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Projekt

28.11.2019

Ein fröhlicher Pater zu Besuch bei traurigen Deutschen

Im Rahmen eines Schulprojektes war Pater Alphonse an der Realschule Krumbach zu Gast. Für nächstes Jahr wünscht sich Pater Alphonse im Oktober ein Burundifest in Krumbach. Eine Zusammenarbeit der Realschule mit der Gemeinde St. Michael wäre sinnvoll, meint der Priester. Dabei zitiert er Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“
Foto: Realschule Krumbach

Pater Alphonse aus Burundi sammelt im Rahmen eines Projekts an der Realschule Krumbach Spenden

„Die Deutschen sind oft so traurig“, wunderte sich Abbé Alphonse manchmal, als er 1998 nach Krumbach kam und dort in der Pfarrei St. Michael für sieben Jahre in Vertretung die Messe gelesen hat. Viele Gemeindemitglieder erinnern sich noch an seine Begeisterungsfähigkeit und Herzlichkeit, die er auch in seinen Gottesdiensten verbreiten konnte. „Jeden hat er angenommen, egal, wer er war“, erinnert sich eine Krumbacherin. Im Rahmen eines Projektes besuchte er jetzt die Realschule Krumbach.

Grund ein düsteres, statt fröhliches Weltbild zu entwickeln, hätte der Pater allerdings selbst genug. 1995 wurde er im ethnischen Bürgerkrieg, unter dem das Land zwölf Jahre litt, durch 23 Kugeln getroffen. „Kopf und Herz hat man nicht erwischt“, verharmlost er. Sein Bischof schickte ihn im gleichen Jahr nach Deutschland zur Behandlung. Schon bald wirkte er als Aushilfspriester und arbeitete gleichzeitig an der Habilitationsschrift „Bewusstseinsbildung zur Mentalitätsänderung und Entwicklung als Aufgabe der Kirche in Burundi“.

Dieser Titel war Programm für sein weiteres Wirken. 2003 gründete er in seinem Heimatort Kimina die „École Mahoro“ (Friedensschule), wie er sagt: „Aus dem Nichts“. Umfassende Bildung – von Hirn, Herz, Hand – soll dort den Schülern eine bessere Zukunft eröffnen. Seit 2008 wirkt Abbé Professor Alphonse Ndabiseruye im erzbischöflichen Ordinariat als Leiter der „Entwicklungsorganisation der Erzdiözese Bujumbura“, das ist die Hauptstadt Burundis, und als Direktor der Caritas des Landes.

Aberglaube und magisches Denken, die Ursache und Wirkung nicht oder in einen falschen Zusammenhang bringen, lähmen leider in vielen Gegenden dieses Staates die Schaffenskraft der Menschen, erzählte er. Hier ein neues Bewusstsein zu bilden, sieht Pater Alphonse als Aufgabe der Friedensschule „Mahoro“. Für viele Kinder war es vorher unmöglich in die Schule zu gehen. Die Schule begann mit 315 Kindern, mittlerweile sind es 1483 Schüler, davon 779 Mädchen.

Jedes Jahr kommt Pater Alphonse auch an die Realschule Krumbach, sie ist Partnerschule der Friedensschule in Burundi. Die Schüler, die sich bei seinem Besuch in der Aula versammeln, hören seinen Erzählungen gebannt zu. Dieses Jahr fehlten leider Gitarrenspiel und Gesang, weil der Abbé dabei ist, sich von einem Schlaganfall zu erholen. Aber die Schüler konnten aus erster Hand erfahren, wie man in Burundi lebt und wie wichtig Schulbildung ist. Auch für ihr eigenes Leben wurde der Satz „Der Schulweg ist der beste Weg aus der Armut“ verständlich.

Die 8. und 9. Klasse der Realschule Krumbach engagieren sich in dem Projekt „Hand in Hand für Afrika“ jedes Jahr, indem sie zu einem Stundenlohn von fünf Euro zwischen vier und acht Stunden arbeiten. Der Ertrag wird an die École Mahoro gespendet. Die Firmen und Schüler sind dabei durch „Arbeitsverträge“ abgesichert, manche Schüler finden auch im familiären Bereich eine bezahlte Beschäftigung, wobei eine Tätigkeit in einer Firma vorzuziehen ist.

Da die École auf die tätige Mitwirkung der Bevölkerung in Burundi zurückgreifen kann, werden die Spendengelder intensiv genutzt. Pater Alphonse zeigte, wie die Spenden investiert wurden. Es wurde das Internat erweitert, ebenso die Bibliothek. Momentan erstellt man eine Wasserleitung, die aus zehn Kilometern Entfernung die Schule mit Wasser versorgen soll. Andererseits arbeiten viele Schüler bereits mit solargestützten Computern. Für nächstes Jahr wünscht sich Pater Alphonse im Oktober ein Burundifest in Krumbach. Eine Zusammenarbeit der Realschule mit der Gemeinde St. Michael wäre sinnvoll, meint der Priester. Dabei zitiert er Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ (pm)

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