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Breitenthal

10.11.2016

Ein gehaltvoller Abend in Breitenthal

„Sei still, Bua“ bekommt der Firmling auf diesem Fest öfter zu hören. Es bleibt dem Fritz auch kaum was anderes übrig: Schließlich gilt es, ein Menü zu verspeisen. Durch die fünf Akte der Komödie spielen und essen sich bei der DJK Breitenthal (von links) Roland Marz, Susanne Wohlhöfler, Franz Keller, Markus Lecheler, Philipp Kober, Margit Jakob, Monika Kober und Heidi Krones.
Bild: Rebekka Jakob

Das Stück „Sei still, Bua!“ verlangt den  Mimen der DJK eine ganze Menge ab.

Zum Glück ist die DJK Breitenthal ein Sportverein. Man muss sich also keine Sorgen drum machen, wie die Mitglieder der Theaterabteilung des Vereins es schaffen können, die Strapazen der diesjährigen Saison zu überstehen. Denn die Aufführungen von „Sei still, Bua!“ sind ausgesprochen gehaltvoll – die acht Schauspieler müssen körperlich alles geben. Schließlich gilt es, einen kulinarisch durchgeplanten Festtag in knapp drei Stunden durchzustehen. Einschließlich Essen und Getränken, versteht sich.

Die Komödie von Fitzgerald Kusz ist ein Klassiker, den die Breitenthaler in der schwäbischen Bearbeitung von Hermann Wächter zeigen. Uraufführung feierte das Originial „Schweig, Bub!“ im Oktober 1976 in Nürnberg, es hat also dieses Jahr sein 40. Jubiläum. Die Breitenthaler Inszenierung unter der Regie von Klaus Schlosser lässt dem Stück seinen Charme der 70er-Jahre – von Bühnenbild, Maske, Requisite und Schauspielern bis ins i-Tüpfelchen ausgespielt. Da türmen sich die Frisuren von Mutter Gretl (Margit Jakob) und Tante Anna (Monika Kober) in die Höhe, bauscht sich der Backenbart von Freund Manfred (Franz Keller), da werden die Glas-Krügle, die es damals als Spargeschenk von der Bank gab, auf den Tisch gestellt, und die Tapete ist ein schreiendes orangefarbenes Blumenmuster. Auf der furnierten Kommode türmen sich die Blumentöpfe, die der topffrisur-tragende Firmling Fritz (Philipp Kober) zu seinem Leidwesen an seinem Ehrentag bekommen hat.

Reduziert auf die Mimik

Ansonsten ist Bühne für das Geschehen hauptsächlich der Esstisch – und von dem wird gegessen, was eben drauf kommt. Leberspätzlesuppe, dampfende Knödel, Braten mit Soße und auch ein wenig „Hasenfutter“, also Salat, werden zum Fest aufgetischt, gefolgt von der üppigen Kuchenschlacht zum Kaffee, Bratwürsten und Aufschnitt zum Abendessen und einer fetten Torte zum Wein. Fünf Akte lang meistern die Mimen die Aufgabe, das alles zu essen – und dabei wunderbar zu spielen. Eine große Herausforderung, denn die Breitenthaler, zuletzt in sehr actionreichen Stücken auf der Bühne zu sehen, müssen diesmal ihre Kunst weitgehend im Sitzen zeigen, über weite Strecken reduziert auf die Mimik. Das gelingt jedoch grandios, wenn beispielsweise Vater Hans (Markus Lecheler) mit der Wurst-Gabel fuchtelt, oder Cousine Hanna (Susanne Wohlhöfler) im Laufe von Zeit und Alkoholkonsum immer mutiger dabei wird, sich ihren Frust von der Seele zu schreien.

Es ist nicht immer zum Lachen, was da im Laufe dieses kleinbürgerlichen Familienfestes auf den Tisch kommt. „Sei still, Bua!“ hat seine ernsten Momente, wenn am Festtag die unangenehmen Themen auf den Tisch kommen. Ob das nun der galoppierende Alkoholismus von Onkel Willi (Roland Marz) ist, dessen Sammlung leerer Bierflaschen vor dem Tisch beeindruckend schnell wächst. Oder der unausgesprochene Konflikt zwischen Freundin Gerda (Heidi Krones) und ihrem Manfred, der eigentlich gar nicht immer herumkommandiert werden möchte. Doch Stück und Darsteller bekommen immer wieder die Kurve und liefern gerade in den kleinen Gesten große Unterhaltung.

Perfekt macht den Abend dabei das Team hinter den Kulissen, Anneliese Krones im Souffleurkasten, Licht und Ton von Abteilungsleiter Lukas Schlosser, Maske von Claudia Marz, Gertrud Jenuwein und Anna Schmid sowie Bühnenbild von Urban Jakob und seinem Team lassen die späten 70er-Jahre genussvoll wieder auferstehen. Und Bärbel Strobel liefert – gemeinsam mit dem Breitenthaler Vereinsheimsteam – den heimlichen Hauptdarsteller des Abends: das tatsächlich heiß servierte Festmenü. Sechs Mal wird es diesen Herbst noch aufgetischt. Danach dürfen sich die Theatermimen von ihrem anstrengenden Auftrittsprogramm erholen – die Sportstunden in den anderen Abteilungen des Sportvereins warten bereits.

Weitere Aufführungstermine sind am Freitag, 11., Samstag, 12., Sonntag, 13., Freitag, 18., Samstag, 19., und Sonntag, 20. November. Beginn ist freitags und samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr. Kartenverkauf von Montag bis Freitag 17 bis 18.30 Uhr unter Telefon 0162/48 49 667 (keine SMS). Die Tickets müssen bis 30 Minuten vor Spielbeginn abgeholt werden.

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