der Weinfurter Karl aus Deisenhausen, der zu Flugtagen immer mit seinem Motorrad aufkreuzte, auf dem hinter ihm seine Frau die große Kiste mit dem Segelflieger halten musste. "Undenkbar in heutigen Zeiten", lacht Glogger.

Zwar war es ab 1955 bereits möglich, ferngesteuerte Motorflieger zu bauen, doch das war auch eine Kostenfrage und Eduard Glogger musste diesen Traum bis zum Jahre 1961 verschieben. Dafür stand ein anderes Großprojekt vor seiner unmittelbaren Realisierung. Die erste Krumbacher Flugmodellausstellung im Saal des Gasthauses "Ludwig Ost" (heute Mode Obermeier).

Viel Arbeit für einen durchschlagenden Erfolg, wie auch in späteren Jahren im Stadtsaal, wo wegen des enormen Besucherandrangs der Saal immer wieder kurzzeitig geschlossen werden musste. "Wir waren die Attraktion, in einer Zeit mit nur einem Fernsehprogramm und einem noch brachliegenden kulturellen Leben in der Stadt", erinnert sich Glogger.

Dieses Interesse schlug sich auch in den Mitgliederzahlen nieder. Bestand die Modellflugabteilung anfangs noch aus einem Häuflein von circa zehn Mitgliedern, wuchs die Zahl in den 60er Jahren auf über 30 und rasch war klar, dass in Krumbach der Platz für so viele Hobbyflieger nicht ausreichen würde. "Das war alles ganz provisorisch am Egathof," erinnert sich Glogger, "und in Thannhausen bot sich uns die Möglichkeit, südlich des Segelflugplatzes eine Wiese zu kaufen und sie speziell für die Bedürfnisse von uns Modellflugzeugbauern herzurichten." Eine Start- und Landebahn wurde gebaut und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begann. Ausstellungen, Flugtage und Meisterschaften mit enormem Publikumszulauf. Freundschaften wie mit der Modellfluggruppe in Davos entstanden. "Die sind jedes Jahr eine Woche bei uns zu Gast und genießen unsere bergfreien Weiten", erzählt der stolze Gastgeber. "Fliegen und Feiern lautet dann eine Woche lang die Devise."

Unterricht an Schulen

Damit für den Nachwuchs gesorgt ist, gibt Glogger mit seinem Vereinskollegen Horst Losert jede Woche Unterricht in Krumbachs Gymnasium und Realschule. "Ich will den Jungs zeigen, wie schön es ist, etwas von Grund auf selber zu machen", verrät er seine Motivation. Er findet es schade, dass immer mehr "Fix-und-fertig-Modelle" auf den Markt kommen.

Seinen eigenen Söhnen Roland und Martin konnte Glogger seine Begeisterung weiter vermitteln. Beide sind erfolgreiche Mitglieder des Vereins und auch seine Frau Johanna ist stets mit von der Partie. Obwohl sie einen schlechten Einstand hatte. "Als mein Mann mich, frisch verliebt, zum ersten Mal mit zum Fliegen nahm, ist gleich zu Beginn sein Flieger im Sturzflug runter. Totalschaden. Aus war 's."

Der Liebe tat das allerdings keinen Abbruch, geheiratet wurde trotzdem, und ob der Crash die Schuld der Frau war, ist sowieso nicht sicher.

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